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| Marc Heiland | Konsolen

UFC6Bild1Die Ultimate Fighting Championship hat sich längst von einer Nischensportart zu einem globalen Phänomen entwickelt. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die neueste Versoftung aus dem Hause EA Sports. Mit UFC 6 möchte Entwickler EA Vancouver nicht nur die bestehende Fangemeinde bedienen, sondern auch Neueinsteiger für die komplexe Welt des Mixed Martial Arts begeistern. Auf der PlayStation 5 erwartet Spieler ein umfangreiches Gesamtpaket aus realistischer Kampfaction, Story-Inhalten, Karrieremodus und Online-Wettbewerben. Doch reicht das aus, um den Titel an die Spitze des Genres zu katapultieren?

Einstieg gelungen: MMA für Anfänger und Veteranen
Eine der größten Herausforderungen eines UFC-Spiels war schon immer die hohe Einstiegshürde. Während klassische Prügelspiele oft auf einfache Kombos setzen, verlangt MMA ein Verständnis für Schlagtechniken, Clinch-Arbeit, Takedowns, Bodenkampf und Submission-Griffe.
UFC 6 begegnet diesem Problem erfreulich konsequent. Neue Spieler können auf vereinfachte Steuerungsoptionen zurückgreifen, die komplexe Eingaben deutlich entschlacken. Wer zunächst nur Schläge, Tritte und Würfe ausführen möchte, kann sofort loslegen, ohne stundenlang Tastenkombinationen zu lernen.
Zusätzliche Komfortfunktionen helfen dabei, kritische Spielsituationen besser zu erkennen. Besonders Einsteiger profitieren von Zeitlupeneffekten bei wichtigen Kontermöglichkeiten oder Verteidigungsaktionen. Dadurch fühlt sich UFC 6 zugänglicher an als jeder Vorgänger, ohne die spielerische Tiefe für erfahrene Fans zu opfern.
Sobald sämtliche Hilfen deaktiviert werden, offenbart sich das eigentliche Herzstück des Spiels: ein erstaunlich komplexes Kampfsystem, das Technik, Taktik und Timing gleichermaßen belohnt.

Im Oktagon zählt Strategie statt wildes Button-Mashing
Wer UFC 6 mit einem Arcade-Prügler verwechselt, wird schnell eines Besseren belehrt. Die Kämpfe entwickeln eine bemerkenswerte Dynamik, weil sich unterschiedliche Kampfstile tatsächlich unterschiedlich spielen.
Ein Elite-Boxer agiert völlig anders als ein Ringer oder ein Spezialist für Brazilian Jiu-Jitsu. Jeder Kämpfer besitzt individuelle Stärken, Schwächen und Spezialfähigkeiten, die den Verlauf eines Kampfes maßgeblich beeinflussen.
Besonders gelungen ist das neue Flow-State-System. Wer während eines Kampfes Momentum aufbaut, kann zeitweise besondere Vorteile aktivieren. Boxer entfalten mehr Schlagkraft, Wrestler dominieren Takedowns effizienter und Bodenkampfspezialisten gelangen leichter in dominante Positionen.
Diese Mechanik sorgt für zusätzliche taktische Tiefe, ohne künstlich zu wirken. Vielmehr vermittelt sie das Gefühl, einen Gegner tatsächlich unter Druck zu setzen und die Kontrolle über den Kampf zu übernehmen.
Ebenso wichtig bleibt das Ressourcenmanagement. Ausdauer, Körperschäden und gezielte Treffer auf Beine oder Rumpf wirken sich deutlich auf die Leistungsfähigkeit eines Athleten aus. Wer seine Energie verschwendet oder unüberlegt attackiert, zahlt spätestens in den späteren Runden einen hohen Preis. Gerade diese Mischung aus Simulation und Spannung macht die Kämpfe so fesselnd.

Beeindruckende Präsentation auf der PS5
Technisch präsentiert sich UFC 6 als bislang stärkster Serienvertreter.
Die Kämpfermodelle gehören zu den detailliertesten Sportlerdarstellungen, die derzeit auf Konsolen zu sehen sind. Muskeln reagieren glaubwürdig auf Bewegungen, Gesichtsausdrücke verändern sich während der Kämpfe und Treffer hinterlassen sichtbare Spuren.
Auch die Arenen profitieren von der aktuellen Hardware. Ob kleine Veranstaltungsorte oder ausverkaufte Großevents – Atmosphäre und Inszenierung überzeugen nahezu durchgehend.
Besonders die Knockout-Sequenzen entfalten enorme Wirkung. Treffer fühlen sich wuchtig an und werden durch gelungene Animationen eindrucksvoll in Szene gesetzt.
Allerdings zeigt die Physik gelegentlich Schwächen. Vereinzelt entstehen etwas seltsame Bewegungsabläufe oder unrealistische Verrenkungen nach einem K.o. Solche Momente bleiben zwar selten, können die ansonsten hohe Immersion aber kurzzeitig durchbrechen.

Story-Modus bringt frischen Wind
Eine der wichtigsten Neuerungen von UFC 6 ist der Story-Modus „Das Vermächtnis“.
Hier begleitet man Nachwuchskämpfer Chris Carter auf seinem Weg in die große UFC-Welt. Die Geschichte dreht sich um familiäre Erwartungen, Rivalitäten und den Traum vom sportlichen Aufstieg.
Zwar sollte niemand ein Oscar-reifes Sportdrama erwarten, dennoch gelingt es dem Modus, die Karriere emotional stärker aufzuladen als in früheren Teilen. Zwischensequenzen, Dialoge und besondere Events sorgen dafür, dass man eine echte Verbindung zur Hauptfigur entwickelt.
Besonders angenehm: Die Kampagne fungiert gleichzeitig als erweitertes Tutorial und vermittelt viele wichtige Spielmechaniken auf natürliche Weise.

UFC6Bild2Hall of Legends: Gelungene Hommage an UFC-Größen
Neben der Story wartet mit der „Hall of Legends“ ein weiterer interessanter Einzelspieler-Modus. Hier stehen die Karrieren realer UFC-Stars wie Max Holloway, Alex Pereira und Zhang Weili im Mittelpunkt.
Anstatt lediglich historische Kämpfe nachzuspielen, erkundet man interaktive Ausstellungen und erlebt entscheidende Stationen ihrer Laufbahnen. Das Konzept vermittelt deutlich mehr Persönlichkeit als klassische „Best-of“-Sammlungen und lockert das Gesamtpaket angenehm auf.

Karriere mit Licht und Schatten
Der klassische Karriere-Modus bleibt weiterhin ein Kernbestandteil der Reihe. Spieler erstellen ihren eigenen Athleten oder übernehmen bestehende UFC-Stars und arbeiten sich Schritt für Schritt Richtung Titelkampf vor. Trainingseinheiten, Sponsoren, soziale Medien und Vertragsverhandlungen bilden den Rahmen für die sportliche Entwicklung.
Das Fortschrittssystem funktioniert überzeugend. Neue Fähigkeiten, Trainer und Techniken sorgen dafür, dass der eigene Kämpfer spürbar stärker wird.

Dennoch bleibt die Karriere nicht frei von Kritik. Viele Trainingsaktivitäten wiederholen sich zu häufig, und nach mehreren Stunden stellt sich eine gewisse Routine ein. Die Grundidee funktioniert zwar weiterhin, wirkt aber im Vergleich zu modernen Sportspielen etwas konservativ.
Hier wäre für zukünftige Ableger mehr Dynamik wünschenswert.

Online stark, aber erwartbar
Online bietet UFC 6 alles, was Fans erwarten. Ranglisten-Matches, schnelle Kämpfe und verschiedene Regelvarianten sorgen für ausreichend Langzeitmotivation. Die Netzwerkperformance hinterließ im Test einen stabilen Eindruck, und das Matchmaking arbeitet zuverlässig.
Offline-Spieler kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Lokale Kämpfe auf der Couch gehören weiterhin zum Angebot und eignen sich hervorragend für spontane Duelle mit Freunden.

Der Haken: Mikrotransaktionen und unnötiger Ballast
Wie viele moderne EA-Titel kommt auch UFC 6 nicht ohne Monetarisierungssysteme aus. Kosmetische Gegenstände, freischaltbare Ausrüstung und eine Premium-Währung sind fest integriert. Zwar beeinflussen diese Inhalte das eigentliche Gameplay kaum, ihre Präsenz ist dennoch spürbar. Besonders störend wirkt, dass Belohnungsbildschirme und Freischaltungen häufig in den Vordergrund rücken. Das eigentliche Kampferlebnis bleibt davon zwar unberührt, dennoch hätte etwas mehr Zurückhaltung der Präsentation gutgetan.

Fazit: UFC 6 ist nicht die Revolution, die manche Fans möglicherweise erwartet haben. Wer den direkten Vorgänger intensiv gespielt hat, wird viele bekannte Mechaniken wiedererkennen. Dennoch gelingt EA Vancouver ein beeindruckendes Gesamtpaket, das sowohl Neueinsteiger als auch langjährige UFC-Fans überzeugt.
8Das Kampfsystem gehört weiterhin zur Spitze des Genres und verbindet technische Tiefe mit packender Spannung. Die neue Story-Kampagne, die Hall of Legends und zahlreiche Komfortfunktionen erweitern das Spielerlebnis sinnvoll. Gleichzeitig sorgt die starke Präsentation dafür, dass jede Begegnung im Oktagon intensiv und spektakulär wirkt.
Zwar bremsen repetitive Karriereelemente und die gewohnt aufdringliche Monetarisierung den Gesamteindruck etwas aus, am Ende überwiegen jedoch klar die Stärken.

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