Assassin's Creed Black Flag: Resynced (PS5) – Der Piratenklassiker in Bestform?
Assassin's Creed Black Flag: Resynced ist genau die Art von Remake, die viele Fans seit Jahren gefordert haben. Ubisoft verfolgt dabei nicht den Ansatz, den Klassiker von Grund auf neu zu erfinden, sondern möchte ihn mit moderner Technik, einigen spielerischen Verbesserungen und zusätzlichen Inhalten in die Gegenwart holen. Das Ergebnis bewegt sich irgendwo zwischen einem klassischen Remaster und einer vollständigen Neuinterpretation. Wer ein komplett neues Spielerlebnis erwartet, wird zwar enttäuscht werden, doch wer sich einfach die bestmögliche Version des beliebten Piratenabenteuers wünscht, dürfte mit Resynced voll auf seine Kosten kommen.
Auch dreizehn Jahre nach seinem ursprünglichen Erscheinen funktioniert die Geschichte um Edward Kenway erstaunlich gut. Der charmante, egoistische Freibeuter gerät auf seiner Jagd nach Reichtum mitten in den uralten Konflikt zwischen Assassinen und Templern und entwickelt sich im Laufe seines Abenteuers vom selbstsüchtigen Piraten zu einer deutlich reiferen Persönlichkeit. Diese Entwicklung wird nach wie vor glaubwürdig erzählt und profitiert zusätzlich davon, dass Ubisoft die Geschichte mit einigen neuen Zwischensequenzen und mehreren zusätzlichen Missionen erweitert hat. Besonders gelungen sind die neuen Questreihen rund um die drei Offiziere Lucy Baldwin, Padre und Tobias „Deadman“ Smith, die jeweils nicht nur spielerische Vorteile mitbringen, sondern auch ihre eigenen kleinen Geschichten erzählen. Zwar bleiben diese Handlungsstränge weitgehend von der Hauptgeschichte getrennt und hätten noch stärker eingebunden werden können, dennoch bereichern sie das Abenteuer spürbar und verlängern die Spielzeit sinnvoll.
Besonders erfreulich ist außerdem, dass Ubisoft nahezu die komplette ursprüngliche Synchronisation übernehmen konnte. Die neuen Dialoge wurden von denselben Sprechern aufgenommen und fügen sich nahezu nahtlos in die bestehenden Sprachaufnahmen ein. Lediglich Charles Vane musste aufgrund des Todes seines ursprünglichen deutschen Synchronsprechers neu besetzt werden. Insgesamt wirkt die Erzählung dadurch sogar etwas runder als im Original, weil zusätzliche Dialoge und Szenen einige Charaktere besser ausarbeiten und kleinere Lücken der Handlung schließen. Gleichzeitig verzichtet Resynced vollständig auf die Gegenwartsabschnitte rund um Abstergo Entertainment. Dadurch bleibt der Fokus konsequent auf Edwards Piratenabenteuer, was viele Spieler als deutliche Verbesserung empfinden dürften, auch wenn dadurch ein kleiner erzählerischer Kniff des Originals verloren geht.
Spielerisch bleibt Resynced seinem Vorbild über weite Strecken treu. Noch immer erkundet man die riesige Karibik, besucht Städte wie Havanna, Nassau oder Kingston, plündert Lagerhäuser, sammelt Schätze, jagt Tiere, verbessert die Jackdaw und erlebt eine angenehm abwechslungsreiche Kampagne, die auch heute noch kaum Ermüdungserscheinungen zeigt. Eine Stärke des Spiels war schon immer die enorme Vielfalt seiner Missionen. Mal infiltriert man eine Plantage, kurz darauf kämpft man auf hoher See gegen mehrere Kriegsschiffe, anschließend erkundet man einen Azteken-Tempel oder taucht nach versunkenen Schätzen. Diese Mischung sorgt dafür, dass sich Black Flag auch nach vielen Stunden nie eintönig anfühlt.
Ubisoft hat allerdings an einigen Stellen sinnvoll nachgebessert. Besonders die früher oftmals frustrierenden Beschattungsmissionen wurden grundlegend entschärft. Wird Edward entdeckt, scheitert die Mission nicht mehr automatisch, sondern eröffnet alternative Lösungswege. Statt eines sofortigen Neustarts darf man sich nun freikämpfen oder wichtige Dokumente erbeuten, um die Mission trotzdem erfolgreich abzuschließen. Auch die optionalen Missionsziele, die im Original häufig eine ganz bestimmte Spielweise erzwangen, wurden weitgehend entfernt. Dadurch besitzen die Missionen deutlich mehr Freiheit und erlauben es jedem Spieler, seinen eigenen Stil zu wählen.
Die größte spielerische Neuerung betrifft das Schleichen. Edward kann nun jederzeit in die Hocke gehen und sich deutlich flexibler durch die Spielwelt bewegen. Das eröffnet viele neue Möglichkeiten und orientiert sich sichtbar an den modernen Assassin's-Creed-Titeln. Leider zeigt sich hier aber gleichzeitig eine der größten Schwächen des gesamten Remakes. Die Gegner reagieren schlicht zu träge. Ihre Sichtfelder sind klein, sie verlieren den Spieler extrem schnell aus den Augen und lassen sich selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad problemlos nacheinander ausschalten. Dadurch entfaltet das neue Schleichsystem nie sein volles Potenzial, weil es schlicht kaum gefordert wird.
Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Kampfsystem. Die Kämpfe fühlen sich moderner an als noch 2013, profitieren von flüssigeren Animationen und erlauben offensiveres Vorgehen durch schwere Angriffe und Kombos. Dennoch bleibt das Grundprinzip relativ simpel. Vor allem der weiterhin extrem mächtige Konter macht viele Gefechte nahezu mühelos. Wer einmal das Timing verinnerlicht hat, schaltet selbst größere Gegnergruppen ohne nennenswerte Schwierigkeiten aus. Hinzu kommt der bereits früh verfügbare Wurfpfeil, der Gegner heranzieht oder kampfunfähig macht und die ohnehin geringe Herausforderung zusätzlich reduziert. Die zahlreichen spielerischen Verbesserungen werden dadurch etwas untergraben, weil Ubisoft die Balance zu stark zugunsten des Spielers verschoben hat.
Ganz anders präsentieren sich dagegen die Seeschlachten, die auch im Jahr 2026 noch zu den größten Stärken des Spiels gehören. Kaum ein anderes Spiel vermittelt das Gefühl eines Piratenlebens so überzeugend wie Black Flag. Die Jackdaw steuert sich hervorragend, Kanonenfeuer, Mörser, Rammangriffe und Entermanöver greifen perfekt ineinander und sorgen für spektakuläre Gefechte. Die neuen Offiziere erweitern das Arsenal sinnvoll und verleihen den Schiffskämpfen zusätzliche taktische Möglichkeiten, ohne ihre Balance zu zerstören. Legendäre Schiffe bleiben selbst mit vollständig ausgebautem Schiff eine ernsthafte Herausforderung und sorgen auch nach vielen Stunden noch für spannende Kämpfe. Lediglich das Wirtschaftssystem wirkt etwas unausgewogen. Durch passive Einnahmen aus Great Inagua und der ausgebauten Flotte verfügt man schon relativ früh über mehr Geld und Materialien, als man eigentlich benötigt. Dadurch verliert das Überfallen feindlicher Schiffe etwas von seiner ursprünglichen Bedeutung und nimmt dem Piratenalltag einen kleinen Teil seines Reizes.
Technisch zeigt sich Resynced dagegen von seiner besten Seite. Die aktuelle Version der Anvil-Engine verwandelt die Karibik in eine der schönsten offenen Spielwelten der gesamten Reihe. Dynamische Wetterwechsel, beeindruckendes Raytracing, realistische Wassereffekte, dichte Dschungel, detailreiche Städte und stimmungsvolle Sonnenuntergänge sorgen dafür, dass nahezu jeder Blick über das Meer wie eine Postkarte wirkt. Gleichzeitig wurden einige Gebiete erweitert oder leicht umgestaltet, wodurch selbst Kenner des Originals gelegentlich Neues entdecken können. Trotz kleinerer Clippingfehler und vereinzelter Animationsmacken läuft das Spiel insgesamt äußerst stabil. Abstürze oder gravierende Bugs treten praktisch nicht auf, und auch die Performance überzeugt sowohl auf Konsolen als auch auf leistungsstarken PCs.
Auch der Parkour wurde sinnvoll modernisiert. Manuelle Sprünge, flüssigere Übergänge und eine bessere Steuerung lassen Edward deutlich angenehmer klettern als noch im Original. Dennoch erreicht das neue System nicht ganz den natürlichen Bewegungsfluss früherer Serienteile. Gelegentlich wirken Sprünge etwas übertrieben oder Edward bleibt kurz an einer Kante hängen. Diese kleinen Ungenauigkeiten fallen jedoch nur selten negativ auf.
Eine ebenfalls gelungene Verbesserung betrifft die Open World. Ubisoft hat die Anzahl vieler Sammelobjekte deutlich reduziert und sie sinnvoller verteilt. Statt jede Insel mit Dutzenden Kisten zu überfrachten, versteckt das Spiel seine Geheimnisse nun kreativer und verbindet sie häufig mit kleinen Geschichten oder besonderen Situationen. Dadurch fühlt sich das Erkunden wesentlich natürlicher an als noch im Original. Gleichzeitig bleibt die grundsätzliche Struktur der Spielwelt jedoch erhalten. Aussichtspunkte decken weiterhin sämtliche Aktivitäten automatisch auf, wodurch das klassische Abarbeiten von Symbolen auf der Karte bestehen bleibt. Wer sich eine deutlich organischere Erkundung wie in modernen Open-World-Spielen gewünscht hat, dürfte deshalb weiterhin Kritikpunkte finden.
Auch akustisch überzeugt Resynced auf ganzer Linie. Die bekannte Musik erzeugt erneut genau jene Mischung aus Abenteuerlust, Fernweh und Piratenromantik, die bereits das Original ausgezeichnet hat. Die Seemannslieder der Crew gehören weiterhin zu den atmosphärischen Höhepunkten jeder längeren Seereise, während Kanonenschläge, Wellenrauschen und Umgebungsgeräusche die ohnehin beeindruckende Präsentation zusätzlich verstärken. Sowohl die englische als auch die deutsche Synchronisation bewegen sich auf hohem Niveau und verleihen den Figuren viel Persönlichkeit.
Fazit: Am Ende gelingt Ubisoft mit Assassin's Creed Black Flag: Resynced genau das, was viele Fans erwartet haben. Das Remake bewahrt den Charakter des Originals, modernisiert zahlreiche Komfortfunktionen und ergänzt das Abenteuer um sinnvolle neue Inhalte, ohne dabei seine Identität zu verlieren. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass manche Schwächen des Originals bewusst erhalten geblieben sind. Die Kämpfe und das Schleichen bieten trotz aller Verbesserungen nur wenig Herausforderung, das klassische Open-
World-Design wirkt stellenweise etwas altmodisch und Ubisoft hätte sich an einigen Stellen durchaus mehr Mut zu grundlegenden Veränderungen wünschen lassen können.
Trotzdem überwiegen die positiven Eindrücke deutlich. Resynced präsentiert den beliebten Piratenklassiker in seiner bislang besten Form und beweist eindrucksvoll, warum Assassin's Creed IV: Black Flag auch nach mehr als einem Jahrzehnt noch immer als eines der besten Piratenspiele überhaupt gilt. Wer das Original geliebt hat, bekommt hier die definitive Version eines zeitlosen Klassikers. Neue Spieler erleben eines der atmosphärischsten und abwechslungsreichsten Abenteuer der gesamten Assassin's-Creed-Reihe in technisch beeindruckender Qualität.
