Zum Hauptinhalt springen
| Marc Heiland | Konsolen

BACKSTAGEMit The Backstage erhält Little Nightmares III seinen ersten größeren DLC – und der zeigt eindrucksvoll, dass noch jede Menge Potenzial im albtraumhaften Universum der Reihe steckt. Während das Hauptspiel bei vielen Fans zwar mit seiner Atmosphäre punktete, spielerisch aber nicht immer die Erwartungen erfüllen konnte, wirkt dieser Ausflug hinter die Kulissen des Carnevale deutlich fokussierter, düsterer und spannender. Statt bloß neue Räume an bekannte Schauplätze anzuhängen, erzählt der DLC eine eigenständige Geschichte, die sowohl spielerisch als auch atmosphärisch neue Akzente setzt.

Bereits nach wenigen Minuten wird klar, dass sich die Entwickler diesmal auf das konzentriert haben, was die Serie seit jeher auszeichnet: unterschwelligen Horror. Die Reise führt nicht über die schillernden Attraktionen des Karnevals, sondern tief in dessen verrottende Eingeweide. Verlassene Werkstätten, staubige Requisitenlager, dunkle Wartungsschächte und vergessene Bühnenräume erzeugen ein Gefühl permanenter Beklemmung. Überall finden sich Hinweise darauf, dass dieser Ort einst voller Leben war, inzwischen jedoch von etwas Unheimlichem vereinnahmt wurde. Besonders gelungen ist dabei die Art und Weise, wie das Spiel seine Geschichte erzählt. Anstatt auf Dialoge oder Erklärungen zu setzen, vermitteln die Umgebungen selbst, dass hier etwas furchtbar schiefgelaufen ist.

Die Soundkulisse verstärkt diesen Eindruck erheblich. Oft herrscht beinahe bedrückende Stille, die plötzlich von entfernten Stimmen, metallischem Knarren oder seltsamen Geräuschen durchbrochen wird. Dadurch entsteht ein permanentes Gefühl der Unsicherheit. Es gibt kaum klassische Schockmomente, stattdessen baut der DLC eine konstante psychologische Spannung auf, die den Spieler bis zum Ende begleitet. Gerade dieser Verzicht auf billige Jumpscares macht die Atmosphäre so wirkungsvoll.

Auch erzählerisch geht The Backstage interessante Wege. Die bekannten Protagonisten Low und Alone werden früh voneinander getrennt. Während Alone verschwindet und offenbar in die Fänge einer neuen Bedrohung gerät, muss Low seinen Weg durch die dunklen Backstage-Bereiche des Karnevals allein fortsetzen. Unterstützung erhält er dabei von Dime, einem neuen Begleiter, der zwar nicht die enge Verbindung von Low und Alone ersetzt, dem Abenteuer aber eine neue Dynamik verleiht. Die Beziehung der beiden wirkt fragiler und unsicherer, was hervorragend zur Grundstimmung des DLCs passt.

Der wichtigste spielerische Neuzugang ist dabei Dimes sogenannter Fackelhut. Diese Lichtquelle dient nicht nur dazu, dunkle Bereiche auszuleuchten, sondern wird zum zentralen Bestandteil nahezu aller Rätsel und Schleichpassagen. Licht und Schatten spielen eine wesentlich größere Rolle als im Hauptspiel. Versteckte Hinweise werden sichtbar gemacht, gefährliche Kreaturen können auf Abstand gehalten werden und zahlreiche Rätsel basieren darauf, Licht gezielt einzusetzen oder umzuleiten.

Besonders positiv fällt auf, dass die Rätsel deutlich anspruchsvoller ausfallen als im Hauptspiel. Während viele Aufgaben dort oft sehr schnell gelöst waren, verlangen die Herausforderungen in The Backstage mehr Aufmerksamkeit und Beobachtungsgabe. Die Lösungen wirken dabei nie unfair oder künstlich kompliziert. Vielmehr entsteht regelmäßig dieser angenehme Moment, in dem man erkennt, dass die Antwort die ganze Zeit direkt vor den eigenen Augen lag. Die Rätsel sind clever konstruiert und nutzen die neue Lichtmechanik sinnvoll aus, ohne sie überzustrapazieren.

Das unbestrittene Highlight des DLCs ist jedoch die neue Antagonistin: die Puppenspielerin. Sie reiht sich mühelos in die Galerie der denkwürdigen Monster ein, für die die Reihe bekannt geworden ist. Anders als viele klassische Horrorfiguren wirkt sie zunächst beinahe harmlos. Doch je näher man ihr kommt, desto stärker wächst das Gefühl, einer unberechenbaren Bedrohung gegenüberzustehen.

Die Schleichpassagen rund um die Puppenspielerin gehören zu den stärksten Momenten des gesamten DLCs. Ihre Bewegungen folgen keinem einfachen Muster, sie kann überraschend reagieren und zwingt den Spieler dazu, ihr Verhalten genau zu studieren. Besonders spannend wird dies durch die Lichtmechanik: Einerseits benötigt man Sicht, um voranzukommen, andererseits kann genau dieses Licht die Aufmerksamkeit der Gegnerin auf sich ziehen. Dadurch entsteht ein ständiger Balanceakt zwischen Sicherheit und Risiko.

Auch visuell hinterlässt die Puppenspielerin Eindruck. Ihre Werkstatt gleicht einem grotesken Theater des Grauens. Überall finden sich halbfertige Puppen, deformierte Figuren und verstörende Konstruktionen, die den Eindruck vermitteln, dass hier lebende Wesen zu Kunstwerken umgeformt werden. Diese Bildsprache passt hervorragend zu den zentralen Themen des DLCs: Kontrolle, Manipulation und der Verlust der eigenen Identität.

Trotz aller Stärken bleibt The Backstage jedoch nicht frei von Kritikpunkten. Der größte davon ist zweifellos die Spieldauer. Das Abenteuer endet bereits nach wenigen Stunden und hinterlässt das Gefühl, dass die Entwickler viele ihrer guten Ideen nur angerissen haben. Gerade die faszinierende Kulisse hätte noch deutlich mehr Raum für zusätzliche Abschnitte und weitere Begegnungen geboten.

Hinzu kommt, dass die Puppenspielerin zwar hervorragend inszeniert wird, letztlich aber die einzige große Bedrohung des DLCs bleibt. Weitere markante Gegner oder zusätzliche Bosssequenzen hätten für mehr Abwechslung sorgen können. Ähnliches gilt für die Rätsel. Zwar überzeugen deren Qualität und Einbindung in die Spielwelt, ihre Anzahl fällt jedoch relativ überschaubar aus.

Dennoch gelingt es The Backstage, seine kurze Laufzeit effektiv zu nutzen. Die neuen Mechaniken fühlen sich sinnvoll an, die Atmosphäre erreicht stellenweise sogar die Intensität der besten Serienmomente und die Puppenspielerin gehört schon jetzt zu den erinnerungswürdigsten Figuren des gesamten Spiels. Vor allem zeigt der DLC, wie viel Potenzial noch in den kommenden Kapiteln der „Secrets of the Spiral“-Erweiterungen steckt.

8Unterm Strich ist The Backstage genau die Art von DLC, die sich Fans gewünscht haben. Er vertieft die Welt von Little Nightmares III, liefert einige der stärksten Schleichpassagen der Reihe und präsentiert mit seiner düsteren Backstage-Kulisse eine Umgebung, die lange im Gedächtnis bleibt. Wäre das Abenteuer etwas umfangreicher ausgefallen, hätte hier sogar ein echtes Serienhighlight entstehen können. So bleibt ein sehr gelungener erster DLC, der Lust auf mehr macht. Kurz gesagt: Atmosphärisch herausragend, spielerisch verbessert und mit einer großartigen Antagonistin ausgestattet. Lediglich die kurze Spielzeit verhindert eine noch höhere Bewertung.

Wir bedanken uns bei  für das zur Verfügung gestellte Testexemplar.

U. Sperling

Impressum - Datenschutz

Copyright 2016 © Inn-Joy.de All Rights Reserved. 

Joomla! © name is used under a limited license from Open Source Matters in the United States and other countries.