Copa City im Test: Innovativer Fußball-Tycoon mit viel Potenzial, aber ohne echte Stadionatmosphäre
Mit einigen Monaten Verspätung, aber immer noch pünktlich zur FIFA WM 2026, erscheint „Copa City“, die erste Fußball-Tycoon-Simulation aus dem Hause Triple Espresso. Hier geht es nicht nur um den Fußball auf dem Platz, sondern um Organisation, Logistik, Transport, Sicherheit und vieles mehr. Nachdem wir uns anhand der Demo ein erstes Bild machen konnten und damals noch recht skeptisch waren, durften wir mittlerweile für euch die Vollversion testen und verraten euch im Folgenden ob uns „Copa City“ wie das 7:1 von Deutschland gegen Curacao vom Platz gefegt hat, oder wir es eher enttäuschen finden, wie Brasiliens 1:1 gegen die Kapverdischen Inseln.
Der Beginn oder aller Anfang ist schwer
Zugegeben: Als ich die ersten Bewegtbilder von „Copa City“ mit den durch die Stadt laufenden Fangruppen gesehen hatte, da hatte ich Lust auf Mehr. Denn wo ist es schon möglich, sich um die Belange der Fans, um Familien, Ultras und „Normalos“ zu kümmern und dafür zu sorgen, dass alles bereits vor dem Spiel glatt läuft, es im Stadion nicht zu Tumulten kommt und alle auch sicher wieder abreisen können?
Doch das eigentliche Spiel war für mich ein Wechselbad der Emotionen. Schon das Intro und das Tutorial wirkten eher dröge und konnte mich nicht abholen. Dies lag zum einen daran, dass es ausschließlich englische Sprecherinnen und Sprecher gibt, zum anderen, dass vor allem mein direkter Vorgesetzter absolut unsymphatisch dargestellt wird und mir daher der Spaß vermiest wird, etwas für ihn tun zu müssen.
Das Tutorial führt mich zwar in die Grundlagen des Spiels ein, verwirrt mich aber immer mal wieder durch ungenaue Textübersetzungen und Einschränkungen bzw. nicht nachvollziehbare Dinge. Wieso muss ich beispielsweise in einer vom Platz her stark limitierten Fanzone mehrere Stromgeneratoren bauen, um den Imbisswagen, die Sicherheitsvorrichtungen und anderes mehr mit Strom zu versorgen? Warum muss die Rekrutierungsstelle für Freiwillige so riesig sein, wenn ich diese nur anwerben soll? Wann muss ich in welchem Umfang Bahnverbindungen von einer Stelle zur anderen verknüpfen? Warum soll ich von einem Sponsor in einem bestimmten Bezirk einen Imbisswagen stellen, wenn ich weder den Wagen finde, noch exakt weiß, wo dieser Bezirk zu finden ist? Warum funktioniert das Belegen von Blöcken sowohl für die heimischen als auch die gegnerischen Fans teilweise so umständlich? Wieso wird mir im Tutorial nicht erklärt, was ich vor dem Stadion bauen kann oder soll und was erst später gebaut wird? Und vieles mehr.
Immerhin: Bereits die Ausgangslage hebt sich angenehm von klassischen Fußballmanagern wie dem Football Manager oder We Are Football ab. Hier werden keine Aufstellungen erstellt, keine Spieler verpflichtet und keine Taktiken einstudiert. Stattdessen organisiert man das komplette Drumherum eines Fußballgroßereignisses. Tausende Fans reisen an, benötigen Unterkünfte, wollen unterhalten werden und müssen sicher ins Stadion und wieder nach Hause gelangen. Diese Perspektive ist im Genre nahezu einzigartig und weckt zunächst große Neugier.
Für zusätzliche Authentizität sorgen einige namhafte Lizenzen. Mit Vereinen wie dem FC Bayern München, Borussia Dortmund, Arsenal London, Olympique Marseille, Beşiktaş Istanbul und Flamengo sind bekannte Klubs vertreten. Originale Vereinsfarben, Fan-Gesänge und typische Verhaltensweisen der Anhänger tragen dazu bei, dass sich die Begegnungen zumindest atmosphärisch nach echten Fußballereignissen anfühlen. Besonders die großen Fanmärsche durch die Straßen der Städte vermitteln stellenweise das Gefühl, tatsächlich Teil eines bedeutenden Fußballfestes zu sein.
Der eigentliche Spielablauf konzentriert sich auf verschiedene Stadtteile der verfügbaren Austragungsorte wie Berlin, Warschau oder Rio de Janeiro. Hier errichtet man Fan-Zonen, plant Infrastruktur, baut Imbissstände, Sicherheitszentren, Unterhaltungsangebote und weitere Einrichtungen. Die Bedürfnisse der Fans stehen dabei stets im Mittelpunkt. Familien wünschen sich vor allem Unterhaltung, klassische Fans legen Wert auf Verpflegung und Ultras verlangen nach Sicherheitsmaßnahmen. Gleichzeitig müssen Transportwege organisiert, Stadionblöcke verteilt und zahlreiche weitere Aufgaben bewältigt werden.
Auf den ersten Blick entfaltet sich daraus ein interessantes Management-Spiel, bei dem viele Systeme ineinandergreifen. Tatsächlich gelingt es Copa City immer wieder, den Spieler vor logistische Herausforderungen zu stellen. Mit zunehmender Besucherzahl steigen die Anforderungen spürbar an. Plötzlich reichen einige wenige Imbissbuden oder Sicherheitskräfte nicht mehr aus, und die Zufriedenheit der Fans droht zu sinken. Wer nicht rechtzeitig reagiert, riskiert sogar den Abbruch eines Spiels. Besonders in den ersten Stunden entsteht dadurch durchaus eine gewisse Spannung.
Leider zeigt sich jedoch relativ schnell, dass viele Mechaniken deutlich weniger tiefgründig sind, als sie zunächst erscheinen. Die Bedürfnisse der unterschiedlichen Fangruppen werden sehr schematisch behandelt. Familien verlangen nahezu ausschließlich Unterhaltung, Ultras konzentrieren sich fast nur auf Sicherheitsaspekte und klassische Fans möchten hauptsächlich Essen. Diese starke Vereinfachung wirkt im Jahr 2026 überraschend altmodisch und verhindert, dass sich echte Dynamik entwickelt. Statt kreative Lösungen zu finden, besteht die Herausforderung häufig lediglich darin, immer größere Mengen derselben Gebäude zu errichten.
Dadurch entsteht ein erheblicher Anteil an Mikromanagement, das selten wirklich befriedigend wirkt. Oft baut man zusätzliche Sicherheitszentren, Generatoren oder Imbissstände nicht deshalb, weil sich daraus interessante Entscheidungen ergeben würden, sondern weil das Spiel schlicht höhere Zahlen verlangt. Die Auswirkungen der eigenen Maßnahmen bleiben dabei häufig abstrakt. Zwar steigen grüne Zufriedenheitsbalken an, doch die Spielwelt vermittelt nur selten das Gefühl, dass die eigenen Entscheidungen tatsächlich sichtbare Veränderungen bewirken.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: die Benutzeroberfläche. Während gute Wirtschaftssimulationen den Spieler möglichst effizient arbeiten lassen, scheint Copa City an vielen Stellen unnötige Hürden einzubauen. Menüs verschwinden plötzlich, Kamerawechsel unterbrechen Arbeitsabläufe und viele Funktionen benötigen mehr Klicks als nötig. Besonders bei größeren Veranstaltungen wird dies zunehmend störend. Das Zuweisen von Stadionblöcken, das Verschieben von Fangruppen oder das Verwalten verschiedener Stadtteile wird dadurch unnötig verlangsamt.
Emotional bleibt viel liegen
Technisch präsentiert sich Copa City insgesamt solide, aber nicht fehlerfrei. Kleinere Glitches, gelegentliche Bedienungsprobleme und eine nicht immer optimale Kameraführung begleiten das Spielerlebnis regelmäßig. Auch die Audioabmischung wirkt stellenweise unausgewogen. Dialoge werden teilweise abgeschnitten oder unterschiedlich laut wiedergegeben. Zwar sind diese Mängel selten spielentscheidend, sie verstärken jedoch den Eindruck, dass dem Titel noch etwas Feinschliff fehlt.
Besonders enttäuschend ist jedoch, dass es dem Spiel oft nicht gelingt, seine eigentlich starke Grundidee emotional auszuschöpfen. Obwohl tausende Fans durch die Straßen ziehen, Gesänge erklingen und große Fußballereignisse simuliert werden, bleibt die Atmosphäre erstaunlich nüchtern. Die Fan-Zonen wirken häufig steril, die Städte dominieren optisch das Geschehen und die zahlreichen Verwaltungsaufgaben entwickeln schnell einen arbeitsähnlichen Charakter. Statt die Begeisterung eines Fußballfestes zu transportieren, fühlt sich vieles eher wie das Abarbeiten einer Checkliste an.
Dennoch besitzt Copa City zweifellos seine Stärken. Die ungewöhnliche Perspektive hebt das Spiel deutlich von der Konkurrenz ab. Die Mischung aus Fußballkultur, Städteplanung und Eventmanagement bietet Ideen, die man in dieser Form bislang kaum gesehen hat. Wer gerne komplexe Abläufe optimiert und sich für die Organisation großer Veranstaltungen interessiert, wird hier durchaus einige spannende Stunden verbringen können. Zudem zeigen die Entwickler erkennbar Leidenschaft für den Fußball und dessen Fankultur.
Am Ende hinterlässt Copa City jedoch das Gefühl einer großen verpassten Chance. Die innovative Grundidee, die vorhandenen Lizenzen und einige interessante Managementansätze bilden ein Fundament für einen potenziellen Genre-Hit. In der aktuellen Form wird dieses Potenzial jedoch durch eine umständliche Benutzeroberfläche, oberflächliche Spielmechaniken und eine überraschend schwache emotionale Bindung ausgebremst. Wer eine klassische Fußballmanager-Simulation erwartet, ist hier ohnehin falsch. Wer hingegen bereit ist, sich auf ein ungewöhnliches Konzept einzulassen und kleinere Frustrationen zu akzeptieren, findet ein sympathisches, wenn auch noch unausgereiftes Management-Spiel.
Fazit: Copa City bietet eine originelle Perspektive auf die Welt des Fußballs und beweist Mut zur Innovation. Die Organisation ganzer Spieltage statt einzelner Mannschaften ist eine spannende Idee, die stellenweise sogar echtes Tycoon-Feeling aufkommen lässt. Leider verhindern eine überladene Bedienung, repetitives Mikromanagement und eine überraschend geringe atmosphärische Wirkung den Sprung in höhere Tabellenregionen. So bleibt am Ende ein interessantes Experiment, das vor allem Fußball- und Managementfans neugierig machen dürfte, sein enormes Potenzial aber noch nicht vollständig ausschöpft.
Wir bedanken uns beim Entwickler Triple Espresso für das zur Verfügung gestellte Testmuster.
L. Zimmermann
