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| Marc Heiland | Kaffeewelten

CULTDvietnam donRobusta hat im Kaffee lange Zeit ein eher zweifelhaftes Image gehabt. Kräftig, bitter, wenig komplex – so lautet das klassische Vorurteil. Dass Canephora, wie die botanisch korrekte Bezeichnung lautet, längst deutlich mehr zu bieten hat, zeigen moderne Specialty-Coffee-Produzenten immer häufiger. Der Vietnam Don Elephant Canephora von C.U.L.T.D. aus Hamburg ist dafür ein ausgesprochen interessantes Beispiel.
Statt vor allem über Kraft und einen hohen Körper zu kommen, setzt dieser Kaffee auf Süße, Fruchtigkeit und eine erstaunliche aromatische Differenzierung. Als reiner Canephora-Espresso zeigt er damit, wie spannend hochwertige Robusta-Kaffees aus Vietnam sein können.

Canephora aus Vietnam
Die Bohnen stammen aus Bao Loc in der vietnamesischen Provinz Lam Dong. Das Gebiet im zentralen Hochland Vietnams ist für den Kaffeeanbau von großer Bedeutung und bietet mit seinen Höhenlagen und fruchtbaren Böden gute Voraussetzungen für hochwertige Canephora-Kaffees. Die Bohnen für den Vietnam Don Elephant wachsen auf einer Höhe von 868 bis 950 Metern.
Der Name „Don Elephant“ nimmt dabei Bezug auf die Herkunftsregion und ihre kulturelle Geschichte. Gerade im zentralen Hochland Vietnams spielen die dort lebenden ethnischen Gemeinschaften und ihre traditionelle Beziehung zu Elefanten eine besondere Rolle. Interessant ist der Kaffee aber vor allem aufgrund seiner Verarbeitung. Denn neben Herkunft und Varietät beeinflusst gerade die Aufbereitung maßgeblich, wie Canephora später in der Tasse auftritt.

Yellow Honey für mehr Süße und Frucht
Bei diesem Kaffee kommt ein Yellow-Honey-Verfahren zum Einsatz. Dabei wird die Kaffeekirsche zunächst von ihren äußeren Bestandteilen befreit. Ein Teil des Fruchtfleisches bleibt jedoch an der Bohne zurück, bevor die Kaffeebohnen langsam in der Sonne getrocknet werden.
Diese Art der Aufbereitung kann die natürliche Süße der Kaffeekirsche stärker in den späteren Geschmack einbinden und gleichzeitig fruchtige Aromen fördern. Beim Vietnam Don Elephant macht sich dieser Einfluss bereits beim Öffnen der Packung bemerkbar. Im Duft begegnen einem zunächst Karamell und Waldhonig, begleitet von deutlichen Kakaonoten. Im Hintergrund lässt sich zudem eine Anmutung von getrockneter Mango entdecken. Für einen Canephora ist das ein durchaus spannendes Aromenspiel, denn hier steht nicht allein die typische Würze oder Wucht der Bohne im Mittelpunkt.

Intensive Tasse mit tropischer Note
Als Espresso zeigt der Vietnam Don Elephant dann seine eigentliche Stärke. Die Tasse ist intensiv und besitzt den für Canephora erwartbaren kräftigen Charakter, wirkt dabei aber keineswegs eindimensional.
Kakao und süßer Tabak bilden zunächst das geschmackliche Fundament. Dazu gesellt sich eine deutlich wahrnehmbare tropische Fruchtigkeit, die dem Espresso eine überraschende zusätzliche Ebene verleiht. Im weiteren Verlauf kommt eine angenehme Milchschokoladensüße hinzu.
Bemerkenswert ist dabei die Säure. Sie fällt nicht besonders prägnant oder spitz aus, sondern bleibt leicht und weich. Dadurch entsteht ein Espresso, der trotz seiner Intensität zugänglich bleibt und nicht in die häufig mit Robusta verbundenen bitteren oder rauen Noten abrutscht.
Gerade diese Balance macht den Kaffee interessant: Auf der einen Seite stehen Körper und Intensität, auf der anderen Seite Süße und Fruchtigkeit. Der Vietnam Don Elephant versucht also nicht, Canephora wie einen klassischen Arabica erscheinen zu lassen. Vielmehr spielt er seine eigenen Stärken aus und ergänzt sie um eine für Robusta bemerkenswerte aromatische Komplexität.

Ein anderer Blick auf Robusta
Der Kaffee ist damit auch ein schönes Beispiel dafür, warum sich der Blick auf Canephora in der Specialty-Coffee-Szene verändert. Hochwertige Canephora-Bohnen können unter geeigneten Anbaubedingungen und mit sorgfältiger Aufbereitung durchaus ein eigenständiges und differenziertes Geschmacksprofil entwickeln.
Gerade im Espresso kommt diese Kombination aus Körper, Süße und Intensität besonders gut zur Geltung. Der Vietnam Don Elephant ist deshalb weniger ein Kaffee für diejenigen, die ausschließlich nach einer extrem hellen, säurebetonten Tasse suchen. Vielmehr richtet er sich an Espresso-Liebhaber, die kräftige Kaffees mögen, dabei aber nicht auf aromatische Tiefe und ungewöhnliche Fruchtnoten verzichten möchten.
Und genau darin liegt für uns der Reiz dieses Kaffees: 100 Prozent Canephora und trotzdem ein Espresso, der mit deutlich mehr als Kraft und Bitterkeit arbeitet.

Unser Fazit
Der Vietnam Don Elephant Canephora von C.U.L.T.D. ist ein charaktervoller Espresso, der eindrucksvoll zeigt, welches Potenzial in hochwertigem Canephora steckt. Karamell, Waldhonig, Kakao und getrocknete Mango prägen bereits den Duft. In der Tasse treffen Kakao und süßer Tabak auf tropische Frucht, Milchschokolade und eine angenehm weiche Säure.
Wer Robusta bislang vor allem mit kräftigen, bitteren Espressi verbindet, bekommt hier einen guten Grund, seine Vorurteile zu überprüfen. Der Vietnam Don Elephant ist intensiv, süß und körperreich – gleichzeitig aber erstaunlich aromatisch und fruchtig.
Ein spannender Specialty-Canephora für alle, die beim Espresso gerne einmal abseits der klassischen Arabica-Pfade unterwegs sind.

Auf einen Blick
Herkunft: Bao Loc, Lam Dong, Vietnam
Anbauhöhe: 868–950 Meter
Varietät: Canephora
Zusammensetzung: 100 % Canephora / Robusta
Aufbereitung: Natural / Yellow Honey
Zubereitung: Espresso
Sensorik: Kakao · süßer Tabak · tropische Früchte · Milchschokolade · weiche Säure
Duft: Karamell · Waldhonig · Kakao · getrocknete Mango

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