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| Marc Heiland | Sonstiges

DeadpoolMit der Meta-Quest-3-Version von „Marvels Deadpool“ wagt sich eine der respektlosesten Figuren des Comic-Universums erstmals konsequent in die Virtual Reality – und nutzt das Medium nicht nur als technische Spielerei, sondern als Bühne für ein überraschend dichtes, interaktives Erlebnis. Bereits nach den ersten Minuten wird deutlich, dass dieses Spiel nicht einfach eine VR-Adaption eines bekannten Actiontitels ist, sondern ein bewusst für VR entworfenes Deadpool-Abenteuer, das seine Stärken vor allem aus Immersion, physischer Interaktion und direkter Spieleransprache zieht.

Technisch profitiert der Titel sichtbar von der Leistung der Meta Quest 3. Die Umgebungen sind klarer und detaillierter als man es von früheren Standalone-VR-Produktionen kennt. Texturen wirken scharf, Lichteffekte sind stimmig gesetzt und die Bildrate bleibt selbst in hektischen Kampfsituationen stabil. Besonders positiv fällt auf, dass die Entwickler auf eine saubere Performance geachtet haben, was gerade bei schnellen Bewegungen, Teleport-Sequenzen und Nahkampfsituationen essenziell ist, um Motion Sickness zu vermeiden. Das Spiel nutzt Raumtiefe und räumliche Wahrnehmung effektiv, ohne den Spieler mit überladenen Effekten zu überfordern. 

Inhaltlich bleibt „Marvels Deadpool“ seiner Vorlage kompromisslos treu. Der Humor ist derb, selbstreferenziell und durchbricht regelmäßig die vierte Wand – in VR jedoch mit einer neuen Qualität. Deadpool spricht euch nicht nur an, er tritt buchstäblich in euer Zimmer, kommentiert Handbewegungen, kritisiert das Zögern beim Nachladen oder macht sich über ungeschickte Aktionen lustig. Diese direkte Interaktion verstärkt die Bindung zwischen Deadpool und euch erheblich und sorgt für zahlreiche Momente, die ohne VR schlicht nicht möglich wären. Fans der Figur werden sich hier sofort zuhause fühlen, Neulinge könnten jedoch vom permanenten Zynismus und der bewussten Grenzüberschreitung überrascht werden. Ein Wermutstropfen: Obwohl das Spiel komplett mit deutscher Sprachausgabe erscheint, wurde für das Spiel nicht die deutsche Synchronstimme von Ryan Raynolds verpflichtet, was die Stimmung ein wenig trübt. Positiv zu erwähnen ist, dass einige Witze extra für das deutsche Publikum geschrieben wurden und auch nur hier funktionieren. Akustisch überzeugt „Marvels Deadpool“ mit wuchtigen und räumlich gut platzierten Soundeffekten. Besonders in Gefechten trägt das 3D-Audio dazu bei, Gegner präzise zu orten, was nicht nur atmosphärisch, sondern auch spielmechanisch relevant ist. Der Soundtrack hält sich dezent im Hintergrund, unterstützt aber die Dynamik der Actionsequenzen. 

Das Gameplay kombiniert klassische Shooter-Elemente mit VR-typischer Physik. Waffen werden realistisch geführt, Magazine manuell oder automatisch gewechselt, Schwerter und Messer mit echten Armbewegungen geschwungen. Besonders gelungen ist das Kampfsystem, das zur Bewegung zwingt: Deckung suchen, ausweichen, Gegner flankieren – all das fühlt sich körperlich an und sorgt für ein hohes Maß an Präsenz. Deadpooltypisch bleibt dabei alles überzeichnet, schnell und brutal, ohne jedoch unkontrolliert zu wirken. Die Steuerung ist intuitiv, erfordert aber eine gewisse Eingewöhnungszeit, vor allem für VR-Einsteiger, da es gerade in hektischen Sequenzen manchmal ein wenig schwierig ist, die richtige Waffe zu erwischen wie beispielsweise bei der Grapple Gun.

Erzählerisch setzt das Spiel weniger auf eine tiefgehende, emotionale Handlung, sondern auf eine lose, episodische Struktur, die als Rahmen für Action und Humor dient. Die Story ist bewusst absurd gehalten und nimmt sich selbst nie ernst, was hervorragend zur Figur passt. Gleichzeitig gibt es genügend Abwechslung in den Szenarien, sodass das Spiel nicht monoton wirkt. Kurze Rätselpassagen und interaktive Umgebungen lockern das Tempo auf und nutzen VR sinnvoll, ohne den Spielfluss zu bremsen.

Nicht unerwähnt bleiben sollten kleinere Schwächen. Trotz der insgesamt starken Technik kommt es vereinzelt zu einfachen Animationen bei Nebenfiguren oder zu wiederholenden Gegnerdesigns. Auch die Spielzeit fällt eher kompakt aus, was allerdings durch den hohen Wiederspielwert teilweise kompensiert wird. Wer Deadpool-Humor mag, wird bestimmte Szenen allein wegen der Dialoge erneut erleben wollen.

8Fazit: Unterm Strich ist die Meta-Quest-3-Version von „Marvels Deadpool“ ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie Virtual Reality bekannte Marken nicht nur erweitern, sondern neu definieren kann. Das Spiel nutzt die Möglichkeiten des Mediums konsequent, ohne sich in Technik zu verlieren, und liefert ein Erlebnis, das gleichermaßen unterhält, fordert und überrascht. Für VR-Enthusiasten und Fans des von Marvel geschaffenen Antihelden ist dieser Titel eine klare Empfehlung – vorausgesetzt, man ist bereit, sich auf einen respektlosen, lauten und äußerst direkten Trip einzulassen.

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