Starfield im Test: Auf der PS5 mit Verbesserungen und DLC ein "rundum-sorglos-Paket"?
Als Bethesda Game Studios Starfield im Jahr 2023 veröffentlichte, war die Fallhöhe enorm. Kaum ein Rollenspiel wurde im Vorfeld so stark gehypt, kaum eines anschließend so kontrovers diskutiert. Während Kritiker die schiere Größe, die Freiheit und das ambitionierte Sci-Fi-Setting lobten, monierten viele Spieler die sterile Weltraumerkundung, die vielen Ladezeiten und eine gewisse emotionale Distanz im Storytelling. Nun, zweieinhalb Jahre später, erscheint das Spiel erstmals auf der PlayStation – inklusive umfangreicher Updates und zweier DLCs. Die PS5-Pro-Version versteht sich dabei nicht nur als Port, sondern als überarbeitete, inhaltlich vollständigste Fassung eines Spiels, das nie ganz seinen eigenen Ansprüchen gerecht wurde – und genau darin auch 2026 noch seinen Reiz entfaltet.
Im Kern bleibt Starfield das, was es immer war: ein klassisches Bethesda-Rollenspiel, das seine Stärken aus der Freiheit des Spielers zieht. Die Hauptgeschichte rund um mysteriöse Artefakte und übernatürlich anmutende Phänomene entfaltet sich in einem bewusst entschleunigten Tempo und setzt stärker auf Atmosphäre als auf dramaturgische Zuspitzung. Dabei gelingt es dem Spiel durchaus, eine glaubwürdige Zukunftsvision zu zeichnen, die sich stilistisch am sogenannten „NASA-Punk“ orientiert – einer Mischung aus realitätsnaher Raumfahrtästhetik und futuristischen Elementen. Doch so faszinierend diese Welt auch ist, so sehr bleibt sie erzählerisch hinter ihren Möglichkeiten zurück. Entscheidungen haben selten das Gewicht, das man sich erhofft, und auch die Charaktere erreichen nur selten die Tiefe, wie man sie aus Genregrößen wie Mass Effect oder Cyberpunk 2077 kennt. Das bedeutet jedoch nicht, dass Starfield keine guten Geschichten erzählt – vielmehr fehlt es ihnen oft an Konsequenz und nachhaltiger Wirkung.
Spielerisch bewegt sich Starfield weiterhin auf vertrautem Terrain. Erkundung, Kämpfe, Dialoge, Crafting und Basisbau greifen ineinander und ergeben das typische Bethesda-Gefühl, das Fans seit The Elder Scrolls V: Skyrim schätzen. Die Gefechte funktionieren auch 2026 noch solide, profitieren von einem ordentlichen Trefferfeedback und einer angenehmen Waffenvielfalt, bleiben aber hinter modernen Shootern zurück. Wirklich spannend wird es durch das große „Free Lanes“-Update, das eine der größten Schwächen des Originals adressiert: die sterile Fortbewegung im All. Statt ausschließlich per Schnellreise von Planet zu Planet zu springen, erlaubt das Spiel nun, innerhalb eines Sonnensystems frei zu navigieren. Diese Neuerung verändert weniger die Mechanik als vielmehr die Wahrnehmung. Plötzlich entsteht ein Gefühl von Raum und Distanz, von Reise und Entdeckung. Allerdings erkauft sich das Spiel diese neue Immersion mit Phasen der Leere, in denen schlicht wenig passiert. Bethesda gelingt hier kein radikaler Umbruch, sondern vielmehr eine atmosphärische Erweiterung, die das Spielgefühl verbessert, ohne es grundlegend neu zu definieren.
Technisch präsentiert sich die PS5-Pro-Version als die bislang stabilste Konsolenfassung, ohne jedoch echte Maßstäbe zu setzen. Spieler haben die Wahl zwischen einem Performance-Modus, der auf 60 Bilder pro Sekunde abzielt, und einem Qualitätsmodus mit 30 FPS und leicht verbesserten visuellen Details. Interessanterweise fallen die Unterschiede zwischen beiden Modi überraschend gering aus: etwas schärfere Schatten, minimal mehr Objekte in der Distanz und feinere Spiegelungen im Qualitätsmodus stehen einer deutlich flüssigeren Darstellung im Performance-Modus gegenüber, der klar zu bevorzugen ist. Dennoch bleibt die Framerate nicht durchgehend stabil. Gerade in größeren Städten oder in intensiven Gefechten kommt es zu Einbrüchen, die daran erinnern, dass die zugrunde liegende Engine nicht mehr auf dem neuesten Stand ist. Auch klassische Bethesda-Probleme wie gelegentliche KI-Aussetzer, kleinere Bugs oder vereinzelte Abstürze sind weiterhin präsent. Die Ladezeiten fallen zwar kurz aus, sind aber nach wie vor allgegenwärtig – ein Design, das im Jahr 2026 zunehmend antiquiert wirkt.
Akustisch hingegen überzeugt Starfield auf ganzer Linie. Der Soundtrack unterstreicht die Weite und Einsamkeit des Alls, ohne sich aufzudrängen, während Soundeffekte und Umgebungsgeräusche für eine dichte Atmosphäre sorgen. Besonders gelungen ist die Integration des DualSense-Controllers: Adaptive Trigger, haptisches Feedback und die Wiedergabe von Audiologs über den Controller-Lautsprecher tragen spürbar zur Immersion bei. Die englische Sprachausgabe bewegt sich auf hohem Niveau, während die deutsche Vertonung solide, aber nicht herausragend ausfällt.
Inhaltlich profitiert die PS5-Version massiv von den beiden DLCs, die das Spiel sinnvoll erweitern, wenn auch mit unterschiedlichem Erfolg. Die erste Erweiterung, „Shattered Space“, setzt stärker auf narrative Elemente und liefert eine dichtere, besser inszenierte Geschichte, die dem Hauptspiel in puncto Atmosphäre und Charakterzeichnung überlegen ist. Hier zeigt sich, welches Potenzial in Starfield steckt, wenn sich Bethesda stärker auf erzählerische Stärken konzentriert. Ganz anders präsentiert sich hingegen „Terran Armada“, der zweite DLC, der parallel zur PS5-Version erschienen ist. Im Mittelpunkt steht hier eine militärische Bedrohung durch eine Fraktion, die mit Robotereinheiten ganze Sternensysteme kontrolliert. Neue Mechaniken wie dynamische Invasionen sorgen zwar für frischen Wind im Gameplay, doch die Missionen selbst wiederholen sich schnell und setzen zu stark auf reine Gefechtsaction. Die Schauplätze sind atmosphärisch dicht gestaltet und visuell beeindruckend, doch die erzählerische Tiefe bleibt hinter den Erwartungen zurück. Immerhin sorgen neue Waffen, Schiffe und ein zusätzlicher Begleiter für spielerische Motivation, insbesondere für erfahrene Spieler auf höheren Levelstufen.
Fazit: Am Ende bleibt Starfield auf der PS5 Pro ein faszinierendes, aber widersprüchliches Erlebnis. Es ist größer, runder und in vielerlei Hinsicht
besser als noch zum ursprünglichen Release, doch es trägt weiterhin die strukturellen Schwächen in sich, die schon damals für Kritik sorgten. Wer sich auf das gemächliche Tempo, die teilweise sperrigen Systeme und die Eigenheiten eines Bethesda-Rollenspiels einlassen kann, erhält ein einzigartiges Sci-Fi-Abenteuer mit beeindruckender Atmosphäre und enormem Umfang. Wer hingegen ein modernes, technisch makelloses Open-World-Erlebnis erwartet, wird auch 2026 nicht vollständig zufriedengestellt werden. Starfield ist kein perfektes Spiel – aber eines, das trotz aller Schwächen eine Faszination ausübt, der man sich nur schwer entziehen kann.
