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| Marc Heiland | PC-Games

TransportFever3Bild1Wer schon einmal einen Abend mit einem Aufbauspiel verbringen wollte und plötzlich festgestellt hat, dass draußen längst wieder die Sonne aufgeht, kennt die besondere Faszination von Wirtschaftssimulationen. Die Mischung aus Planung, Optimierung und dem stetigen Gefühl, das eigene kleine Imperium wachsen zu sehen, kann erstaunlich viel Zeit verschlingen. Genau in diesem Umfeld hat sich die „Transport Fever“-Reihe über die vergangenen Jahre eine treue Fangemeinde aufgebaut. Mit „Transport Fever 3“ möchte Urban Games nun allerdings nicht einfach nur das bekannte Konzept fortsetzen, sondern insbesondere die wirtschaftliche Seite deutlich stärker in den Mittelpunkt rücken.

Das Ergebnis ist ein Spiel, das seine Wurzeln klar in den bisherigen Teilen erkennen lässt, gleichzeitig aber an vielen Stellen wesentlich komplexer geworden ist. Waren müssen nicht mehr einfach nur von A nach B gebracht werden. Stattdessen spielen die Beschaffenheit der Ladung, passende Lager- und Umschlagmöglichkeiten, die Arbeitswege der Bevölkerung, Umweltbelastungen, Fahrzeugwartung, Inflation und der Ruf des eigenen Unternehmens eine deutlich größere Rolle. Dadurch entsteht ein wesentlich dichter miteinander verzahntes System, das gerade erfahrene Spielerinnen und Spieler langfristig beschäftigen dürfte.

Wir haben uns ausführlich mit „Transport Fever 3“ beschäftigt und dabei insbesondere die PS5-Version unter die Lupe genommen. Die große Frage lautet dabei: Ist die neue Komplexität tatsächlich eine sinnvolle Weiterentwicklung – oder wird aus dem ohnehin schon anspruchsvollen Transport-Management irgendwann schlicht zu viel?

Eine Kampagne, die mehr ist als nur ein Tutorial

Für Neueinsteiger dürfte die Kampagne der beste Weg sein, sich mit „Transport Fever 3“ vertraut zu machen. Insgesamt acht Szenarien führen durch unterschiedliche Epochen und Regionen und vermitteln dabei Schritt für Schritt die wichtigsten Spielmechaniken. Der zeitliche Rahmen reicht von den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts bis in eine Zukunft, in der bereits ausgesprochen moderne Transportkonzepte zum Einsatz kommen.

Dabei bleibt es nicht bei einer Aneinanderreihung austauschbarer Aufgaben. Jedes Szenario besitzt seinen eigenen Schwerpunkt und konfrontiert uns mit einer anderen Ausgangslage. Mal geht es darum, nach einer Katastrophe die Infrastruktur einer Stadt wiederherzustellen, mal müssen besondere Lieferketten aufgebaut oder große Menschenmengen transportiert werden. Auch die geografischen Rahmenbedingungen wechseln. Von den USA über Jordanien bis nach Norwegen reicht die Reise, wodurch sich nicht nur die Landschaft, sondern auch die jeweiligen logistischen Herausforderungen verändern.

Gerade diese Abwechslung macht die Kampagne angenehm. Statt uns über viele Stunden mit denselben Grundlagen zu beschäftigen, werden neue Mechaniken nach und nach eingeführt und anschließend direkt praktisch eingesetzt. Die späteren Szenarien ziehen den Schwierigkeitsgrad zudem deutlich an. Während die ersten Aufgaben noch einen gewissen Tutorial-Charakter besitzen, verlangt das Spiel später eine wesentlich bessere Planung und ein genaueres Verständnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge.

Wer sämtliche Aufgaben mit der höchsten Bewertung abschließen möchte, bekommt deshalb durchaus etwas zu tun. Die Kampagne ist damit nicht nur eine Einführung für Anfänger, sondern kann auch erfahrene Spieler fordern.

Freies Spiel: Hier entfaltet Transport Fever 3 sein eigentliches Potenzial

Das Herzstück von „Transport Fever 3“ bleibt allerdings der freie Spielmodus. Hier gibt es keine vorgegebene Geschichte, die uns durch die nächsten Aufgaben führt. Stattdessen bekommen wir eine große Spielwelt und dürfen selbst entscheiden, wie unser Transportunternehmen aussehen soll.

Und genau hier zeigt sich, wie umfangreich Urban Games das Konzept inzwischen ausgebaut hat.

Am Anfang wirkt vieles noch vertraut. Wir bauen erste Verbindungen zwischen Städten und Industriebetrieben, kaufen Fahrzeuge und versuchen, mit unseren Transportlinien einen regelmäßigen Geldfluss aufzubauen. Doch je größer unser Netzwerk wird, desto stärker greifen die einzelnen Systeme ineinander. Eine funktionierende Lieferkette benötigt nicht nur geeignete Fahrzeuge, sondern auch passende Umschlagplätze, Lagerkapazitäten und eine durchdachte Infrastruktur.

Das Spiel fordert dadurch zunehmend, nicht nur einzelne Linien, sondern das gesamte Verkehrsnetz als zusammenhängendes System zu betrachten.

Waren sind nicht einfach nur Waren

Eine der größten Veränderungen steckt im Gütertransport. Waren werden in unterschiedliche Kategorien eingeteilt, darunter Flüssig-, Schütt-, Sperr- und Stückgut. Das klingt zunächst nach einem Detail, hat aber erhebliche Auswirkungen auf die Planung unserer Lieferketten.

Wer beispielsweise Rohöl transportieren möchte, benötigt dafür geeignete Fahrzeuge und entsprechende Umschlagmöglichkeiten. Ein Tanker bringt das Öl zum Hafen, dort kann es in einem geeigneten Lager zwischengespeichert werden, bevor Tanklastwagen den Weitertransport übernehmen. Anschließend kann der Rohstoff etwa zu einer Raffinerie gelangen und von dort als verarbeitetes Produkt weitertransportiert werden.

Das Interessante daran: Die Infrastruktur muss zur Ware passen.

Spezialisierte Fahrzeuge und Verladestationen arbeiten effizienter, während ungeeignete Lösungen den Umschlag erheblich verlangsamen können. Dadurch wird aus einer scheinbar simplen Transportaufgabe schnell ein kleines Logistikpuzzle. Gleichzeitig entsteht eine neue strategische Ebene, denn Zwischenlager können nun sinnvoll als zentrale Verteilerpunkte eingesetzt werden.

Wer mehrere Städte mit demselben Produkt versorgen möchte, muss beispielsweise nicht zwingend jede Produktionsstätte direkt mit jedem Abnehmer verbinden. Stattdessen kann ein zentraler Umschlagpunkt entstehen, von dem aus die Ware weiterverteilt wird.

Das sorgt für deutlich mehr Gestaltungsspielraum und macht die Planung gleichzeitig anspruchsvoller.

Bezahlt wird erst am Ende

Eine weitere Veränderung betrifft das Finanzsystem. Einnahmen entstehen nicht mehr zwangsläufig bereits bei jedem einzelnen Teilabschnitt eines Transports. Stattdessen hängt der finanzielle Erfolg stärker davon ab, ob eine komplette Lieferkette tatsächlich funktioniert.

Das kann gerade am Anfang einer Partie durchaus schmerzhaft sein. Eine schlecht geplante Verbindung kann schließlich dazu führen, dass Fahrzeuge unterwegs zwar Kosten verursachen, der erwartete Geldfluss aber ausbleibt. Wer zu schnell expandiert, kann sich dadurch leicht in finanzielle Schwierigkeiten bringen.

Gleichzeitig macht genau das einen großen Teil des Reizes aus. „Transport Fever 3“ zwingt uns stärker dazu, unsere Transportwege als wirtschaftliche Gesamtsysteme zu betrachten. Eine Verbindung muss nicht nur technisch funktionieren, sondern sich auch rechnen.

TransportFever3Bild2Industrie braucht jetzt auch Menschen

Besonders interessant ist, dass Industriebetriebe selbst stärker in das Verkehrssystem integriert wurden. Fabriken und andere Produktionsstätten sind nicht länger ausschließlich Orte, an denen Waren hergestellt werden. Auch Arbeitskräfte spielen eine Rolle.

Über öffentliche Verkehrsmittel können wir Menschen zu ihren Arbeitsplätzen bringen und damit die Produktivität bestimmter Betriebe verbessern. Hinzu kommen weitere Waren, die einzelne Industrien benötigen, um ihre Produktion zu steigern.

Dadurch entstehen neue Verbindungen, die auf den ersten Blick gar nichts mit einer klassischen Güterlieferung zu tun haben. Eine Buslinie zur Fabrik kann wirtschaftlich ebenso wichtig werden wie eine Zugstrecke für den Güterverkehr.

Besonders schön ist dabei die Integration der Betriebe in die Spielwelt. Lastwagen fahren tatsächlich auf die entsprechenden Firmengelände, um Waren aufzunehmen oder abzuliefern. Das wirkt nicht nur funktional, sondern verleiht der ansonsten eher abstrakten Wirtschaftssimulation eine zusätzliche visuelle Glaubwürdigkeit.

Die Stadt ist kein passiver Abnehmer mehr

Auch auf der anderen Seite der Lieferkette hat sich einiges verändert. Städte sind längst nicht mehr nur Orte, an denen wir Waren abladen und anschließend auf weiteres Wachstum warten.

Die Bevölkerung besitzt unterschiedliche Bedürfnisse und Erwartungen. Öffentliche Verkehrsmittel sollen die Menschen möglichst bequem und schnell ans Ziel bringen. Dabei spielen unter anderem die Erreichbarkeit von Haltestellen, Reisezeiten und der Komfort der eingesetzten Fahrzeuge eine Rolle.

Gleichzeitig müssen wir mit den negativen Folgen unseres eigenen Erfolgs leben. Verkehr verursacht Lärm und Verschmutzung, überfüllte Haltestellen sorgen für Probleme und Staus können die Entwicklung einer Stadt beeinträchtigen.

Damit entsteht ein klassisches Dilemma: Wir müssen unsere Städte besser anbinden, dürfen sie dabei aber nicht mit Verkehr und Infrastruktur überlasten.

Besonders gelungen ist, dass „Transport Fever 3“ nicht verlangt, sämtliche Werte permanent auf dem Maximum zu halten. Auch eine Stadt mit gewissen Problemen kann weiter wachsen. Das Wachstum fällt dann lediglich langsamer aus. Dadurch bleibt das System nachvollziehbar und verhindert, dass bereits kleine Fehler sofort die gesamte Partie ruinieren.

Der Ruf wird zum wichtigen Faktor

Eine interessante zusätzliche Ebene ist der Ruf, den wir in den Städten genießen. Unsere Bauvorhaben haben Konsequenzen. Wer für eine neue Verkehrsachse rücksichtslos Gebäude abreißt oder massiv in die Landschaft eingreift, muss mit einem entsprechenden Ansehensverlust rechnen.

Das klingt auf dem Papier nach einer guten Idee und funktioniert grundsätzlich auch. Allerdings stößt das System an einigen Stellen auf Grenzen.

Problematisch ist vor allem die Stadtentwicklung selbst. Die Städte wachsen automatisch, berücksichtigen bei ihrer Entwicklung aber nicht immer, welche Verkehrsprobleme sich daraus langfristig ergeben. Wenn später eine wichtige Straße verbreitert werden muss, kann das dazu führen, dass Gebäude entfernt werden müssen und unser Ruf dadurch empfindlich sinkt.

Hier wäre eine intelligentere Stadt-KI wünschenswert gewesen. Gerade wichtige Verkehrsachsen könnten von den Städten langfristig stärker berücksichtigt werden.

Immerhin gibt uns das Spiel verschiedene Werkzeuge an die Hand, um negative Auswirkungen zu reduzieren. Begrünte Straßen können Lärm und Verschmutzung mindern, Lärmschutzmaßnahmen helfen entlang von Bahnstrecken und Autobahnen und auch Marketing kann dazu beitragen, beschädigtes Ansehen wieder aufzubessern.

Verkehrsplanung für Perfektionisten

Wer beim Anblick einer komplizierten Kreuzung bereits Lust bekommt, jede Ampelphase selbst zu optimieren, dürfte in „Transport Fever 3“ besonders glücklich werden.

Die Möglichkeiten bei der Verkehrsplanung wurden deutlich erweitert. An Kreuzungen können wir unterschiedliche Regelungen einsetzen und bei Ampelanlagen sogar einzelne Phasen detailliert konfigurieren. Welche Spur bekommt wann Grün? Wie lange dauert die Phase? Soll eine bestimmte Grünphase übersprungen werden, wenn kein Verkehr vorhanden ist?

Für den durchschnittlichen Spieler dürfte das schnell nach unnötiger Detailarbeit aussehen. Für ambitionierte Verkehrsplaner ist es dagegen genau die Art von Werkzeug, die man sich von einer solchen Simulation wünscht.

Auch Straßenbahnen profitieren von erweiterten Möglichkeiten. Gleise können auf unterschiedlichen Spuren mehrspuriger Straßen platziert werden und lassen sich teilweise unabhängig vom Straßennetz führen. Besonders interessant ist dabei die Möglichkeit, Straßenbahnen auch für den Gütertransport einzusetzen.

Damit kann der innerstädtische Lastwagenverkehr reduziert werden – vorausgesetzt, die entsprechende Infrastruktur wird sinnvoll geplant.

Mehr als 300 Fahrzeuge und neue Transportmöglichkeiten

Natürlich gehört auch der Fuhrpark zu den großen Attraktionen der Reihe. „Transport Fever 3“ führt uns erneut durch mehr als ein Jahrhundert Transportgeschichte. Busse, Lastwagen, Züge, Straßenbahnen, Schiffe und Flugzeuge stehen zur Verfügung.

Dabei bleibt es nicht bei bekannten Fahrzeugtypen. Neu hinzugekommen sind unter anderem Hubschrauber, die sich insbesondere für schwer erreichbare Einrichtungen wie Offshore-Anlagen anbieten.

Interessant sind außerdem Güterstraßenbahnen. Sie eröffnen Möglichkeiten, Waren innerhalb von Städten zu verteilen, ohne dafür eine endlose Kolonne von Lastwagen durch das Zentrum schicken zu müssen.

Bei der Auswahl unserer Fahrzeuge sollten wir allerdings nicht mehr ausschließlich auf Geschwindigkeit oder Kapazität achten. Komfort, Lärm, Verschmutzung und Betriebskosten spielen ebenfalls eine Rolle.

Das bedeutet auch, dass ein neues Fahrzeug nicht automatisch die beste Wahl ist. Manchmal kann ein älteres Modell wirtschaftlich oder aufgrund seiner Umweltbilanz sinnvoller sein.

Wartung wird wichtiger

Auch beim Fahrzeugmanagement hat Urban Games nachgeschärft. Fahrzeuge verschleißen stärker und müssen entsprechend gewartet werden.

Statt einfach ständig neue Fahrzeuge zu kaufen, müssen wir dafür sorgen, dass unsere Flotte regelmäßig in den Einflussbereich geeigneter Wartungsanlagen kommt. Depots und Werkstätten werden dadurch zu einem festen Bestandteil unserer Verkehrsplanung.

Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie „Transport Fever 3“ versucht, bisher eher nebensächliche Systeme stärker miteinander zu verbinden. Die Wartung ist keine isolierte Menüfunktion, sondern beeinflusst unsere Routenplanung.

Inflation verhindert den ganz großen Geldregen

Ein bekanntes Problem solcher Wirtschaftssimulationen ist der Moment, in dem Geld irgendwann keine Rolle mehr spielt. Ist das Unternehmen erst einmal groß genug, werden die finanziellen Herausforderungen zunehmend nebensächlich.

„Transport Fever 3“ versucht diesem Problem mit mehreren Mechanismen entgegenzuwirken. Eine davon ist die Inflation. Gebäude, Fahrzeuge und Unterhalt werden im Laufe der Zeit teurer. Was zu Beginn noch vergleichsweise günstig ist, kann einige Jahrzehnte später deutlich stärker ins Budget schlagen.

Gleichzeitig verändern sich Städte und deren Bedürfnisse dynamisch. Mit zunehmendem Wachstum werden weitere Waren benötigt, wodurch neue Industrien entstehen können. Diese werden nicht unbedingt dort platziert, wo sie für unser bestehendes Netzwerk besonders praktisch wären.

Das führt regelmäßig zu Situationen, in denen wir unser Verkehrsnetz erweitern oder komplett neu organisieren müssen.

Und genau das verhindert, dass eine einmal funktionierende Infrastruktur über Jahrzehnte völlig unangetastet bleiben kann.

Fortschritt motiviert zum Weitermachen

Eine weitere sinnvolle Neuerung ist das Fortschrittssystem. Die eigene Transportgesellschaft beginnt auf einer niedrigen Entwicklungsstufe und kann sich durch das Wachstum der Bevölkerung weiterentwickeln.

Mit den verschiedenen Stufen werden neue Möglichkeiten freigeschaltet. Dazu gehören Verbesserungen für das Unternehmenshauptquartier, zusätzliche Funktionen und unter anderem Marketingmaßnahmen oder Möglichkeiten, gezielt nach bestimmten Rohstoffen zu suchen.

Besonders gefallen haben uns die Wahrzeichen. Diese besonderen Gebäude können nicht einfach nur mit Geld gekauft werden. Stattdessen müssen zunächst große Mengen an benötigten Materialien angeliefert werden.

Damit werden sie zu einem eigenen kleinen Logistikprojekt. Gleichzeitig bieten sie nach ihrer Fertigstellung Vorteile für die entsprechende Region.

Subventionsaufträge helfen beim Start

Gerade die ersten Stunden einer neuen Partie können in einer Wirtschaftssimulation manchmal zäh sein. Das eigene Netzwerk ist klein, die finanziellen Mittel sind begrenzt und größere Investitionen müssen gut überlegt sein.

Hier kommen die neuen Subventionsmissionen ins Spiel. Städte und Industriebetriebe können konkrete Transportaufträge vergeben. Wer eine entsprechende Verbindung innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums aufbaut, erhält dafür eine Belohnung beziehungsweise einen finanziellen Vorschuss.

Wer den Auftrag annimmt und anschließend nicht rechtzeitig liefert, muss dagegen mit Konsequenzen rechnen.

Diese Missionen lockern den Start angenehm auf und geben uns zusätzliche Ziele, ohne das freie Spiel in ein lineares Aufgabensystem zu verwandeln. Im späteren Spielverlauf werden sie seltener und können dadurch eher als freiwillige Herausforderung betrachtet werden.

Der Schwierigkeitsgrad lässt sich anpassen

Wer „Transport Fever 3“ nur als gemütliche Modelleisenbahn-Simulation spielen möchte, kann dies grundsätzlich tun. Wer dagegen eine anspruchsvolle Wirtschaftssimulation sucht, bekommt ebenfalls zahlreiche Möglichkeiten.

Verschiedene Parameter lassen sich anpassen. So kann unter anderem der Einfluss der Inflation verändert oder die Wartung schwieriger gestaltet werden. Auch die Auswirkungen von Subventionsaufträgen lassen sich modifizieren.

Damit gelingt Urban Games ein sinnvoller Spagat zwischen Einsteigerfreundlichkeit und langfristiger Herausforderung.

Eine wunderschöne digitale Modelleisenbahn

Optisch bleibt „Transport Fever 3“ seinem Charakter treu. Die Spielwelt ist keine technische Grafikdemo, sondern lebt vor allem von ihrer Atmosphäre und den vielen kleinen Details.

Besonders aus der Entfernung entsteht häufig tatsächlich der Eindruck, auf eine riesige Modelleisenbahnlandschaft zu schauen. Städte wachsen, Züge fahren durch die Landschaft, Lastwagen rollen über Landstraßen und Flugzeuge verbinden entfernte Regionen.

Hinzu kommen dynamische Beleuchtung und unterschiedliche Tageszeiten, die der Welt zusätzliche Atmosphäre verleihen.

An die grafische Qualität mancher moderner Konkurrenten kommt das Spiel zwar nicht in allen Bereichen heran. Das ist aber auch nicht unbedingt notwendig, denn der spezielle Look passt hervorragend zum Konzept.

Technisch gibt es allerdings noch Luft nach oben. Während unseres Tests kam es gelegentlich zu Performanceeinbrüchen, insbesondere beim Heranzoomen in stark belebte Bereiche. Auch große Bahnhöfe können die Hardware deutlich stärker fordern.

Auf der Konsole greifen zudem verschiedene Maßnahmen, um die Performance stabiler zu halten. Das funktioniert insgesamt besser als in früheren Teilen, vollständig verschwunden sind die technischen Probleme allerdings nicht.

TransportFever3Bild3Autosaves sorgen weiterhin für kleine Ruckler

Besonders auffällig sind die kurzen Aussetzer während des automatischen Speicherns. Diese können den Spielfluss für einen Moment deutlich unterbrechen.

Hinzu kamen während unseres Tests einzelne Abstürze. Insgesamt ist die technische Situation zwar wesentlich angenehmer als bei früheren Serienteilen, ganz fehlerfrei präsentiert sich „Transport Fever 3“ zum Testzeitpunkt aber noch nicht.

Gerade weil eine Partie schnell viele Stunden dauern kann, hoffen wir, dass Urban Games hier mit zukü

Soundtrack passt perfekt zum Spieltempo

Akustisch gibt sich „Transport Fever 3“ angenehm zurückhaltend. Der Soundtrack drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern begleitet das eher ruhige Spieltempo passend.

Das ist genau die richtige Entscheidung. Während wir Verkehrsnetze planen, Produktionsketten optimieren und unseren nächsten großen Ausbau vorbereiten, braucht es keine permanente musikalische Dramaturgie.

Die deutsche Sprachausgabe innerhalb der Kampagne rundet den insgesamt gelungenen Audioeindruck ab.

Modding und Karteneditor sorgen für langfristige Motivation

Auch langfristig dürfte „Transport Fever 3“ einiges zu bieten haben. Bereits zum Start steht ein integrierter Mod-Hub zur Verfügung, der sogar plattformübergreifend funktioniert.

Zusätzlich gibt es einen Karteneditor. Wer also mit den zufällig generierten Karten nicht zufrieden ist oder eine ganz bestimmte Welt gestalten möchte, bekommt dafür die entsprechenden Werkzeuge an die Hand.

Gerade für die Community der Schönbauer ist das interessant. Denn die eigentliche Lebensdauer eines Spiels wie „Transport Fever 3“ hängt nicht ausschließlich vom Umfang ab, den Urban Games selbst liefert. Neue Karten, Fahrzeuge und Modifikationen können das Spiel über Jahre hinweg erweitern.

Fazit: Mehr Wirtschaftssimulation, mehr Möglichkeiten, mehr Anspruch

„Transport Fever 3“ ist keine Revolution im klassischen Sinne. Urban Games nimmt das bewährte Fundament der Reihe und baut es an den entscheidenden Stellen deutlich aus. Der größte Schritt erfolgt dabei nicht bei der Grafik und auch nicht bei den Fahrzeugen, sondern beim Wirtschaftssystem.

Lieferketten sind komplexer geworden. Waren müssen passend transportiert und gelagert werden. Industriebetriebe benötigen Arbeitskräfte. Städte besitzen dynamischere Bedürfnisse. Fahrzeuge verursachen unterschiedliche Belastungen und müssen gewartet werden. Inflation verändert die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Ruf des eigenen Unternehmens kann durch unüberlegte Baumaßnahmen leiden.

All diese Systeme greifen zunehmend ineinander.

Genau darin liegt die größte Stärke des Spiels. „Transport Fever 3“ möchte nicht mehr ausschließlich eine virtuelle Modelleisenbahn sein, bei der wir hübsche Strecken durch eine Landschaft ziehen. Die Modellbahn ist weiterhin ein wichtiger Bestandteil – aber dahinter steckt inzwischen ein wesentlich anspruchsvolleres Wirtschaftsspiel.

Das kann gerade am Anfang überwältigend wirken. Selbst mit den gelungenen Tutorials dauert es eine Weile, bis man wirklich versteht, wie die einzelnen Systeme zusammenarbeiten. Wer allerdings bereit ist, sich darauf einzulassen, wird mit einer enorm vielseitigen Simulation belohnt.

Besonders die Kampagne macht dabei einen guten Job, neue Spieler an die Mechaniken heranzuführen. Gleichzeitig bietet das freie Spiel genügend Tiefe, um erfahrene Tycoon-Fans über viele Stunden zu beschäftigen. Durch dynamische Städte, Inflation, Fortschrittssystem, Subventionsmissionen und die zahlreichen wirtschaftlichen Stellschrauben entsteht deutlich weniger das Gefühl, irgendwann nur noch Geld zu zählen.

Ganz ohne Schwächen ist „Transport Fever 3“ dennoch nicht. Die Controller-Steuerung wird bei großen Unternehmen zunehmend umständlich, die Stadt-KI könnte bei der Entwicklung wichtiger Verkehrsachsen intelligenter agieren und die gelegentlichen Performanceprobleme sowie die Ruckler während der Autosaves stören den ansonsten sehr positiven Gesamteindruck.

Unterm Strich gelingt Urban Games aber genau das, was sich viele Fans vermutlich von einem neuen Teil gewünscht haben: „Transport Fever 3“ erweitert die bekannten Mechaniken nicht einfach um noch mehr Fahrzeuge und Gebäude, sondern macht das gesamte System anspruchsvoller.

8Aus dem Bau von Bahnlinien, Straßen und Flugrouten wird ein großes logistisches Puzzle, in dem jede Entscheidung Auswirkungen auf andere Bereiche haben kann. Und genau deshalb ertappt man sich auch nach vielen Stunden immer wieder bei dem Gedanken: Eine Verbindung könnte man eigentlich noch optimieren. Diese Straße müsste eigentlich verbreitert werden. Die Stadt braucht inzwischen ein weiteres Gut. Und warum fährt dieser Zug eigentlich schon wieder halb leer?

Wer solche Gedankengänge als angenehme Freizeitbeschäftigung empfindet, dürfte mit „Transport Fever 3“ sehr glücklich werden. Für Fans der Reihe ist der dritte Teil damit vor allem eines: eine konsequente Weiterentwicklung, die dem wirtschaftlichen Aspekt endlich das Gewicht gibt, das dem Spielkonzept bisher ein Stück weit gefehlt hat.

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