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| Marc Heiland | Romane

ein leben in songs gebundene ausgabe freddie mercuryEr war eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Rockgeschichte und prägte die Musik der 1970er- und 1980er-Jahre wie kaum ein anderer. Die Rede ist von Freddie Mercury, dem charismatischen Frontmann der legendären britischen Rockband Queen. Seine Stimme, seine Bühnenpräsenz und sein außergewöhnliches Gespür für große Melodien machten ihn zu einer Ikone, deren Strahlkraft bis heute ungebrochen ist. Selbst mehr als drei Jahrzehnte nach seinem Tod gehört Mercury zu den Künstlern, die Generationen von Musikfans faszinieren.

Über Freddie Mercury wurde entsprechend viel geschrieben. Es gibt zahlreiche Biografien und Dokumentationen über sein Leben und sein musikalisches Wirken, einen international erfolgreichen Kinofilm und unzählige Fotografien und Filmaufnahmen, die ihn auf der Bühne, bei Konzerten, mit Freunden, Bekannten und natürlich mit seinen Bandkollegen zeigen. Wir kennen den exzentrischen Entertainer, den selbstbewussten Rockstar und den Mann, der mit wenigen Gesten ein riesiges Stadion für sich gewinnen konnte. Doch wie sah der Mensch hinter dieser öffentlichen Fassade aus? Wer war der private, der „echte“ Freddie Mercury?

Genau hier setzt das Buch „Freddie Mercury – Ein Leben in Songs“ an. Denn über den Menschen, der sich hinter der Bühnenfigur verbarg, wissen wir erstaunlich wenig. Auch die Entstehung seiner großen Welthits, seine Arbeitsweise beim Schreiben von Songs und Arrangements sowie die Frage, wie eng sein kreatives Schaffen mit seinem Privatleben verbunden war, werden aus einer sehr persönlichen Perspektive beleuchtet. Dabei wird deutlich, dass sich Leben und Musik bei Mercury kaum voneinander trennen lassen. Er verarbeitete vieles in seinen Songs, während umgekehrt sein Erfolg, seine Beziehungen und seine zunehmende Berühmtheit auch Einfluss auf seine Arbeit hatten.

Interessant ist dabei vor allem der Blick auf die frühen Jahre. Lange bevor Queen zu einer der größten Rockbands der Welt wurde, musste Mercury mit vergleichsweise wenig Geld auskommen und sich seinen Platz in der Musikszene erst erkämpfen. Hinter dem später so selbstbewusst auftretenden Superstar steckte ein junger Musiker, der durchaus mit Unsicherheiten und der Angst vor fehlender Anerkennung zu kämpfen hatte. Dass ausgerechnet dieser Mann später vor Zehntausenden Menschen auf einer Bühne stehen und ein ganzes Stadion dirigieren würde, gehört zu den faszinierenden Widersprüchen seines Lebens.

Mary Austin öffnet die Tür zum privaten Freddie

Dass wir heute einen etwas persönlicheren Blick auf diesen Freddie Mercury werfen können, ist vor allem Mary Austin zu verdanken. Sie war über viele Jahre seine engste Vertraute, Lebensgefährtin und Partnerin und blieb ihm auch nach dem Ende ihrer Beziehung als eine der wichtigsten Bezugspersonen erhalten. Austin kannte Mercury nicht nur als Weltstar, sondern vor allem als Menschen, der abseits der Öffentlichkeit eine ganz andere Seite zeigte.

Ausgangspunkt für das Buch war eine geplante Versteigerung von Gegenständen aus Mercurys Privatbesitz. In der Garden Lodge, seinem letzten Wohnsitz, durchsuchte Mary Austin dafür die persönlichen Hinterlassenschaften des Sängers. Dabei stieß sie an den unterschiedlichsten Stellen auf Notizen, Aufzeichnungen und persönliche Dokumente. Besonders interessant war ein Notizbuch, das zahlreiche Skizzen, Entwürfe, handschriftliche Ideen und Überarbeitungen zu Songs enthielt.

Diese persönlichen Dokumente wurden akribisch katalogisiert, fotografiert und chronologisch geordnet. Genau sie bilden einen wesentlichen Bestandteil von „Freddie Mercury – Ein Leben in Songs“. Für Fans sind diese Aufzeichnungen mehr als bloße historische Dokumente. Sie ermöglichen einen Blick in den kreativen Prozess eines Musikers, dessen fertige Songs heute zum kollektiven Gedächtnis der Pop- und Rockgeschichte gehören. Plötzlich wird sichtbar, dass auch hinter scheinbar mühelos entstandenen Welthits unzählige Ideen, Veränderungen, verworfene Passagen und Überarbeitungen standen.

Ein Freddie Mercury, den man so kaum kennt

Mary Austin kommentiert die Aufzeichnungen mit sehr persönlichen Erinnerungen. Sie erzählt von ihrem gemeinsamen Alltag, von Erlebnissen, Hoffnungen und Erwartungen, aber ebenso von Sorgen und schwierigen Momenten. Dadurch entsteht ein Bild von Freddie Mercury, das sich teilweise deutlich von der öffentlichen Wahrnehmung unterscheidet.

Denn der Freddie, den Austin privat erlebte, war nicht zwangsläufig derselbe Mann, der später mit Queen die größten Bühnen der Welt eroberte. Auf der Bühne konnte Mercury selbstbewusst, provokant und geradezu unantastbar wirken. Privat war er wesentlich verletzlicher, zurückhaltender und in manchen Situationen auch von Zweifeln geprägt. Gerade dieser Kontrast macht die Lektüre so interessant.

Auch seine Sexualität und sein Umgang damit spielen in der persönlichen Geschichte eine Rolle. Mercury machte aus seinem Privatleben zeitlebens ein gut gehütetes Geheimnis und sprach vieles nicht offen an. Selbst Menschen, die ihm nahestanden, bekamen längst nicht immer alle Facetten seines Lebens zu sehen. Mary Austin blieb ihm dennoch eng verbunden und hielt auch in schwierigen Zeiten zu ihm. Diese Verbundenheit überdauerte schließlich sogar das Ende ihrer Liebesbeziehung.

Austin war damit nicht einfach nur eine ehemalige Partnerin, sondern wurde zu einer der wichtigsten Vertrauten des Sängers. Bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1991 blieb sie an seiner Seite. Dass sie heute ihre Erinnerungen und ihre ganz persönliche Perspektive mit den Lesern teilt, verleiht dem Buch eine besondere Authentizität.

Vom unbekannten Musiker zum Weltstar

Auf 319 Seiten spannt das Buch einen großen zeitlichen Bogen. Es beginnt bei der ersten Begegnung von Mary Austin mit dem damals noch weitgehend unbekannten Studenten und Musiker und begleitet Mercury über die Gründung und den Aufstieg von Queen bis in die letzten Jahre seines Lebens.

Dabei handelt es sich nicht um eine klassische Biografie, die lediglich Jahreszahlen und Stationen aneinanderreiht. Vielmehr orientiert sich die Erzählung immer wieder an der Entstehung bedeutender Songs und Alben sowie an wichtigen Momenten in Mercurys Karriere. Dadurch wird seine persönliche Entwicklung unmittelbar mit seinem musikalischen Schaffen verbunden.

Auch bedeutende Konzerte und Auftritte finden ihren Platz. Ein besonders prägender Moment ist natürlich Queens legendärer Auftritt bei Live Aid 1985. Der kurze Auftritt entwickelte sich zu einem der ikonischsten Momente der Rockgeschichte und machte einmal mehr deutlich, welche außergewöhnliche Fähigkeit Mercury besaß, eine Menschenmenge innerhalb weniger Minuten für sich einzunehmen.

Solche Ereignisse werden im Buch nicht isoliert betrachtet. Vielmehr entsteht ein Gesamtbild, in dem Karriere, Musik, Freundschaften, Beziehungen und das Privatleben immer wieder ineinandergreifen.

Zwischen persönlicher Nähe und bewahrtem Geheimnis

Was mir an „Freddie Mercury – Ein Leben in Songs“ besonders gut gefällt, ist der intime Blick auf den Menschen hinter der Legende. Gleichzeitig bleibt das Buch angenehm ehrlich bei der Erkenntnis, dass selbst Mary Austin nicht alle Facetten dieses außergewöhnlichen Mannes kennt.

Freddie Mercury war jemand, der vieles mit sich selbst ausmachte. Er konnte ausgesprochen offen und lebensfroh wirken und gleichzeitig Bereiche seines Lebens konsequent für sich behalten. Manche Dinge sprach er schlicht nicht an. Stattdessen ließ er häufig seine Musik und seine Texte für sich sprechen.

Genau darin liegt eine der großen Stärken des Buches. Es versucht nicht, zwanghaft jedes Geheimnis zu lüften oder aus Freddie Mercury eine vollständig entschlüsselte Persönlichkeit zu machen. Stattdessen respektiert es, dass es Bereiche gab, die der Sänger bewusst für sich behalten wollte. Das macht die persönlichen Erinnerungen von Mary Austin umso wertvoller.

Man bekommt das Gefühl, Freddie Mercury ein Stück näherzukommen, ohne dabei die Illusion zu entwickeln, ihn vollständig zu kennen. Vielleicht ist das sogar die angemessenste Form, sich einer Persönlichkeit wie ihm zu nähern.

Ein Buch für Fans und alle, die hinter die Legende schauen möchten

„Freddie Mercury – Ein Leben in Songs“ besitzt eine ganz eigene Anziehungskraft. Das liegt nicht nur an den zahlreichen persönlichen Dokumenten und den Einblicken von Mary Austin, sondern vor allem daran, dass das Buch den Menschen hinter dem Weltstar in den Mittelpunkt stellt.

Auch mehr als 30 Jahre nach seinem Tod fasziniert Freddie Mercury noch immer. Seine Musik wird weiterhin gehört, Queen füllt nach wie vor große Hallen und Stadien, und seine Bühnenauftritte gehören längst zur Musikgeschichte. Dass das Interesse an seiner Person ungebrochen ist, zeigt sich auch daran, dass seine Geschichte immer wieder neu erzählt und aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wird.

Pünktlich zu seinem 80. Geburtstag bietet dieses Buch nun die Möglichkeit, eine dieser Perspektiven besonders intensiv kennenzulernen. Es ist kein Buch, das versucht, den Mythos Freddie Mercury zu zerstören. Vielmehr ergänzt es ihn um die leisen, persönlichen und teilweise verletzlichen Momente, die hinter der großen Bühnenpersönlichkeit verborgen lagen.

Ich habe das Buch jedenfalls nur ungern aus der Hand gelegt. Gerade die Verbindung aus persönlichen Erinnerungen, historischen Einordnungen und den erhaltenen Notizen aus Mercurys kreativem Schaffensprozess entwickelt eine enorme Sogwirkung. Wer Queen und Freddie Mercury bereits kennt, wird hier zahlreiche neue Facetten entdecken. Und wer bisher vor allem den extravaganten Rockstar auf der Bühne gesehen hat, bekommt die Gelegenheit, einen deutlich persönlicheren Freddie kennenzulernen.

„Freddie Mercury – Ein Leben in Songs“ ist damit weit mehr als eine weitere Geschichte über einen der größten Rockstars aller Zeiten. Es ist ein persönlicher Blick hinter die Kulissen einer außergewöhnlichen Karriere und gleichzeitig eine Erinnerung daran, dass selbst die größten Ikonen der Musikgeschichte Menschen mit Hoffnungen, Ängsten, Zweifeln und Geheimnissen waren.

Daher kann ich das Buch allen Freddie-Mercury- und Queen-Fans, aber auch allen Musikinteressierten, die mehr über den Menschen hinter der Legende erfahren möchten, uneingeschränkt ans Herz legen.

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