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| Marc Heiland | Kaffeewelten

NECCSTKaffeemühlen gibt es mittlerweile wie den sprichwörtlichen Sand am Meer. Von einfachen Einsteigermühlen über präzise Handmühlen, Elektromühlen mit verschiedenen Mahlscheiben mit Mahlen nach Gewicht und Zeit, Kaffeemühlen, die sehr präzise arbeiten und Mühlen, die dem Nutzer nahezu alles abnehmen wollen. Und dann gibt es Produkte wie die NECCST Series 1, bei denen man schon nach den ersten Umdrehungen merkt, dass hier jemand nicht einfach eine weitere Handmühle bauen wollte. NECCST verfolgt einen deutlich größeren Gedanken: Das Mahlen selbst soll zu einem präzisen, kontrollierten und gleichzeitig sinnlichen Bestandteil des Kaffeerituals werden.

Genau deshalb ist diese Review für uns auch ein kleines Wiedersehen. Denn wir haben NECCST nicht erst kennengelernt, als die Series 1 fertig im Handel stand. Bereits im Oktober 2024 konnten wir einen damaligen Prototypen ausprobieren. Schon damals hat uns das Konzept ausgesprochen gut gefallen. Die Idee, eine große, extrem solide Handmühle mit einem völlig anderen Bedienkonzept zu verbinden, war ungewöhnlich genug, um im Gedächtnis zu bleiben. Gleichzeitig war damals natürlich noch deutlich zu spüren, dass hier an einem Produkt gearbeitet wurde.

Heute steht mit der NECCST Series 1 das Ergebnis einer mehrjährigen Entwicklungsphase vor uns. Aus der damaligen Idee ist ein außergewöhnliches Stück Ingenieurs- und Industriedesign geworden, das sich nicht einfach in die Reihe klassischer Handmühlen einordnen lässt. Und spätestens mit der optionalen NECCST Scale wird deutlich, wohin die Reise eigentlich gehen soll: NECCST möchte nicht nur eine Mühle verkaufen, sondern einen kompletten Workflow für ambitionierte Kaffeetrinker neu denken.

Von der Idee zum fertigen Produkt

Hinter NECCST stehen Stefan und Fynn Eckstein, Vater und Sohn und zugleich Gründer des Münchner Designstudios Eckstein Design. NECCST entstand ursprünglich im Sommer 2022 als Projekt innerhalb des Studios. Die Ausgangsüberlegung war bemerkenswert einfach: Warum müssen sich Präzision und Freude bei einer Kaffeemühle eigentlich ausschließen? Warum muss eine präzise Mühle kompliziert, technisch und irgendwie seelenlos wirken, während angenehm zu bedienende Handmühlen häufig bei der maximalen Präzision Kompromisse eingehen?

Aus dieser Frage entstand ein Entwicklungsprozess mit zahlreichen Prototypen. Nach Angaben von NECCST wurde fast drei Jahre lang an der Series 1 gearbeitet, bevor das heutige Produkt entstand. Die Designkompetenz von Eckstein Design ist dabei kein nebensächlicher Bestandteil der Geschichte, sondern ein wesentlicher Teil des Konzepts. Stefan Eckstein bringt jahrzehntelange Erfahrung im Industriedesign mit, während Fynn Eckstein die kreative und technische Entwicklung des Projekts vorantreibt.

Das ist interessant, weil man die Herkunft tatsächlich spürt. Die Series 1 sieht nicht aus wie eine klassische Handmühle, die irgendwann einen besonders großen Griff und ein paar edle Materialien bekommen hat. Sie wirkt vielmehr wie ein Produkt, das von Anfang an als Gesamtsystem gedacht wurde.

Als wir den Prototypen im Oktober 2024 erstmals in der Hand hatten, war genau dieses Konzept bereits erkennbar. Allerdings war die damalige Version eben noch ein Prototyp. Heute lässt sich wesentlich besser beurteilen, was aus dieser Idee tatsächlich geworden ist.

Eine Handmühle, die eher nach Maschine aussieht

Das Erste, was bei der NECCST Series 1 auffällt, ist ihre schiere Größe. Mit rund 14,5 Kilogramm ist sie keine Handmühle, die man nach dem Mahlen einfach wieder in die Küchenschublade legt. Eigentlich ist der Begriff „Handmühle“ hier fast schon irreführend, denn die Series 1 steht mit ihrem massiven Aufbau fest auf der Arbeitsfläche und wird über ein großes Schwungrad betrieben.

Und genau dieses Schwungrad verändert das Mahlen fundamental.

Statt eine kleine Mühle zwischen den Händen festzuhalten und einen verhältnismäßig kleinen Kurbelarm zu bewegen, steht die NECCST wie ein kleines mechanisches Präzisionsgerät auf der Arbeitsplatte. Das große Edelstahl-Schwungrad lässt sich mit vergleichsweise wenig Kraft bewegen und sorgt dafür, dass der Mahlvorgang nicht nach klassischer „Handmühlenarbeit“ aussieht oder sich anfühlt. Das hat etwas ausgesprochen Eigenständiges.

Dabei ist die Konstruktion nicht nur Show. Die 1:1-Direktübersetzung und das große Schwungrad sind Teil des eigentlichen Antriebskonzepts. NECCST gibt für 18 Gramm Espresso eine Mahlzeit von ungefähr 25 Sekunden an. Gleichzeitig entsteht keinerlei Motorgeräusch und auch keine motorbedingte Wärme am Mahlwerk.

Gerade morgens ist das ein Punkt, den man schnell zu schätzen lernt. Die Mühle arbeitet praktisch lautlos verglichen mit einem elektrischen Grinder. Das Geräusch des Mahlens wird dadurch nicht zum notwendigen Übel, sondern fast zum Bestandteil des Rituals.

Das 63-Millimeter-Mahlwerk

Im Inneren arbeitet ein 63 Millimeter großes konisches Mahlwerk mit TiN-Beschichtung. NECCST gibt für die Beschichtung eine Härte von rund 2300 HV an. Damit spielt die Series 1 auch bei der reinen Dimensionierung des Mahlwerks in einer Liga, die man von klassischen kompakten Handmühlen kaum kennt.

Entscheidend ist allerdings nicht allein die Größe. Viel interessanter ist die Art, wie NECCST das Mahlwerk verstellbar gemacht hat.

Denn die Series 1 arbeitet nicht mit den bei Handmühlen üblichen Klicks. Stattdessen gibt es eine stufenlose Mahlgradverstellung. Das Mahlwerk wird dabei entlang eines 1,5-Millimeter-Gewindes bewegt. Auf der Skala entspricht ein Strich einer Auflösung von 0,01 Millimetern.

Für Espresso-Enthusiasten ist das ausgesprochen interessant. Wer schon einmal mit einer guten Espressomühle gearbeitet hat, weiß, wie entscheidend kleinste Veränderungen am Mahlgrad sein können. Ein Klick ist bei vielen Handmühlen bereits eine relativ große Veränderung. Bei der NECCST entfällt dieses Raster vollständig.

Man dreht also nicht „drei Klicks feiner“, sondern kann den Mahlgrad tatsächlich kontinuierlich verändern. Genau das macht das Dial-in besonders interessant. Man kann sich langsam an den optimalen Punkt herantasten, ohne durch die konstruktive Schrittweite des Mahlwerks eingeschränkt zu werden.

Noch wichtiger ist aber etwas anderes: Die Einstellung lässt sich reproduzierbar wiederfinden. Wer morgens Espresso mahlt, anschließend einen Filterkaffee zubereitet und später wieder zum Espresso zurückkehren möchte, kann seine vorherige Einstellung exakt wieder ansteuern. Das ist einer der Punkte, an denen die Series 1 ihre Herkunft als Präzisionswerkzeug besonders deutlich zeigt.

Was bei der NECCST besonders beeindruckt: die Konsequenz

Viele Hersteller werben mit Präzision. Bei NECCST zieht sich dieses Thema allerdings durch praktisch jede konstruktive Entscheidung.

Dazu gehört auch das Mahlgutmanagement. Die Series 1 besitzt einen vertikalen Mahlweg und einen magnetisch befestigten Trichter. NECCST gibt die verbleibende Retention mit weniger als 0,1 Gramm an.

Das klingt zunächst nach einer technischen Kennzahl. Im Alltag ist es aber ein durchaus relevantes Argument. Gerade beim Wechsel zwischen verschiedenen Bohnen möchte man möglichst wenig altes Mahlgut in der Mühle zurücklassen. Eine Mühle, die nach dem Mahlen nahezu vollständig leer ist, erleichtert den Bohnenwechsel und reduziert gleichzeitig den Einfluss alter Kaffeereste auf die nächste Tasse.

Auch der Antistatik-Rotor gehört zu diesem Gesamtkonzept. Laut NECCST soll er die statische Aufladung des Mahlguts gegenüber konventionellen Mühlen deutlich reduzieren. Der Hersteller spricht von rund 80 Prozent weniger statischer Ladung.

In Kombination mit dem vertikalen Mahlweg ergibt sich dadurch ein sehr sauberer Arbeitsablauf. Das Kaffeemehl fällt in den dafür vorgesehenen Dosierbehälter, statt sich möglichst kreativ auf der Mühle und der Arbeitsfläche zu verteilen.

Job 0072 KopieUnd dann kommt die Waage

Wenn man die Series 1 zunächst als ungewöhnlich große und präzise Handmühle betrachtet, wirkt die NECCST Scale fast wie ein zusätzliches Produkt. Tatsächlich ist sie aber der Baustein, der das gesamte Konzept noch einmal auf eine andere Ebene hebt.

Die NECCST Scale kostet einzeln 249 Euro und kann magnetisch in den Sockel der Series 1 eingesetzt werden. Damit wird aus der normalen Series 1 eine GBW-Variante, also eine Mühle, bei der „Grind by Weight“ direkt in den Arbeitsablauf integriert ist. Die Series 1 GBW kostet aktuell 1.290 Euro, während die normale Series 1 mit 1.090 Euro angegeben wird.

Und genau hier wird NECCST interessant. Denn die Waage ist kein kleines Zusatzdisplay, das irgendwo neben der Mühle angebracht wird. Sie sitzt dort, wo sie im Workflow tatsächlich Sinn ergibt.

Man setzt die gewünschte Dosis, beginnt zu mahlen und beobachtet das Gewicht in Echtzeit. Bei 18 Gramm beispielsweise endet der Mahlvorgang genau dort, wo man ihn haben möchte. Die Scale arbeitet dabei mit einer Genauigkeit von 0,1 Gramm.

Danach muss die Waage aber nicht auf dem Sockel bleiben. Man zieht sie heraus und kann sie direkt zum Brühen verwenden.

Das ist eine bemerkenswert elegante Idee. Statt eine Waage zum Mahlen und eine zweite Waage zum Brühen auf der Arbeitsfläche stehen zu haben, übernimmt ein Gerät beide Aufgaben.

Eine Waage, die mehr kann als nur wiegen

Auch bei der Scale geht NECCST über das hinaus, was man von einer klassischen Kaffeewaage erwartet.

Drei Modi stehen zur Verfügung. Im Mahlmodus zählt die Waage die Dosis während des Mahlvorgangs hoch. Im Brühmodus werden Gewicht und Zeit miteinander verbunden. Und im erweiterten Modus kommt zusätzlich die Flussrate hinzu. Damit lassen sich also nicht nur Gewicht und Zeit beobachten, sondern auch der Durchfluss während eines Pour-over-Brühvorgangs.

Das Ganze wird über einen 3,2 Zoll großen kapazitiven Farb-Touchscreen bedient. Die Wiegefläche besteht aus einer Kombination aus eloxiertem Aluminium und einer Anti-Fingerabdruck-Glasoberfläche. Mit einer Höhe von lediglich 20,9 Millimetern bleibt die Waage zudem angenehm flach. Die maximale Kapazität liegt bei drei Kilogramm.

Damit wird die Scale tatsächlich zu einem eigenständigen Barista-Werkzeug und nicht lediglich zu einem Zubehörteil für die Mühle.

Besonders spannend finde ich dabei die Konsequenz des Systems: Die Waage wird nicht permanent an die Mühle gebunden. Sie dockt zum Mahlen an, wird anschließend abgenommen und begleitet den Kaffee bis zur Extraktion.

Genau hier liegt die eigentliche Stärke des NECCST-Konzepts

Was uns bereits beim Prototypen 2024 fasziniert hat, wird bei der fertigen Series 1 noch deutlicher: NECCST versucht nicht, eine einzelne technische Eigenschaft zum Verkaufsargument zu machen. Stattdessen wird der komplette Ablauf vom Mahlen bis zum Brühen neu gedacht.

Bohnen einfüllen. Mahlgrad einstellen. Mahlen. Dosis kontrollieren. Mahlgut auffangen. Waage herausziehen. Espresso beziehen. Gewicht und Zeit beobachten. Gegebenenfalls sogar die Flussrate analysieren.

Aus mehreren einzelnen Geräten wird ein zusammenhängender Workflow.

Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit. Wer allerdings bereits eine größere Homebarista-Station aufgebaut hat, weiß, wie schnell sich dort Geräte ansammeln. Mühle, Waage, Timer, Dosierbecher, WDT-Werkzeug, Tamper und weitere Hilfsmittel konkurrieren um den Platz rund um die Espressomaschine. NECCST versucht zumindest einen Teil dieses Chaos aus dem Workflow herauszunehmen.

Und das gelingt erstaunlich elegant.

Das Design ist dabei mehr als nur Show

Über Geschmack lässt sich bekanntlich trefflich streiten. Uns gefällt die NECCST Series 1 allerdings ausgesprochen gut, weil sie nicht versucht, klassisches Espressomaschinen-Design zu imitieren.

Sie sieht nicht aus wie eine überdimensionierte Comandante. Sie sieht auch nicht aus wie ein elektrischer Single-Doser, dem man einfach den Motor weggenommen hat. Die Series 1 besitzt eine eigene Formensprache.

Das große Schwungrad, die massive Basis, die vertikale Konstruktion und die reduzierte Bedienung vermitteln eher den Eindruck eines mechanischen Präzisionsinstruments.

Das passt zur Philosophie von Eckstein Design. Die Gestaltung soll nicht dekorativ aufgesetzt wirken, sondern aus Funktion und Ergonomie entstehen. NECCST beschreibt die Mühle entsprechend als vollständig in München entwickeltes Produkt.

Dass die Series 1 inzwischen mit einem Red Dot Design Award ausgezeichnet wurde, überrascht deshalb nicht. Interessanter als der Preis selbst ist für uns aber, dass die Gestaltung tatsächlich eine Funktion erfüllt: Die Form beeinflusst die Art, wie man mit der Mühle arbeitet.

NECCSTBild2Wie schlägt sie sich beim Espresso?

Für uns ist die entscheidende Frage natürlich nicht, wie schön eine Mühle aussieht, sondern was am Ende in der Tasse passiert.

Und genau hier wird die Sache interessant. Ein großer konischer Burr allein garantiert noch keinen guten Espresso. Entscheidend sind Mahlwerksgeometrie, Ausrichtung, Antrieb, Mahlgutverteilung, Partikelverteilung und letztlich natürlich auch die Bohne und die Zubereitung.

Die NECCST bringt dafür zunächst einmal hervorragende Voraussetzungen mit. Die stufenlose Verstellung ermöglicht eine sehr feine Anpassung an die jeweilige Bohne. Gerade bei modernen, helleren Röstungen kann das ein echter Vorteil sein, wenn man zwischen zwei Mahlgradeinstellungen den optimalen Punkt sucht.

Noch wichtiger ist aber die Reproduzierbarkeit. Ein Mahlgrad lässt sich sehr exakt wiederfinden, und genau das macht das Arbeiten mit unterschiedlichen Rezepten angenehm.

Die Mühle wirkt dabei nicht hektisch. Das große Schwungrad sorgt für einen gleichmäßigen Bewegungsablauf, und durch das enorme Eigengewicht bleibt die Konstruktion stabil auf der Arbeitsfläche.

Man hat nie das Gefühl, mit einem kleinen Küchenwerkzeug zu kämpfen. Eher entsteht der Eindruck, eine Maschine zu bedienen, die zufällig von Hand angetrieben wird.

Für Filterkaffee wird das Konzept noch interessanter

Die stufenlose Verstellung ist nicht nur für Espresso spannend. Gerade wer zwischen Espresso und Filter wechselt, profitiert davon, dass die Mahlgradeinstellung nicht über eine begrenzte Anzahl von Klicks definiert wird.

Espresso einstellen, gröber drehen, Filterkaffee mahlen und anschließend wieder zum Espresso zurückkehren: Genau für solche Szenarien ist die Konstruktion prädestiniert. NECCST selbst positioniert die Series 1 entsprechend als Allround-Mühle vom Espresso bis zur French Press.

Das ist ein wichtiger Unterschied zu manchen Spezialisten, die ihre Stärken ausschließlich in einem bestimmten Zubereitungsbereich ausspielen.

Die Sache mit dem Preis

Und natürlich kommen wir an einem Punkt nicht vorbei: Die NECCST Series 1 ist teuer.

Sehr teuer.

Mit 1.090 Euro für die Series 1 beziehungsweise 1.290 Euro für die Series 1 GBW ist sie weit entfernt von dem Preisniveau klassischer Handmühlen.

Dazu kommt die Scale mit 249 Euro, wenn man sie separat kauft.

Damit ist die NECCST keine Mühle, die man sich kauft, weil man „mal eine gute Handmühle ausprobieren“ möchte. Sie richtet sich an Menschen, die sich sehr bewusst mit Kaffee beschäftigen und für die Präzision, Materialität, Haptik und der komplette Workflow einen entsprechend hohen Stellenwert besitzen.

Gleichzeitig muss man fairerweise berücksichtigen, dass man hier nicht einfach eine 1.000-Euro-Handmühle mit einem besonders schicken Gehäuse bekommt. Die Konstruktion ist fundamental anders. Das 63-Millimeter-Mahlwerk, die massive Mechanik, das große Schwungrad, die stufenlose Verstellung, die nahezu vollständige Entleerung des Mahlwerks und die Möglichkeit, die Scale direkt in das System zu integrieren, machen die Series 1 zu einem eigenständigen Produktkonzept.

Ob einem dieses Konzept den Preis wert ist, bleibt deshalb eine sehr persönliche Entscheidung.

Für uns ist jedenfalls klar: Man sollte die NECCST nicht mit einer klassischen 200- oder 300-Euro-Handmühle vergleichen. Das wäre ungefähr so, als würde man einen hochwertigen mechanischen Chronographen ausschließlich danach beurteilen, ob er die Uhrzeit genauer anzeigt als eine günstige Digitaluhr.

Was aus dem Prototypen geworden ist

Und damit schließt sich für uns der Kreis zu unserem ersten Kontakt im Oktober 2024.

Damals war NECCST vor allem eine Idee mit sehr viel Potenzial. Wir fanden den Ansatz spannend, weil er sich bewusst von dem unterschied, was der Markt zu dieser Zeit unter einer hochwertigen Handmühle verstand.

Heute ist aus dieser Idee ein deutlich gereifteres Produkt geworden.

Die Series 1 wirkt nicht mehr wie ein Experiment. Sie wirkt durchdacht, konsequent und erstaunlich selbstbewusst. Vor allem die Kombination aus mechanischer Mühle und Scale zeigt, dass NECCST seinen ursprünglichen Gedanken weitergeführt hat, statt einfach eine weitere Premium-Handmühle auf den Markt zu bringen.

Gerade die Scale ist dabei für uns mehr als ein nettes Extra. Sie macht aus der außergewöhnlichen Mühle ein echtes System. Mahlen nach Gewicht, anschließend wiegen beim Brühen und optional sogar die Flussrate beobachten – das ist ein Workflow, der in dieser Form tatsächlich etwas Eigenständiges darstellt.

Unser Fazit zur NECCST Series 1

Die NECCST Series 1 ist eine der ungewöhnlichsten Handmühlen, die wir bislang ausprobieren konnten. Und das liegt nicht allein daran, dass sie mit ihren 14,5 Kilogramm schwerer ist als so manche Espressomaschine.

Sie verfolgt einen anderen Gedanken.

Mahlen soll nicht möglichst schnell erledigt werden. Mahlen soll präzise, reproduzierbar und gleichzeitig angenehm sein. Die Mühle soll nicht einfach irgendwo herumstehen, sondern Teil des Kaffeerituals werden. Und genau diesen Anspruch spürt man bei jeder Umdrehung des großen Schwungrads.

Die stufenlose Mahlgradverstellung gehört zu den größten Stärken. Die nahezu vollständige Entleerung des Mahlwerks ist im Alltag ebenfalls ausgesprochen sinnvoll. Das große 63-Millimeter-Kegelmahlwerk und der massive mechanische Aufbau machen die Series 1 zu einem faszinierenden Werkzeug für alle, die ihren Kaffee wirklich kontrollieren wollen.

Mit der NECCST Scale wird das Konzept schließlich rund. Die Waage dockt zum Mahlen an die Mühle an, lässt sich danach herausziehen und übernimmt beim Brühen Gewicht und Zeit – im erweiterten Modus sogar inklusive Live-Flussrate. Damit wird aus einer außergewöhnlichen Handmühle ein durchgängiges Barista-System.

Der größte Haken bleibt der Preis. 1.090 Euro für die Series 1 beziehungsweise 1.290 Euro für die GBW-Version sind eine Ansage. Wer lediglich guten Kaffee mahlen möchte, findet deutlich günstigere Wege. Wer dagegen Freude an außergewöhnlicher Mechanik, kompromissloser Präzision, hochwertigem Design und einem durchdachten Workflow hat, bekommt mit der NECCST ein Produkt, das sich bewusst außerhalb des üblichen Handmühlenmarktes positioniert.

Für uns ist dabei besonders schön zu sehen, dass sich der positive Eindruck aus dem Prototypentest von 2024 nicht als kurzer Hype erwiesen hat. Im Gegenteil: Die damalige Idee ist inzwischen zu einem erstaunlich konsequenten Produkt gereift.

NECCST zeigt damit ziemlich eindrucksvoll, dass eine Handmühle nicht zwangsläufig klein, leicht und möglichst platzsparend sein muss. Sie kann auch ein mechanisches Statement sein. Ein Werkzeug, das nicht nur Kaffee mahlt, sondern den 9gesamten Umgang mit Kaffee bewusster macht.

Und vielleicht ist genau das die größte Stärke der Series 1: Sie erinnert daran, dass guter Kaffee nicht erst bei der Extraktion beginnt. Er beginnt in dem Moment, in dem wir uns entscheiden, wie wir unsere Bohnen mahlen.

Insgesamt ist die NECCST ein außergewöhnliches Gesamtkonzept für ambitionierte Homebaristas, das weniger durch einzelne Superlative als durch seine Konsequenz überzeugt. Der Preis ist hoch, aber die Series 1 ist eben auch keine gewöhnliche Handmühle. Wer sich auf das Konzept einlässt, bekommt ein faszinierendes Präzisionswerkzeug, das Mahlen tatsächlich zu einem Teil des Kaffeerituals macht.

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