Kafmasino Kubo im Test: Smarte Espresso-Technik mit Flow- und Druckkontrolle
Es gibt Espressomaschinen, die möglichst viel Handarbeit verlangen. Es gibt Maschinen, die möglichst viel davon automatisieren. Und dann gibt es Konzepte wie die Kafmasino Kubo, die versuchen, beides miteinander zu verbinden. Sie soll dem ambitionierten Home-Barista die Kontrolle einer modernen Profiling-Maschine geben, gleichzeitig aber so einfach zu bedienen sein, dass auch Einsteiger nicht von Druck- und Flow-Kurven sowie und Extraktionsdaten erschlagen werden.
Nach unserem ausführlichen Gespräch mit Kafmasino-Entwickler Jorge Hurtado (das Interview findet ihr auf unserem YouTube-Kanal Kaffeewelten | inn-joy) wurde uns allerdings schnell klar, dass die Kubo nicht einfach eine weitere Espressomaschine mit App-Anbindung ist. Ihr eigentliches Konzept geht deutlich weiter. Maschine, Bluetooth-Waage, Software, Rezepte, Extraktionsprofile und Community werden zu einem System verbunden, dessen großes Ziel vor allem eines ist: Espresso reproduzierbar zu machen. Die Grundlage für diese Einschätzung liefert uns das ausführliche Praxiserlebnis mit der Maschine aus den vergangenen Wochen.
Schon beim ersten Kontakt macht die Kubo einen hochwertigen Eindruck. Das Gehäuse besteht aus Edelstahl und ist schwer und robust ausgeführt. Die Verarbeitung ist gut, lediglich die Auflage zum Einfüllen des Wassers in den Tank ist ein wenig klapprig. Der Tank nimmt ca. 1,7 Liter auf und ist bequem entnehmbar. Das Wasser wird von unten aus dem Tank gezogen, wodurch unansehnliche Plastikschläuche vermieden wurden. Der aus Kunststoff bestehende Tank erinnert an andere Mitbewerber wie bei Rancilio und Profitech. Insgesamt hat man sich auch stark von der Profitec Go inspirieren lassen. Was uns fehlt ist eine akustische oder über die Software optische Mitteilung, dass sich nur noch Wasser für einen Bezug (Last Shot) im Tank befindet. Zu den Abmessungen der Kubo lässt sich sagen, dass sie mit den Maßen von 29cm (Länge) x 25cm (Breite) x 26cm (Höhe) recht kompakt und nicht allzu viel Platz in eurer Kaffee-Ecke wegnimmt. Entwickelt wurde die Kafmasino Kubo von Grund auf in Spanien. Das Chassis selbst stammt aus China, montiert wird die Maschine allerdings in Spanien und sie besteht aus Komponenten verschiedener Herkunft. Gerade beim Gehäuse war die Entscheidung für die Fertigung in China eine Kostenfrage: Eine komplette Fertigung in Europa hätte den Preis nach Aussage des Entwicklers erheblich erhöht. Die Front ist recht aufgeräumt. Es gibt lediglich drei Knöpfe für Dampf, Heißwasser und den Bezug. Ein Manometer ist nicht vorhanden, da Informationen vom Druck über die App ausgegeben werden. Aktuell gibt es die Maschine ausschließlich in Schwarz. Ob später noch andere Farben erhältlich sein werden, ist noch nicht zu sagen. Der rechts befindliche Ausgabehahn für Heißwasser und die auf der linken Seite befindliche Dampflanze sind recht kurz. Gerade bei der Dampflanze würden wir uns persönlich eine längere Version wünschen. Immerhin könnt ihr die Dampflanze frei in die für euch bestmögliche Stellung bewegen. Mehr zur Dampflanze später im Test. Das Ein- und Ausschalten der Maschine erfolgt über einen Kippschalter an der hinteren rechten Seite.
Im Innern der Kubo arbeitet ein Boiler bzw. ein Thermoblock. Das Grundkonzept mit separaten Komponenten für Brüh- und Dampffunktion ist bereits aus dem Erstling, der Kafmasino One bekannt. Doch für die Kubo wurde die Hardware überarbeitet und angepasst. Statt einer modifizierten Serienmaschine haben wir jetzt eine von Grund auf entwickelte Plattform.
Besonders gut zeigt sich der Einfluss des eigenen Designs an einer auf den ersten Blick unscheinbaren Stelle: der Tropfschale. In ihr befindet sich eine Aussparung für die mitgelieferte Bluetooth-Waage. Das klingt nach einem Detail, ist im täglichen Gebrauch aber ausgesprochen sinnvoll. Bei vielen Maschinen mit integrierter Waage wird die ohnehin begrenzte Fläche unter dem Siebträger noch kleiner. Größere Latte-Gläser oder zwei Tassen nebeneinander werden schnell zum Balanceakt. Bei der Kubo verschwindet die Waage dagegen teilweise in der Tropfschale, sodass daneben deutlich mehr Platz bleibt. Diese Konstruktion entstand laut Entwickler ausdrücklich aufgrund des Feedbacks der Nutzer. Dass hier eine Waage mit im Lieferumfang enthalten ist, findet man so bislang äußerst selten.
Bevor wir zur Waage und ihrem Einsatz in der Praxis kommen, möchte ich noch zwei Worte zur Tropfschale verlieren: Zum einen ist sie recht groß und fast ungefähr 800ml. Leider ist kein Schwimmer verbaut, der euch anzeigt, dass die Tropfschale bald voll ist. Dies ist mit der Aussparung für die Waage allerdings etwas schwer zu realisieren.
Die Waage der Kubo ist im Gesamtkonzept kein isoliertes Zubehör. Sie ist ein integraler Bestandteil des gesamten Systems. Über Bluetooth werden Gewicht und Brewratio an die kostenlose App übertragen. (Die App selbst könnt ihr auf euer Smartphone oder euer Tablet installieren oder ihr nehmt – gegen Aufpreis – die von Kafmasino angebotene Tablet-Version inklusive Magnethalter, sodass ihr das Tablet an die Vorderseite oder an eine der beiden Seiten der Maschine anbringen könnt. Sehr praktisch!) Dadurch kann die Kubo einen Espresso nicht nur nach einer voreingestellten Zeit stoppen, sondern abhängig vom tatsächlich in der Tasse angekommenen Getränk. Genau diese Funktion halte ich für einen der größten praktischen Vorteile des gesamten Konzepts.
Denn beim Espresso ist das Verhältnis zwischen eingesetzter Kaffeemenge und Getränkemenge eine der wichtigsten Größen überhaupt. Wer beispielsweise 18 Gramm Kaffee verwendet und ein Verhältnis von 1:2 anstrebt, möchte ungefähr 36 Gramm Espresso in der Tasse haben. In der Praxis ist es allerdings erstaunlich schwierig, diesen Wert bei jedem Bezug exakt zu treffen, wenn man den Bezug manuell anhand der Waage beendet. Mal sind es 32 Gramm, mal 36, mal 38. Die Kubo übernimmt diese Aufgabe. Um das Ziel dauerhaft zu erreichen, wird der in der Software arbeitende Algorithmus kontinuierlich weiterentwickelt. In unserer mehrwöchigen Praxisphase arbeitete die Waage überwiegend zuverlässig. Das automatische Tarieren hingegen lies ab und zu noch zu wünschen übrig. Was beim ersten Bezug noch reibungslos funktionierte, ging im zweiten oder dritten Bezug nicht. Einmal mussten wir über die App tarieren, ein anderes Mal die Waage sogar neu starten. Ein Problem, das jedoch zwischenzeitlich mit einem Update gelöst wurde.
Der Weg über die Waage klingt zunächst nach einer Komfortfunktion. Tatsächlich ist es eine der wichtigsten Voraussetzungen für reproduzierbaren Espresso. Wenn das Getränkegewicht jedes Mal vergleichbar ist, fällt eine wesentliche Variable aus der Gleichung. Man kann sich dadurch viel stärker auf Mahlgrad, Dosis, Temperatur und Extraktionsprofil konzentrieren.
Und genau an dieser Stelle kommt die eigentliche Besonderheit der Kubo ins Spiel: das Profiling.
Irgendwas mit Variablen…
Auf den ersten Blick wirkt die Benutzeroberfläche mit ihren Diagrammen ziemlich technisch. Druck, Temperatur, Flow, Gewicht, Gewichtsrate und weitere Parameter werden während des Bezugs aufgezeichnet. Für jemanden, der noch nie mit Profiling gearbeitet hat, kann das durchaus einschüchternd wirken. Der entscheidende Punkt ist aber, dass man die Kubo überhaupt nicht so benutzen muss.
Wer einfach einen guten Espresso zubereiten möchte, kann ein vorhandenes Profil auswählen und den Bezug starten. Die Maschine übernimmt dann die zuvor definierten Schritte. Wer tiefer einsteigen möchte, kann dagegen praktisch jeden relevanten Parameter verändern und eigene Rezepte entwickeln. Die Maschine versucht damit, unterschiedliche Erfahrungsstufen abzudecken, anstatt den Nutzer auf eine bestimmte Art der Bedienung festzulegen.
Das wird während des Tests sehr anschaulich. Bei einem ersten Bezug ist der Mahlgrad deutlich zu fein. Nach rund 28 Sekunden befinden sich gerade einmal einige Gramm Getränk in der Tasse. Die Kubo zeigt dabei nicht einfach nur an, dass der Bezug langsam läuft. Die aufgezeichnete Gewichtsrate macht sichtbar, dass zu wenig Getränk produziert wird. Dadurch lässt sich unmittelbar nachvollziehen, warum der Bezug problematisch ist.
Genau hier zeigt sich, warum Profiling nicht ausschließlich eine Spielerei für Technik-Nerds sein muss. Bei einer herkömmlichen Maschine sieht man den Espresso aus dem bodenlosen Siebträger laufen und kann die Bezugszeit ablesen. Die tatsächlichen Vorgänge innerhalb des Kaffeepucks bleiben jedoch weitgehend verborgen. Die Kubo liefert dagegen zusätzliche Informationen über Temperatur, Druck, Flow, Gewicht und Gewichtsrate. Dadurch lässt sich wesentlich besser nachvollziehen, was während der Extraktion passiert und warum zwei vermeintlich identische Bezüge unterschiedlich ausfallen können.
Besonders interessant ist die Möglichkeit, zwei Bezüge miteinander zu vergleichen und ihre Kurven übereinanderzulegen. Wer beispielsweise zwei Espressi mit identischem Rezept zubereitet und trotzdem einen geschmacklichen Unterschied feststellt, kann die beiden Extraktionen direkt vergleichen. Die Entwickler bezeichnen diese Funktion als eine der am häufigsten genutzten Möglichkeiten der Software.
Für mich ist das tatsächlich einer der spannendsten Aspekte der Kubo. Espresso wird dadurch nicht vollständig berechenbar – Geschmack bleibt selbstverständlich subjektiv und ein Diagramm kann niemals die Sensorik ersetzen. Aber die Maschine reduziert die Zahl der unbekannten Variablen. Aus einem diffusen „Der zweite Espresso schmeckt irgendwie anders“ wird ein wesentlich konkreteres „Der zweite Bezug ist an dieser Stelle deutlich langsamer gelaufen“.
Damit richtet sich die Kubo paradoxerweise gerade auch an Einsteiger. Eine Profiling-Maschine sieht zunächst nach einem Produkt für absolute Espresso-Nerds aus. Tatsächlich kann sie den Lernprozess sogar verkürzen. Die Software versucht dem Nutzer zu zeigen, was gerade passiert, statt ihn mit einem schlechten Espresso und einem großen Fragezeichen zurückzulassen.
Noch einen Schritt weiter geht der integrierte Taste Analyzer, der von seinen Grundlagen her dem der MARO ähnelt. Nach einem Bezug können Dosis, Getränkemenge und weitere Daten erfasst werden. Anschließend kann der Nutzer bewerten, wie der Espresso geschmeckt hat. War er zu sauer? Zu bitter? Zu stark? Zu schwach? Der Algorithmus wertet diese Angaben zusammen mit den aufgezeichneten Extraktionsdaten aus und schlägt anschließend Veränderungen vor. Im Beispiel wird sogar eine Verbesserung des bestehenden Rezeptes angeboten, die anschließend automatisch übernommen werden kann.
Das ist ein bemerkenswerter Ansatz, denn genau hier scheitern viele Einsteiger. Sie wissen zwar, dass ihr Espresso nicht schmeckt, wissen aber nicht, welche Variable sie verändern müssen. Mehr Temperatur? Gröber mahlen? Feiner mahlen? Längere Preinfusion? Anderes Verhältnis? Kürzere Extraktion? Die Kubo versucht, aus diesen Entscheidungen einen nachvollziehbareren Prozess zu machen.
Dabei bleibt die Software nicht auf das reine Extraktionsprofil beschränkt. Sie enthält Tutorials und Anleitungen, die durch die einzelnen Funktionen führen und auch erklären sollen, wie Espresso zubereitet wird und wie die fortgeschrittenen Möglichkeiten funktionieren. Gerade für Nutzer, die erstmals mit einer Profiling-Maschine arbeiten, dürfte das wesentlich hilfreicher sein als eine klassische Bedienungsanleitung. Allerdings würde ich mir für das Interface eine noch etwas schickere Optik wünschen, die einen gewissen „Wow“-Effekt hat. Versteht mich nicht falsch: Hier wirkt alles relativ gut sortiert und alles hat seinen Platz. Aber gerade in Zeiten, in denen Entwickler auch zu optisch ansprechenden Oberflächen geht, wünschen wir uns noch ein wenig mehr. Einzelne Icons oder klare Systemführungen – wieder nehmen wir hier die MARO als Vergleich – wären wünschenswert. Vor allem für Anfänger sind direkt miteingebundene Bilder schöner. Auch wenn man sich über die Tutorials einige Erklärungen vorführen kann, wirkt das Ganze stellenweise ein wenig nerdig.
Heute mal eine LaMarzocco Linea oder darf’s die Olympus sein?
Richtig genial hingegen ist, wie die Kubo verschiedene Maschinen imitiert, wie eine Handhebel-Maschine oder eine LaMarzocco. Das erinnert an die mehrfach teurere Model One von MARO und natürlich an die Decent. Denn genau hier liegt der eigentliche Ursprung. Jorges Bruder wollte sich vor einigen Jahren eine Decent kaufen, hatte aber nach einem Blick auf das Preisschild die Idee, mit Jorge gemeinsam eine Maschine zu entwerfen, die mit einer ähnlich umfangreichen Software aufwartet, aber deutlich schonender zur Geldbörse ist.
Die Community – Gemeinsam können sie stark sein
Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die integrierte Community. Nutzer können eigene Profile hochladen und öffentlich oder privat teilen. Gleichzeitig lassen sich Rezepte anderer Nutzer herunterladen. Damit entsteht eine wachsende Bibliothek von Extraktionsprofilen. Hiervon gibt es schon einige, und im Laufe der Zeit wird es mit Sicherheit noch viel mehr werden.
Das macht die Kubo auch langfristig besonders interessant. Man kauft nicht einfach eine Maschine mit einer bestimmten Anzahl von werkseitig hinterlegten Rezepten. Die Möglichkeiten können durch die Community wachsen. Wer ein eigenes Profil entwickelt, kann es mit anderen teilen. Wer einen interessanten Bezug einer anderen Person entdeckt, kann ihn herunterladen und selbst ausprobieren. Und wer sich individuell austoben möchte, der darf im manuellen Modus während des Bezugs sogar den Druck und den Durchfluss mit Schiebereglern nach den eigenen Wünschen beeinflussen.
Noch spannender wird der Community-Gedanke, wenn ein Nutzer mit seinem eigenen Espresso nicht weiterkommt. Auch komplette Bezüge können innerhalb der Community geteilt werden, sodass andere Nutzer sie analysieren und kommentieren können. Die Vision dahinter ist eine Art gemeinschaftliche Fehleranalyse: Statt allein vor der Maschine zu stehen und zu rätseln, warum ein Bezug misslungen ist, können andere Baristas einen Blick auf die Daten werfen.
Wichtig für Cappuccino und Co – die Dampflanze
Auch beim Dampf zeigt sich, dass Kafmasino versucht, unterschiedliche Erfahrungsstufen abzudecken. Die Maschine besitzt mehrere Leistungsstufen für die Dampffunktion. Ein Einsteiger kann mit einer niedrigeren Stufe beginnen, während erfahrene Nutzer die höhere Leistung verwenden können. In der Praxis lässt sich erkennen, dass die Dampfleistung ausreichend kräftig ist. Gleichzeitig reagiert der Thermoblock sehr schnell. Der Wechsel in den Dampfmodus erfolgt innerhalb kurzer Zeit, was für eine Maschine dieser Bauart positiv auffällt. Künftig soll hier von der Ein-Loch-Düse zu einer Mehr-Loch-Düse aufgerüstet werden und auch ein Temperatursensor ist im Gespräch, damit die Milch nicht zu sehr bzw. automatisch erhitzt.
Die Dampflanze selbst besitzt eine sogenannte Cold-Touch-Ausführung. Dadurch soll verhindert werden, dass man sich beim normalen Gebrauch die Finger verbrennt. Allerdings ist auch diese Konstruktion natürlich nicht völlig immun gegen Hitze. Wird die Dampflanze über längere Zeit erhitzt, steigt auch ihre Temperatur.
Neben Espresso und Dampf bietet die Kubo eine Heißwasserfunktion, die ebenfalls über die Software konfiguriert werden kann. Temperatur und Zielmenge lassen sich einstellen. Wer beispielsweise einen Americano zubereiten möchte, kann eine definierte Wassermenge programmieren. Dazu kommen Funktionen wie automatische Abschaltung, programmierbare Einschaltzeiten und ein schneller Aufheizmodus.
Nur mit Tablet nutzbar?
Trotz ihrer starken Softwareorientierung muss man die Kubo aber nicht permanent mit einem Tablet betreiben. Das ist ein entscheidender Punkt. Nach dem Einrichten eines Profils kann die Maschine ganz klassisch über ihre Tasten verwendet werden. Diese sind aktuell allerdings noch nicht frei programmierbar. Aber auch hier soll ein künftiges Software-Update für die Funktion sorgen. Das Tablet oder Smartphone ist für die Entwicklung und Analyse von Rezepten besonders interessant, im Alltag aber nicht zwingend erforderlich. Wer morgens einfach seinen gespeicherten Espresso möchte, kann die Maschine entsprechend bedienen, ohne zunächst die App zu öffnen. Sogar das Programmieren von Zeiten, zu denen sich die Kubo aufheizt, ist möglich, damit ihr morgens sofort mit eurem Espressobezug anfangen könnt.
Apropos Aufheizen: Mit dem Fast-Head Modus ist es möglich, nach 5-7 Minuten den ersten Espresso zu beziehen. Hier solltet ihr aber unbedingt flushen, also einmal mit Wasser den Siebträger durchspülen, damit dieser heiß genug ist, um während des Bezugs nicht an Temperatur zu verlieren. Im Test war das Setup inklusive der Brühgruppe und des Siebträgers nach etwa 10 Minuten durchgeheizt.
Interessant ist auch, dass auf der Rückseite ein USB-Anschluss vorhanden ist, über den beispielsweise ein Tablet oder Smartphone geladen werden kann. Das ist kein Kaufargument an sich, zeigt aber, wie konsequent die Maschine als vernetztes System gedacht wurde, wenngleich das Aufladen hierüber natürlich recht langsam vonstatten geht.
Beim Thema Zubehör muss man dagegen berücksichtigen, dass die Kubo keine integrierte Mühle besitzt. Eine vernünftige Espressomühle ist deshalb Pflicht. Wir nutzen aktuell die DF64, die wir euch auch empfehlen können.
Das sehe ich durchaus positiv. Gerade bei einer Maschine mit derart umfangreichen Möglichkeiten wäre ein integriertes Mahlwerk ohnehin ein Kompromiss. Die Mühle ist für die Espressoqualität zu wichtig, um sie einem fest eingebauten Grinder unterzuordnen. Wer in eine Kubo investiert, sollte deshalb auch ein entsprechendes Budget für die Mühle einplanen. Ansonsten liegt der Kubo das übliche Zubehör aus Sieb, Blindsieb, bodenlosem Sieb und Reinigungspinsel sowie ein Tamper mit dabei. Einen Leveler oder eine Abschlagbox gibt es nicht. Der Tamper liegt gut in der Hand und der Griff wurde aus Holz gefertigt. Unser Tamper, den wir für den Test zur Verfügung gestellt bekommen haben, ist die Premium-Variante, welche ihr künftig im Shop bestellen könnt. Hier befindet sich die Seite allerdings noch im Aufbau.
Für erfahrene Home-Baristas stellt sich natürlich die Frage, ob die Maschine gegenüber wesentlich teureren Profiling-Systemen irgendwo an Grenzen stößt. Die Antwort des Entwicklers fällt erwartungsgemäß selbstbewusst aus. Durch die Bluetooth-Waage, die Kompatibilität mit der eigenen oder verschiedenen Acaia-Waagen und den Advanced-Modus sollen erfahrene Nutzer praktisch jeden relevanten Parameter verändern können. Die Möglichkeiten für eigene Profile seien entsprechend groß.
Eine Besonderheit ist dabei, dass die Kubo ihre technische Herkunft im Alltag nicht unbedingt zeigen muss. Entfernt man das Tablet, wirkt sie auf den ersten Blick wie eine vergleichsweise klassische Espressomaschine. Die smarte Technik steckt im Hintergrund. Einmal eingerichtete Rezepte lassen sich anschließend über die Bedienelemente abrufen.
Allerdings gibt es auch einen Punkt, den man bei einer solchen Maschine nicht ignorieren darf: Die Kubo ist stark softwareabhängig. Und genau deshalb ist die langfristige Pflege der Software mindestens genauso wichtig wie die Qualität der Hardware.
Im Interview hatte Jorge darüber auch offen darüber gesprochen, dass das meiste steht, aber noch einiges verbessert und optimiert wird. Die bereits für den Vorgänger vorhandene Software wurde zum Beispiel auch für Android-Endgeräte stabiler gemacht. Da wir jedoch mit unserem iPad gearbeitet hatten, können wir hierzu nichts sagen. Derzeit wird noch letzter Feinschliff an die komplette deutsche Sprachführung gelegt, wobei 95% bereits jetzt gut übersetzt wurden. Manchmal reagierte die App noch ein wenig zickig und forderte auch häufiger mal zum Flushen auf, damit der Boiler nicht überhitzt, was jedoch nicht auf den Boiler, sondern die Messfunktion zurückzuführen ist.
Genau diese Erweiterbarkeit der Software, die regelmäßigen Updates und das Anpassen an die Wünsche aus der Community, macht die Maschine spannend, bringt aber gleichzeitig eine gewisse Unsicherheit mit sich. Man kauft teilweise ein Produkt mit einem aktuellen Funktionsumfang und gleichzeitig das Versprechen, dass es sich weiterentwickeln wird.
Preislich positioniert sich die Kubo deutlich unter vielen High-End-Profiling-Maschinen, ist aber natürlich trotzdem kein Schnäppchen. So kostet die Kafmasino Kubo in Deutschland rund 1.400 Euro zuzüglich Steuern, was absolut fair ist für das, was die Maschine kann. Damit reiht sie sich zwar über der Profitech Go 2.0 ein, bietet dafür aber auch mehr als die Maschine aus Heidelberg.
Insgesamt möchte euch Kafmasino mit der Kubo möglichst viel technische Kontrolle für möglichst wenig Geld bieten. Die Kubo will nicht die günstigste Espressomaschine sein. Sie möchte vielmehr eine bezahlbare Möglichkeit sein, in eine völlig andere Liga der Espressozubereitung einzusteigen. Und genau darin liegt für mich auch die eigentliche Stärke der Kubo.
Sie versucht nicht, den Home-Barista durch Automatisierung zu ersetzen. Sie versucht vielmehr, ihn besser zu machen. Wer sich überhaupt nicht für Espresso interessiert, kann ein Rezept auswählen und auf Knopfdruck einen Bezug starten. Wer lernen möchte, bekommt Daten und Hilfestellungen. Wer bereits Erfahrung besitzt, bekommt Werkzeuge zum Experimentieren. Und wer wirklich tief in die Materie einsteigen möchte, kann eigene Profile entwickeln und mit anderen teilen.
Das Konzept erinnert damit weniger an eine klassische Espressomaschine und stärker an eine Plattform. Die Hardware ist die Basis, aber ein großer Teil des eigentlichen Mehrwerts entsteht durch die Software. Und genau deshalb ist die Kubo eine ausgesprochen interessante Entwicklung für den Home-Barista-Markt. Espresso war lange eine Domäne von Erfahrung, Gefühl und Wiederholung. Natürlich bleiben diese Dinge wichtig. Ein guter Barista wird weiterhin nicht durch ein Diagramm ersetzt. Aber moderne Messtechnik kann sichtbar machen, was früher nur erfahrene Baristas anhand vieler Bezüge intuitiv erkennen konnten. Die Kubo versucht genau diese Lücke zu schließen. Sie macht aus dem Espresso keinen vollständig automatisierten Prozess, sondern einen messbaren und reproduzierbaren Prozess. Das ist ein großer Unterschied.
Fazit: Wer eine klassische Espressomaschine sucht, die einfach nur Kaffee zubereitet, wird die Möglichkeiten der Kubo vermutlich kaum ausschöpfen. Wer dagegen Freude daran hat, herauszufinden, warum ein Espresso schmeckt, wie er schmeckt, für den eröffnet die Maschine eine ganze Reihe interessanter Möglichkeiten. Und selbst Einsteiger könnten profitieren, weil die Software die Lernkurve verkürzen kann.
Nach dem Eindruck aus dem vorliegenden Praxistest ist die Kafmasino Kubo deshalb vor allem eines: eine ungewöhnlich konsequente Profiling-Espressomaschine, die versucht, High-End-Technik aus der Nerd-Ecke herauszuholen.
Sie ist nicht perfekt. Die starke Abhängigkeit von der Software bleibt immer ein potenzieller Schwachpunkt und auch die langfristige Stabilität des gesamten Ökosystems muss sich erst beweisen. Auch der tatsächliche geschmackliche Vorteil gegenüber guten klassischen Espressomaschinen lässt sich nicht allein anhand von Diagrammen beurteilen. Aber die Grundidee überzeugt.
Denn am Ende geht es beim Espresso nicht darum, möglichst viele Daten auf einem Tablet zu sehen. Es geht darum, denselben guten Espresso immer wieder zubereiten zu können – und zu verstehen, warum er gut geworden ist.
Und genau dafür könnte die Kafmasino Kubo ein spannendes Konzept für ambitionierte Home-Baristas sein. Die Maschine versucht nicht, den Menschen aus dem Prozess zu entfernen. Sie gibt ihm vielmehr Werkzeuge an die Hand, mit denen aus Erfahrung Wissen und aus Wissen reproduzierbare Qualität werden kann.
Fotos: (c) Kafmasino / M. Heiland; Text: M. Heiland
