Wie Capstely den Nespresso-Kaffee neu definiert - Testbericht zur wiederverwendbaren Edelstahl-Kapsel
Bei vielen von euch ist es bestimmt ein allmorgendliches Ritual: Ihr schaltet eure Kapselkaffee-Maschine an, nehmt eine Kapsel aus eurer Box oder eurem Vorratsbehälter, legt die Kapsel ein und freut euch darauf, wenige Minuten später euren ersten Kaffee des Tages genießen zu können. Doch spätestens beim Blick in den Müllbehälter stellt sich bei vielen Kaffeetrinkern ein leises Unbehagen ein. Genau hier setzt „Capstely“ an und verspricht nichts Geringeres als eine kleine Revolution im Alltag von Nespresso-Nutzern: eine wiederverwendbare Edelstahl-Kapsel, die Genuss, Nachhaltigkeit und Individualität miteinander verbinden soll. Dank der freundlichen Unterstützung von Julian Luca Kreß, dem Gründer von „Capstely“, konnten wir das „Starter-Set“ für euch testen und berichten von unseren Erfahrungen.
Was bietet euch das Set?
Im Shop von „Capstely“ findet ihr das Starter-Set, bestehend aus der Kapsel, einen Minitamper, einem kleinen Reinigungstool, einem Tool zum Befüllen der Kapsel sowie einer Kurzanleitung, kleinen Tamper als Einzelprodukt sowie einem Dosierring. Bereits beim Auspacken wird deutlich, dass „Capstely“ nicht einfach nur ein weiteres Zubehörteil liefern möchte, sondern ein durchdachtes System. Die Kapsel selbst besteht aus hochwertigem Edelstahl 304, einem Material, das man sonst eher aus der Gastronomie oder von professionellen Espressowerkzeugen kennt. Entsprechend wirkt sie für eine Kapsel massiv, sauber verarbeitet und angenehm schwer in der Hand – ein deutlicher Kontrast zu den federleichten Einwegkapseln aus Aluminium oder Kunststoff. Auch die Verpackung zeigt Haltung – braunes Kraftpapier statt Plastik unterstreicht den nachhaltigen Anspruch des jungen Unternehmens aus Niedersachsen.
Erste Eindrücke im Alltag
Im Alltagstest zeigt sich schnell, dass die „Capstely“-Kapsel mehr ist als nur ein ökologisches Statement. Der größte Unterschied liegt in der völligen Freiheit bei der Wahl des Kaffees. Statt auf vorgegebene Sorten angewiesen zu sein, lässt sich jede beliebige Bohne verwenden – vom günstigen Supermarktkaffee bis hin zur frisch gerösteten Specialty-Bohne aus der lokalen Rösterei, den wir euch natürlich ans Herz legen. Das eröffnet nicht nur geschmacklich völlig neue Möglichkeiten, sondern verändert auch den Umgang mit Kaffee grundlegend. Mahlgrad, Füllmenge und Anpressdruck werden plötzlich zu Variablen, mit denen ihr spielen könnt. Wer sich darauf einlässt, wird mit einer erstaunlich individuellen Tasse Kaffee belohnt.
Natürlich bringt diese Freiheit auch eine gewisse Lernkurve mit sich. Während Einwegkapseln maximale Bequemlichkeit bieten, verlangt die Edelstahl-Variante ein wenig mehr Aufmerksamkeit. Das richtige Befüllen, das gleichmäßige Tampen und die Wahl des passenden Mahlgrads entscheiden maßgeblich über das Ergebnis in der Tasse. In den ersten Tagen kann es daher zu Schwankungen kommen – mal zu dünn, mal zu intensiv. Doch genau dieser Prozess macht einen großen Teil des Reizes aus. Mit jeder Nutzung entwickelt man ein besseres Gefühl für die eigenen Vorlieben, und der Kaffee wird zunehmend konstanter und besser. Wir haben unsere Espressomühle „DF64“ genutzt und den Mahlgrad bei den Stufen 9 und 12 ausprobiert und mit unserer dunklen Röstung hervorragende Ergebnisse erhalten. Espresso-Fans sollten natürlich bedenken, dass hier gerade einmal 5g Espressomehl in eine Kapsel passen, so wie auch bei den Originalkapseln. Für einen echten Espresso rechnet man mit 9, bzw. beim doppelten 18g Pulver für rund 18 bzw. 36g als Gesamtmenge in der Tasse.
Geschmacklich kann der mit der „Capstely“-Kapsel bezogene Espresso durchaus überzeugen. Richtig eingestellt, liefert sie ein Ergebnis, das sich nicht hinter klassischen Kapseln verstecken muss – im Gegenteil: Die Frische des selbst gewählten Kaffees sorgt oft für ein deutlich lebendigeres Aroma. Besonders bei hochwertigen Bohnen zeigt sich das Potenzial des Systems, das weit über das hinausgeht, was viele von Kapselkaffee gewohnt sind.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Nachhaltigkeit – und hier spielt „Capstely“ seine größte Stärke aus. Angesichts von Milliarden verbrauchter Einwegkapseln allein in Deutschland wirkt die Edelstahl-Alternative fast wie ein notwendiger Gegenentwurf. Eine einzige Kapsel ersetzt im Laufe der Zeit hunderte, wenn nicht tausende Wegwerfprodukte. Gleichzeitig reduziert sich der Verpackungsmüll drastisch, und auch finanziell macht sich die Umstellung bemerkbar: Statt für jede Tasse Verpackung mitzubezahlen, investiert man nur noch in den Kaffee selbst. Bereits nach wenigen Wochen kann sich die Anschaffung amortisieren. Was uns freut ist, dass „Capselty“ auch mit anderen, Nespresso-kompatiblen Systemen funktionieren kann, wie bei unserer Testmaschine, der „Cuisine Barista“.
Auch die Produktionsseite ist sauber kommuniziert: Die Fertigung erfolgt unter zertifizierten Bedingungen (BSCI, SEDEX, ISO 9001), was zumindest ein gewisses Maß an Transparenz und Qualitätskontrolle signalisiert. Das ist in dieser Produktkategorie keineswegs selbstverständlich und passt zum insgesamt stimmigen Markenbild.
Dennoch sollte man realistisch bleiben: Die „Capstely“-Kapsel ist kein Plug-and-Play-Ersatz für klassische Kapseln. Wer maximalen Komfort sucht und keinerlei Aufwand betreiben möchte, wird hier nicht glücklich. Reinigung, Befüllung und
Feinjustierung kosten Zeit – wenn auch nicht viel. Wer jedoch bereit ist, diesen kleinen Mehraufwand in Kauf zu nehmen, bekommt ein System, das weit über den ursprünglichen Funktionsumfang einer Kapselmaschine hinausgeht.
Fazit: Am Ende ist "Capstely" weniger ein Produkt als vielmehr ein Perspektivwechsel. Aus einem schnellen, oft gedankenlosen Kaffeekonsum wird ein bewusster Prozess, bei dem Nachhaltigkeit, Geschmack und Handwerk ineinandergreifen. Die Edelstahl-Kapsel ist damit nicht nur eine sinnvolle Ergänzung für Nespresso-Systeme, sondern für viele Nutzer vermutlich der erste Schritt raus aus der Wegwerflogik – und hin zu einem Kaffeeritual, das sich tatsächlich gut anfühlt.
Wir bedanken uns bei Julian Kreß für das zur Verfügung gestellte Set.
M. Heiland
