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Biomutant | Review (PS4)

BiomutantBild2Als vor rund vier Jahren im Netz erste Teaser zu einem neuen Spiel namens „Biomutant“ die Runde machten, war ich neugierig auf den Titel. Mit vielen frischen Ansätzen, einem überaus putzigen Helden und einer bunten Spielwelt voller Möglichkeiten und Ideen, konnte mich das Spiel bereits zu Beginn in seinen Bann ziehen. Nachdem das Spiel dann von den Entwicklern verschoben wurde, mit den Hinweis, man wolle den Titel noch größer machen und die Spielwelt erweitern, stieg die Vorfreude auf das, was da kommen würde, noch weiter an. Warum ich allerdings nach dem Release von „Biomutant“ ziemlich enttäuscht bin und mir manche Entscheidungen der Entwickler ein Rätsel sind, erfahrt ihr im Test der PS4-Fassung.
 
Es hätte doch alles so schön sein können…
Im Action-Rollenspiel „Biomutant“ schlüpft ihr in die Rolle eines putzigen Waschbär-Eichhörnchen-Verschnitts, der sich in einem fernöstlich anmutenden Setting durch eine offene Welt in bester Kung Fu-Manier prügelt, sich zahlreichen Aufgaben stellt und dabei auf viele verrückte NPCs und Gegner trifft. Verantwortlich für den Titel zeichnet das kleine schwedische Entwicklerstudio Experiment 101. 
Die Spielwelt besteht größtenteils aus verlassenen Häusern, Ruinen und einem insgesamt postapokalyptisch anmutenden Setting, in dem nur noch sprechende Tiere verschiedener Arten zu finden sind. Die Menschen scheinen ausgestorben zu sein. Dieser Ansatz ist prinzipiell spannend da neu und unverbraucht. Eure Aufgabe besteht darin, den Weltenbaum zu retten, der von vier „Weltenfressern“ zerstört werden soll. Ohne den Baum kann die Welt nicht weiter bestehen. Mehr müsst ihr eigentlich auch zu der Handlung von „Biomutant“ nicht wissen, da es kaum etwas interessantes zu erfahren gibt. Und auch über unseren pelzigen Helden (wider Willen) gibt es kaum etwas zu berichten. Bereits hier erkennt man, dass den Entwicklern keine besonders kreativen Ideen eingefallen sind. Ebenfalls wenig kreativ ist die Mischung aus Erzählung und Aufgabenstellungen. Weil die Tiere im Spiel allesamt eine unbekannte Sprache sprechen, werden sie von einem Sprecher aus dem Off für euch übersetzt. Was am Anfang noch recht amüsant ist, entpuppt sich nach kurzer Zeit allerdings als recht anstrengend und irgendwann auch nervig, sodass ich mich oft dabei ertappt habe, die Gespräche bzw. Übersetzungen zu überspringen. Ob die Antworten, die ihr in den Dialogen auswählen dürft, Auswirkungen auf den Spielverlauf haben? Eher in geringem Maße. Über dem Ganzen schwebt auch immer die Moralkeule, da es den Entwicklern um Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Co geht. Diese Themen sind natürlich gerade in der heutigen Zeit besonders wichtig. Doch wenn dann im Spiel permanent mit irgendwelchen Weisheiten dem Spieler eingetrichtert wird, sich doch bitteschön mehr um die Umwelt zu kümmern, wird es irgendwann einfach nur noch anstrengend.
 
Rollenspiel light 
Da „Biomutant“ von den Entwicklern als Action-RPG angepriesen wird, haben wir uns natürlich vor allem die Rollenspielelemente angeschaut. Zu Beginn des Spiels könnt ihr das Aussehen und die Fähigkeiten eures Helden anpassen. Je nachdem, welche Klasse (aus fünf könnt ihr wählen) und welche Attribute (hier stehen insgesamt sechs zur Auswahl) ihr aussucht, verändert sich das Aussehen der Spielerfigur. Im Laufe der Story kann der Charakter natürlich gelevelt und seine Attribute verändert werden. Allerdings haben wir uns im Verlauf des Spiels häufig gefragt, welcher Sinn hinter manchen Skills steckt, da nicht immer alles zu passen scheint. 
 
BiomutantBild3Ein Wort zu den Kämpfen: Diese verlaufen recht stringent. Neben den obligatorischen Fernkampfwaffen gibt es Waffen für den Nahkampf. Außerdem stehen euch Blocken und Ausweichrollen zur Verfügung. Während die Gegner interessant sind, kommt bei den Fights recht schnell Monotonie auf, da sie leider ziemlich unspektakulär sind. Auch auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad hat man das Verhalten der Gegner zu schnell durchschaut, als dass sie eine wirkliche Gefahr und Herausforderung darstellen. Interessanter sind da schon die Kung Fu-Einlagen unseres Helden sowie die einsetzbare Magie. Dumm nur, dass die Kamera häufig nicht so will, wie es euch zum Vorteil sein könnte und auch im Fernkampf ist es mehr ein Zufall, den Gegner unter Beschuss zu nehmen. Wirklich nervig ist dann die Verbesserung der Waffen, da das Menü sehr umständlich gestaltet wurde und man immer schauen muss, was man kombinieren kann. 
 
Der sich den Wolf sammelt
Das größte Manko des Spiels sind jedoch die unglaublich drögen und unmotivierten Aufgaben, die ihr zu bewältigen habt. In den allermeisten Missionen sollt ihr irgendwelche Dinge besorgen, um sie eurem Auftraggeber zu bringen. Gähn! Und auch die kleinen Rätsel sind sehr eintönig und locken im Jahr 2021 niemanden mehr hinterm Ofen hervor. Gleiches gilt für die Nebenaufgaben: Langeweile und Monotonie, so weit das Auge blickt. 
 
Das Problem kleiner Studios
„Biomutant“ ist von den Entwicklern her zunächst einmal ausschließlich für die „alten“ Konsolen, also die Xbox One und die PS4 entwickelt worden. Natürlich läuft das Spiel auch auf der neuen Hardware, hat aber hier keine wirklichen Vorteile zu bieten, da auch auf der leistungsstarken PS5 keine Verbesserungen wie schnelle Ladezeiten zu erkennen sind. Was besonders auffällt ist die Tatsache, dass viele Dialoge einfach so mittendrin abbrechen, dass es zu Soundaussetzern bzw. Abbrüchen kommt und so die Atmosphäre leidet. Auch Pop-Ups, Ruckler und Clippingfehler und schlecht aufgelöste Texturen sind zu erkennen. Die Abstürze auf der PS5 – wie von einigen Kollegen berichtet – konnten wir im Test allerdings nicht nachvollziehen. Insgesamt merkt man dem Titel einfach an, dass hier ein kleines Team mit wenig Budget bei der Entwicklung am Start war.
 
Fazit: Ach Mensch! Da habe ich mich so lange auf „Biomutant“ gefreut und dann so etwas! Wie kann man so viele Ambitionen verfolgen und diese dann so an die Wand fahren? Die Ideen, Kung Fu als Rollenspiel umzusetzen, sind neu und unverbraucht, die Gegner witzig und der charmante Protagonist hat theoretisch Potential. Doch aus all dem machen die Entwickler viel zu wenig. Dadurch kommt weder Spaß noch Langzeitmotivation auf, da an allen Ecken und Enden das Spiel nicht zu Ende gedacht und entwickelt wirkt. Daher raten wir euch zu warten, bis der Preis für „Biomutant“ deutlich gesenkt wird, da knapp 60 Euro für den Titel eindeutig zu viel sind für das, was euch das Spiel bieten kann.
 
6Die inn-joy Redaktion vergibt 6 von 10 Punkten.
 
Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei THQ Nordic für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.
 
U. Sperling
 

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