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Returnal | Review (PS5)

ReturnalBild1Schaut man bei Wikipedia unter dem Begriff „Komfortzone“ nach, so findet man folgende Definition „Der populärwissenschaftliche Begriff Komfortzone beschreibt einen individuellen Bereich des privaten oder gesellschaftlichen Lebens, der durch Bequemlichkeit und Risikofreiheit geprägt ist. Komfortzone wird alltagssprachlich oft leicht abwertend gebraucht, das Verlassen dieser ist positiv konnotiert.“ 
 
Was will uns der Schreiber dieser Zeilen damit sagen, mögt ihr euch fragen?! Nun: Betrachtet man die bislang veröffentlichten Spiele, die das finnische Entwicklerteam Housemarque veröffentlich hat, so stellt man fest, dass sie sich bislang mit ihren Titeln eher im Nischenbereich aufhielten. Doch mit der Veröffentlichung von „Returnal“, dem ersten PS5-exklusiven Spiel aus der Feder von Housemarque, haben die Finnen ihre Komfortzone verlassen und sich auf neue Pfade begeben. Ein waschechter AAA-Titel mit hohen technischen Anforderungen, einer aufwendigen Story und einem bis ins Kleinste durchdachten Gameplay wollen sie auch euch als Spieler aus eurer Komfortzone holen. Wie sie das schaffen möchten und ob es gelingt, erfahrt ihr in unserem Test. 
 
Und täglich grüßt der Überlebenskampf
Die älteren unter euch werden sich noch an den Hollywood-Streifen „Und täglich grüßt das Murmeltier“ erinnern, der 1993 mit Bill Murray in der Hauptrolle von Wettermann Phil in die Kinos kam.  In diesem Film sollte Murray bzw. Phil vom alljährlichen Murmeltier-Tag berichten, an dem ein Murmeltier das Wetter für die kommenden Wochen voraussagt. Doch aus irgendeinem Grund gerät Phil vor Ort in eine Zeitschleife und erlebt den Murmeltier-Tag wieder und wieder. Durch diese Zeitschleife kann er Dinge, die er schon durch den immer gleichen Ablauf des Tages kennt besser machen, um damit seine Kollegin Rita für sich zu gewinnen.
Nach einem ähnlichen Konzept verläuft auch „Returnal“ – nur ohne Murmeltier und ohne Bill Murray. Ihr übernehmt die Rolle der Astronautin Selene Vassos, die einem ominösen Signal, das vom Planeten Atropos kommt, nachgehen will. Doch wie es kaum anders zu erwarten war, gerät ihr Raumschiff beim Anflug auf Atropos in Turbulenzen und stürzt auf dem Zielplaneten ziemlich unsanft ab. 
 
ReturnalBild2Was dann folgt ist einer der intensivsten und emotionalsten Trips, die ihr in den vergangenen Jahren auf einer Sony-Konsole erlebt haben dürftet. Denn euer Ziel ist es, auf dem von zahlreichen Aliens besiedelten Planeten zu überleben. Was in der Theorie noch recht simpel klingt, entpuppt sich bereits nach wenigen Spielminuten als nervenaufreibender Überlebenskampf. Denn sollte Selene das Zeitliche segnen (was sie immer wieder tun wird), müsst ihr noch einmal von vorne beginnen. Dann erlebt ihr die letzten Sekunden des Absturzes samt Aufschlag und startet vom Raumschiff aus. Nur ganz wenige Items bleiben euch erhalten. Was bei Fans diverser „Souls“-Titel für Jubelschreie sorgen wird, dürfte Spielern mit wenig Frustresistenz Magenschmerzen bereiten. Denn als einer der ersten Titel, die ausschließlich auf der PS5 erscheint, ist „Returnal“ natürlich kein Spiel, dass sich an die breite Masse mit geringer Frusttoleranz richtet. Vielmehr benötigt ihr ein erstklassiges Reaktionsvermögen und stahlharte Nerven, um überhaupt ansatzweise etwas vom Spiel zu haben. Wer dies nicht besitzt, wird keinen Spaß mit „Returnal“ haben. Denn das, was Housemarque uns serviert ist extrem schwer zu bewältigen, aber unglaublich befriedigend, wenn einer der größeren (und natürlich auch der Bosse) Gegner fällt. Dann atmet man auf, freut sich, den richtigen Weg gegangen, seine Waffen ordentlich gewählt und die Taktik ohne Fehler durchgezogen zu haben. 
Da es keine Speicherpunkte gibt, ist dies ein absoluter Kampf gegen den inneren Schweinehund, um die eigene Nervenstärke und überhaupt all das, was euch bislang Spiele in eurer persönlichen Erfahrung gelehrt haben. Hier gibt es kein Netz und keinen doppelten Boden. Fehler verzeiht das Spiel zu keiner Zeit!
 
Dass der Titel aber dennoch so viel Spaß mit sich bringt, liegt vor allem an zwei Dingen: Erstens gibt es in der enorm großen Welt, die sich in verschiedene „Biome“ aufsplittet, Level und Areale, die sich stets neu anordnen und so immer irgendwie gleichzeitig bekannt, vertraut und dennoch neu anfühlen. Und zweitens ist es der „Flow“ des Spiels, der nicht perfekt ist, aber trotzdem gut umgesetzt worden ist. Hinzu kommt eine sehr schicke Grafik, eine grandios-dichte Atmosphäre aufgrund der perfekt umgesetzten Soundkulisse, die vor allem mit den Sony-Kopfhörern richtig überzeugt sowie eine hervorragende Einbindung der Controllereigenschaften des „DualSense“-Controllers und seines haptischen Feedbacks. Vor allem dann, wenn Action auf dem Bildschirm passiert, rüttelt und schüttelt der Controller, wenn ihr im Kampf mit Gegnern seid oder Regen von oben herab auf euch niederprasselt. Der Star des Gameplays sind aber dann die adaptiven Trigger, bei denen ihr zwei Waffen-Modi wählen könnt, die durch unterschiedlich starkes Drücken aktiviert werden. 
 
ReturnalBild3Eure Waffen enthalten zwar ausreichend Munition, um euch eurer Haut zu erwehren. Dennoch müssen sie verbessert werden, um gegen die zum Teil mächtigen und meist in Rudeln auftretenden Gegner überhaupt etwas ausrichten zu können. Darüber hinaus müsst ihr auch permanent in Bewegung bleiben und versuchen, den Geschossen durch dashen oder Sprints auszuweichen und zu erkennen, wie sie vorgehen. Denn wirklichen Schutz gibt es innerhalb der Areale keinen. Auch wenn immer wieder Abzweigungen und Alternativrouten entstehen, sind die Gebiete in sich begrenzt und linear und auch das Vorgehen ist immer wieder dasselbe: Räume bzw. Bereiche von Gegnern säubern, kleinere Denkaufgaben lösen, und am Ende eines Bioms den Boss killen. Trotz der eigentlich recht starken Einheitlichkeit wirkt „Returnal“ keine Zeit monoton oder gar langweilig. Denn wie bereits erwähnt setzen sich die Areale immer wieder nach einem Ableben neu zusammen und neue Portale ermöglichen Schnellreisen an anderen Punkten etc. 
 
Hart, härter, Returnal
Da „Returnal“ nur einen Schwierigkeitsgrad besitzt und keine Speicherpunkte, konfrontiert euch der Titel von Minute eins an mit Gegnerhorden, die ihr weder kennt noch deren Schwachpunkte sofort klar sind. Da es keinerlei Tutorial oder Übungsarenen gibt, müsst ihr euch sofort mit den Feinden auseinandersetzen. Doch bereits nach wenigen Sekunden ist klar, wie sie auszuschalten sind. Auch wenn die Entscheidungen immer aus dem Bauch heraus kommen (Zeit zum Nachdenken und einstudieren der Gegnerbewegungen oder Schwachstellen bleibt euch nicht), hat man irgendwie immer das Gefühl, blitzschnell zu verstehen, was zu tun ist. Das ist eine der Stärken von „Returnal“. Was jedoch ein wirkliches Problem darstellt ist die Unausgewogenheit beim Balancing. Während einige Gegner sehr einfach zu besiegen sind, stellen andere eine enorme Herausforderung dar und schießen aus der Distanz und der Nähe mit allem was geht auf euch, sodass es nicht selten vorkommt, dass es einfach kaum eine Chance gibt. Vor allem dann, wenn ihr vorher einen guten Lauf hattet, sorgt so etwas für zusätzlichen, dann aber unnötigen Frust, da es nicht an eurer Unachtsamkeit liegt, sondern am Balancing. Nervig ist auch, dass in gewissen „verdorbenen“ Kisten möglicherweise wichtige Items liegen könnten, wir diese aber besser nicht öffnen, da sonst Aktionen weniger wirksam in der Folge werden oder ihr mehr schaden nehmt. Belohnungen werden eben nicht immer durch belohnendes Vorgehen erzielt. Ebenfalls fies ist, dass viele Medipacks so einfach nicht so erreichen sind, da sie aus zunächst unerfindlichen Gründen hinter undurchdringbaren Barrieren zu finden sind oder in Ecken, an die ihr zunächst nicht gelangen könnt. Hat man dann nur noch ein klein wenig Leben, nervt dies umso mehr. Und trotz dieser klar zu benennenden Schwächen entfaltet „Returnal“ ein gewisses Suchtverhalten beim Spieler, wie wir es sonst eher von Souls-Spielen gewohnt sind. Und was will man als Fan derartiger Spiele mehr?!
 
Fazit: Ist „Returnal“ nun der erhoffte Hit und einer der wenigen bislang erschienenen Vorzeigetitel für die PS5 geworden? Beides würde ich mit „ja“ beantworten. Gerade für Fans von Souls-like Titeln ist „Returnal“ eine echte Herausforderung geworden und auch – mit Abstrichen durch die Balance – eine unerwartete Offenbarung, der selbst Profis das Letzte abverlangt! Für Entwickler Housemarque ist „Returnal“ schon jetzt ein Erfolg, wenn man bedenkt, was das relativ kleine Studio hier in Sachen Grafik, Sounddesign und grandioser Einbindung des DualSense-Controllers realisiert hat. Da sind etliche Vorzeige-Momente mit am Start. Fast ruckelfrei mit meist 60fps und dynamischem 4K wischt das Spiel mit etlichen seiner Mitstreiter den Boden auf. 
 
Wer allerdings mit dieser Sorte von Spiel nichts anfangen kann und / oder eine recht geringe Frusttoleranz hat, sollte um „Returnal“ einen großen Bogen machen und dürfte erst bei „Ratchet & Clank“ wieder einsteigen, um diesen – im Juni erscheinenden – superben Titel seinen Freunden als einen Kaufgrund für eine PS5 8vorzuführen. 
 
Die inn-joy Redaktion vergibt 8 von 10 Punkten.
 
Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Sony Interactive Entertainment für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.
 
U. Sperling
 

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