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Fifa 21 | Review (PS4)

Fifa21Für Fußballfans rund um den Globus ist die Welt seit März 2020 eine vollkommen andere, in dieser Form noch nie dagewesene. Denn seit Beginn der weltweit grassierenden Corona-Pandemie finden Fußballspiele nahezu ausschließlich ohne Zuschauer oder mit ganz geringen Zuschauerzahlen statt. Keine geplante EM, keine „richtige“ Champions-League und kein Rudelgucken. Doch während für „Otto Normalfan“ alles anders ist, bleibt für die Fans der „FIFA“-Reihe nahezu alles beim Alten. Denn auch wenn die PR-Maschinerie bei EA Sports erneut auf vollen Touren lief und man einige spannende Neuerungen versprach, ist „FIFA 21“ – bis auf wenige kleine Neuerungen und Verbesserungen – fast exakt dasselbe Produkt, wie sein Vorgänger – inklusive fast aller Stärken und Schwächen. Ob sich das Update auf die 21er-Version lohnt oder ob EA Sports – wie der Mitbewerber Konami – besser auf die neue Konsolengeneration hätte konzentrieren sollen, klären wir im Test, der auf Basis der PS4-Fassung verfasst wurde.  
 
Und jährlich grüßt das Murmeltier
Wir haben ja dafür Verständnis, dass EA Sports Jahr für Jahr seine Sport-Titel in den Handel bringen muss. Die enormen Lizenzpakete, welche diese Spiele mit sich bringen, kosten Unsummen. Auch gibt es genügend Fans, die sich über das alljährliche Update freuen und lieber eine Disc im Handel kaufen, als sich einen Downloadcode zuzulegen, der den Speicherplatz der Konsolen unnötig belegt und im Regel nicht dekorativ hingestellt werden kann. Insofern kann man es nachvollziehen, dass Electronic Arts – wie auch 2K mit seiner NBA-Reihe – und jeden Herbst einen neuen Ableger spendiert. Doch zwei Dinge sind es, die uns als langjährige Fans und Spieletester sauer aufstoßen. Da wäre zum einen der Punkt zu nennen, dass uns die PR-Abteilung von EA regelrecht auf den Arm nimmt. Denn während man immer und immer wieder tolle Features ins Netz bläst und damit die Fans neugierig macht und hoffen lässt, nun endlich entscheidende Schritte auf dem Platz weiterzukommen, kümmert man sich nach wie vor nicht um grundlegende Dinge, wie die KI (nicht nur des Torwartes). Und während man andere Dinge, wie beispielsweise die gute Story „The Journey“ auserzählt hat, verlagert man sich auf „Volta“ und erzählt dort eine recht kurze und eher wenig spektakuläre Geschichte rund um ein lateinamerikanisches Straßenteam. Zwar ist die Präsentation ganz nett; die teils pseudocoole Art kommt dennoch nicht sonderlich glaubwürdig rüber.
Das größte Ärgernis ist hingegen, dass Electronic Arts immer noch Echtgeld scheffeln will. Wenngleich niemand dazu gezwungen wird, wissen die Macher doch ganz genau, dass der Mikrotransaktionenteil des Spiels noch immer DIE Goldgrube schlechthin ist. Natürlich macht auch 2K Games seinen NBA-Titel zu einer reinen Geldmaschine in Casinoform, um den Fans das letzte Kleingeld aus den Rippen zu leiern. Doch bei Preisen zwischen mittlerweile knapp 70 und fast 90 Euro für die unterschiedlichen Versionen, ist das schon mehr als dreist. Auch wenn EA uns eine kostenlose Upgrade-Funktion für die kommenden Next-Gen Konsolen bietet, wird der Mehrwert kaum so groß sein, dass man hier alles stillschweigend hinnehmen sollte!
Das sieht man auch an der Grafik. Diese bietet uns erneut Stillstand auf hohem, aber längst nicht überragendem Niveau. Zwar erkennt man noch mehr Spieler als in den vergangenen Jahren. Aber zahlreiche Clippingfehler, Bugs und Glitches, hölzerne Spieleranimationen und Wachgesichter sind unzeitgemäß.
Die Kommentare in der deutschen Synchro sind ebenfalls auf gleichem Niveau zum Vorgänger geblieben. Das heißt: Zwar bieten die Herren Fuß und Buschmann nach wie vor einige interessante Infos rund um die Vereine; doch das Geschehen auf dem Platz wird immer wieder durch falsche oder unpassende Kommentare beschrieben. Die Berichterstattungen von Esther Sedlaczek, die von parallel-laufenden Partien berichtet, sind eine nette Ergänzung. Allerdings hätten wir uns die junge Moderatorin auch als Alternative für Buschmann oder Fuß gut vorstellen können, um einfach einen frischen Wind mit hinein zu bringen. 
 
Ein wenig Neues
Neu ist im Karrieremodus die Möglichkeit, sich als Manager unter Beweis zu stellen und dort Partien in einer 2D-Karte mit beweglichen Punkten, welche die Spieler simulieren, anzuschauen. Dabei gibt es auch die Option, in das Spiel zu springen und die Kontrolle über das Team zu übernehmen. Die Aktion wird genau dort ausgeführt, wo die 2D-Karte dies anzeigt. Im Anschluss könnt ihr wieder aus dem Spiel zurückspringen und zur 2D-Simulation zurückkehren oder einfach bis zum Ende des Spiels vorspulen. Das klappt ohne Probleme.
 
Ebenfalls neu ist, Spieler in neue Positionen umzuschulen. So könnt ihr beispielsweise rechte Flügelspieler zu linken Flügelspielern oder defensive Mittelfeldspieler zu Verteidigern machen. All das ist möglich. Auch die Startbedingungen sind flexibler gestaltet und ermöglichen es euch, mit einem kleineren Budget oder einem dicken Geldpolster zu starten und euch die „echten“ Stars an Bord zu holen. 
Am Gameplay hat EA Sports – wie bereits erwähnt – nicht viel geändert. Neu mit dabei sind das agile Dribbeling und die „Creative Runs“. So bekommt ihr während des Laufs im Ballbesitz mehr Kontrolle über den Ball. Die Ballphysik ist hingegen geblieben. Auch das Schießen von Toren fällt noch immer aus bestimmten Winkeln oder in Standards stellenweise zu leicht. 
 
Fazit: Sorry, liebe Entwickler, aber irgendwann muss auch mal gut sein, mit dem ewigen Einerlei. Natürlich lässt sich der Ball nicht neu erfinden und auch Fußball bleibt nun mal Fußball. Aber warum setzt ihr uns Jahr für Jahr solch kleine Updates vor, anstatt mal richtig Gas zu geben und uns echte Innovationen zu bieten? Warum werden alte Schwächen nicht ausgemerzt und stattdessen immer mehr auf das Geld machen geschaut? Auch wenn ihr für eure gigantischen Lizenzen viel Geld hinblättern müsst, ist es schon dreist, die Spieler derart auszuziehen, zumal für jeden neuen Ableger der volle Preis von 70 Euro und mehr verlangt wird. Für das Upgrade auf die PS5 erwarten wir daher kaum 6lohnenswerte Verbesserungen und hoffen, dass 2021 dann mit „FIFA 22“ echte Neuerungen am Start sein werden. Ansonsten hilft nur der Boykott, bis EA Sports endlich Innovationen und Revolution statt Evolution anbietet. Denn so geht es nicht mehr weiter. Nicht, dass wir uns missverstehen: Als Update für 25 Euro, hätten wir dem Spiel durchaus eine höhere Wertung geben können, da es euch nach wie vor eine Menge bietet. Doch für den vollen Preis von 70 Euro (oder mehr) ist hier einfach viel zu wenig im Gesamtpaket enthalten. Daher - und durch das große Augenmerk auf die Mikrotransaktionen - werten wir den Titel drastisch ab. 
 
Die inn-joy Redaktion vergibt 6 von 10 Punkten.
 
Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Electronic Arts für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.
 
L. Zimmermann
 

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