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Mafia: Definitive Edition | Review (PS4)

MafiaBild1Die Mafia: Gefürchtet, gehasst, aber auch oftmals bewundert. Kaum eine Organisation zeichnete in den vergangenen 130 Jahren für so viele Verbrechen, Tote und kriminalisierte Machenschaften innerhalb Italiens verantwortlich, aber auch in der „Neuen Welt“, wie die italienische Mafia. Doch trotz allem geht von der Mafia eine Faszination aus, sodass sich 1972 die Hollywood Legende Francis Ford Coppola in seinem Meisterwerk „Der Pate“ mit den Höhen und Tiefen, den Machenschaften, Seilschaften und Intrigen der Mafia filmisch auseinandersetzte. Und auch bis heute ist das Mysterium Mafia in den Köpfen der Menschen vorhanden. Sogar in der Spieleindustrie wurde das organisierte Verbrechen in Form des gleichnamigen Spiels von Entwickler Illusion  Softworks zum Thema gemacht und in gleich drei Spielen verewigt. Nach der Erstveröffentlichung von „Mafia“ im Jahre 2002 für den PC und 2004 für die PS2 und Xbox, erschienen 2007 „Mafia II“ sowie 2016 „Mafia III“. Nun, vier Jahre nach dem nicht mehr sonderlich rühmlichen dritten Teil, ist mit der „Definitive Edition“ ein Remake des ersten Teiles erschienen. Ob der – wie Teil 3 – von Hangar 13 verantwortete erste Teil dem damaligen Original gerecht wird, ob er besser ist oder ein überflüssiges Remake – all das haben wir für euch anhand der PS4-Version herausgefunden. Unsere Eindrücke lest ihr hierzu im Folgenden.
 
Zurück in Lost Heaven
Remakes zu machen ist immer eine Gradwanderung zwischen Hommage an das Original, zeitgemäßen Neuerungen und dem Einbringen möglicher eigener Ideen. Wie schmal dieser Grad ist, hat man zuletzt bei „Mario 3D All-Stars“ gesehen, wo das Spielerlebnis nach wie vor grandios und zeitlos, die Grafik stellenweise jedoch mehr als bescheiden ist. 
Umso schwerer das Erbe für Hangar 13, vor allem dann, wenn das Studio für den dritten und leider auch schwächsten Teil der „Mafia“-Trilogie verantwortlich zeichnet. Da sind viele Fans von vornherein zurecht skeptisch und hellhörig. 
Doch bereits die ersten Minuten an der Seite von Tommy Angelo fühlen sich so vertraut an, als käme man nach langem Aufenthalt in der Fremde wieder nach Hause. Zwar hat sich alles irgendwie verändert, ist neuer und wirkt anders. Und dennoch fühlt man sich heimisch, ja vertraut mit dem, was man sieht – vorausgesetzt, man kennt das Original…
 
Denn Hangar 13 hat Lost Heaven und seine Postkartenidylle, seine Vororte und den Moloch einer Großstadt der 1930er-Jahre zwar überarbeitet und grafisch angepasst. Dennoch bleibt der Charme von Lost Heaven im Herzen erhalten. Zwar ist hier lange nicht alles perfekt, sodass selbst auf der PS4 Pro immer wieder Objekte kurz vor uns aufploppen, Rasen sichtbar ins Bild streamt, viele NPCs von ihren Gesichtern eher einer Wachspuppe gleichen und auch die Beleuchtung nicht immer optimal ist. Dafür gibt es im Spiel selbst keine Ladezeiten und auch nach dem Ableben von Tommy wird das Spiel recht schnell neu geladen. Da sind wie von ähnlichen Produktionen weit Schlimmeres gewohnt. Immerhin hat man bei Hangar 13 uns Spielern auch einige Neuerungen mitgegeben. So könnt ihr die Steuerung eures Fahrzeug zwischen einem arcadelastigerem und einem simulationslastigeren Modus wechseln, wodurch zwar kein absoluter Realismus, aber ein netter Anspruch beim dynamischen Wetter erreicht wird. Auch das Verhalten der Cops kann eingestellt werden. Darüber hinaus zeigen transparente Schilder mit Richtungspfeilen neben der Minimap an, wo ihr abbiegen müsst, was in hektischen Verfolgungsjagden oftmals ein Segen ist. 
 
Natürlich klappt auch beim Remake nicht immer alles. Mal verhalten sich die KI-Mitstreiter oder Gegner dümmer als ein betrunkener Mafioso, der im Suff sich auf die Lackschuhe pinkelt. Ein anderes Mal werden Geschehnisse etwas zu spät ausgelöst. Dafür erhaltet ihr eine große, MafiaBild2offene Welt, die einfach stimmig ist. Ja, ihr könnt nach der Story nichts mehr in Lost Heaven anstellen und auch Nebenmissionen gibt es kaum. Dafür werdet ihr aber nicht mit unzähligen – mal mehr mal weniger – sinnlosen Quests belästigt, wie man es von der typischen „Ubisoft-Formel“ her kennt. Recht machen können es die Entwickler sowieso nie allen Fans und Veteranen schon gar nicht. Doch dafür „funktioniert“ Mafia wirklich gut und es macht Spaß, Tommy Angelo auf seiner „Karriere“ zu begleiten. 
 
Vom Neuling zum potentiellen Paten-Anwärter
An der Geschichte hat Hangar 13 grundsätzlich erst einmal nichts verändert. Wie auch der Original, so spielt das Remake erneut in den 1930er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, also in der Zeit der Prohibition, des Glücksspiels und der Blüte der Mafia in den USA. Als Taxifahrer Thomas „Tommy“ Angelo geratet ihr in eine wilde Verfolgungsjagd zweier Mafiosi. Da ihr die Szenerie unfreiwillig beobachtet, seid ihr irgendwie schon gleich gefangen und kommt durch Gelegenheitsjobs in den Dunstkreis von Don Salieri, dem Paten von Lost Heaven, der in Rivalität mit Don Morello, dem Chef eines weiteren Mafia-Clans steht. Dabei wird die Handlung in Rückblenden erzählt und wir erfahren, warum Tommy in der Klemme steckt, da er sich den Unwillen des Don zugezogen hat und seine Familie schützen muss.
 
Apropos Familie: Die Zwischensequenzen von „Mafia“ wurden teilweise erweitert und neu inszeniert. Auch die Vertonung wurde überarbeitet und bewegt sich nahezu komplett auf hohem Niveau. Einige Charaktere – allen voran Tommys Frau – werden mit etwas mehr Tiefe dargestellt, wenngleich eine weitgehende Identifikation mit unserem Helden nur bedingt möglich ist. Hier und da haben die Entwickler das Spiel auch ein wenig entschlackt und verschiedene Missionen etwas gerafft, wodurch die Handlung dichter ist, das typische Hollywood-Flair besser aufkommt und die Story flotter erzählt wird. All das tut dem Spiel gut. Und auch die Gefechte kommen zeitgemäßer her und bieten nun ein Deckungssystem, welches zwar nicht perfekt ist, jedoch besser ausfällt, als bei anderen Mitbewerbern. Unterstützt werden die teils packend inszenierten Feuergefechte durch den unglaublich tollen und intensiven Klangteppich sowie den atmosphärischen Soundtrack. Auch die wenigen, aber dafür umso stimmigeren Radiosender, passen auf den Punkt ins Amerika der 1930er-Jahre. Ein wenig monoton und spröde gibt sich „Mafia“ im Remake dafür leider in den Nahkämpfen, die sich auf gerade mal drei Aktionsvarianten beschränken und auf Dauer doch recht dröge sind. 
 
Fazit: Für knapp 40 Euro erhaltet ihr eine wirklich gelungen Neufassung des „Mafia“-Originals, das zwar immer noch nicht perfekt ist und für 2020 auch diverse technische und inhaltliche Mängel aufweist. Dennoch macht mir persönlich das Spiel auch nach so vielen Jahren noch unglaublich viel Spaß, da die Story noch besser, packender und intensiver ist, die Neuvertonung stimmig und das Gesamtpaket überzeugen kann. Und genau das ist es, was ein gutes Remake ausmacht. Wenn jetzt noch ein kostenloses Upgrade für die PS5 nachgereicht wird, die 8auch die letzten technischen Ungereimtheiten ausmerzt, ist „Mafia“ zwar noch immer kein „GTA V“, dafür aber ein charmantes Spiel, das nicht zum x-ten Male durchgekaut wird und auch heute noch zu unterhalten weiß. 
 
Die inn-joy Redaktion vergibt 8 von 10 Punkten.
 
Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei 2K Games für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.
 
U. Sperling
 

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