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Marvel's Avengers | Review (PS4)

AvengersBild1Lange Zeit mussten die Fans von Marvel‘s „Avengers“ auf die Konsolen-Umsetzung der Abenteuer ihrer Lieblinge warten. Doch nun, nach einigen Verschiebungen und einer umfangreichen Beta-Phase, ist „Marvel‘s Avengers“ erschienen. Wir haben uns anhand der PS4-Version einen ausgiebigen Eindruck vom Spiel verschafft und verraten euch im Folgenden, warum der Titel uns sowohl einerseits begeistern konnte, für uns andererseits aber auch eine Enttäuschung war. 
Umdenken ist gefragt
Fans des Marvel MCU, also der zahlreichen Kinofilme rund um Captain America, Hulk, Thor, Black Widow und Iron Man, werden schon damals, als die allerersten Trailer zum Spiel veröffentlicht wurden, sich ein wenig die Augen gerieben haben. Denn wer geglaubt hatte, dass wir es bei „Marvel‘s Avengers“ mit den virtuellen Alter Egos der Filmschauspieler zu tun bekommen, der hatte sich geirrt. Dies mag zum einen mit den Kosten für Motion Capturing und Co zusammenhängen. Zum anderen wollten sich die Entwickler wohl näher an den Comicvorlagen bewegen. Daher sehen Tony Stark, Bruce Banner und Co (sowie ihre Avenger-Pendants) etwas anders aus, als möglicherweise von vielen Fans erhofft. Unserer Meinung nach ist dies weder für die Atmosphäre, noch für den Spielspaß ein Problem, da die Darstellung der Superhelden gut umgesetzt wurde. Über die deutsche Synchronisation kann man allerdings geteilter Meinung sein. Denn während Bruce Banner und Black Widow recht gut besetzt sind, wurde gerade Tony Stark aka Iron Man fehlbesetzt, da seine Art der pseudocoolen Sprüche sowohl an der Comicvorlage als auch an der tollen deutschen Synchronstimme von Robert Downey junior komplett vorbeigehen und stellenweise ziemlich aufgesetzt wirken. Überzeugt hat uns hingegen die heimliche Protagonistin Kamala Khan, den Fans besser bekannt als Ms. Marvel. 
 
Als es den Avengers ans Leder ging
Die Story der umfangreichen Kampagne beginnt recht unspektakulär. Kamala und ihr Vater landen beim so genannten „A-Day“, dem Tag, an dem sich die Avengers für ihre Heldentaten feiern lassen. Bis es allerdings soweit ist, werdet ihr als Kamala hinter die Kulissen geführt, wo ihr in die Steuerung eingeführt werdet, aber auch einige interessante Gespräche verfolgt, die bereits hier erahnen lassen, dass nicht alles so zu sein scheint, wie es auf den ersten Blick im Avengers-Universum ist. Während sich „Fan-Girl“ Kamala also um einen Logenzuschauerplatz bewirbt und wir uns mit der Steuerung vertraut machen, trifft sie nach und nach auf die Avengers, die Kamala als Autorin eines Avengers-Abenteuerbuches (er-)kennen. 
Einige Minuten später kommt es dann zum ersten Showdown. Denn während des A-Day gibt es eine große Explosion in der Stadt, die absichtlich herbeigeführt wurde. Nur wenige Augenblicke später befindet ihr euch abwechselnd in der Rolle eines der fünf Avengers wieder und kämpft gegen eine Soldaten-Armee. Warum die Stadt in Schutt und Asche gelegt wird, ist zunächst ebenso unklar, die die Frage, wer hinter diesem feigen Anschlag steht. Doch schon bald wird klar, dass irgendetwas schrecklich schief gegangen sein muss. Denn trotz der Tatsache, dass die Avengers versucht haben, möglichst viele Menschen zu retten und die Gefahr zurückzudrängen, kommt es infolge des Anschlags zu genetischen Veränderungen im Erbgut der Bevölkerung, wodurch diese mit teilweise furchtbaren Mutationen zu kämpfen haben. All dies scheint als Folge von Experimenten aus den Laboren von Tony Stark zu kommen. Im Chaos des Geschehens beschuldigen die Politiker und Wissenschaftler sowie die Bevölkerung die Avengers. Infolgedessen lösen sich die Avengers als Gemeinschaft auf und tauchen für einige Jahre unter. 
Doch die Gefahr ist keineswegs gebannt. Denn nun beginnt die Jagd unter anderem auf die genetisch Mutierten, die so genannten „Inhumans“. Eine von ihnen ist Kamala Khan, die versucht, dahinter zu kommen, wer den Anschlag verübte, wer einen Nutzen aus dem Chaos ziehen könnte und wie die Reputation „ihrer“ Avengers wiederhergestellt werden kann. Auf dieser Reise begleiten wir Kamala, sodass man zunächst eher von einem „Marvel‘s Ms. Marvel“-Abenteuer sprechen könnte, als von einem Spiel, in welchem ihr in die Rolle der Avengers schlüpft. Doch keine Sorge: Nach und nach findet Kamala die „wahren“ Avengers wieder und ihr übernehmt die Kontrolle über die Helden. Überraschenderweise fällt die Story, die sich frei an den Comicvorlagen orientiert, recht umfangreich und spannend inszeniert aus und bietet mehr, als man zunächst denken könnte.
 
AvengersBild2Immer wieder dasselbe in anderer Rolle
Obwohl ihr ein „heroisches Sextett“ begleitet und immer wieder in eine andere Figur schlüpft, sind die Basics stets dieselben: Ihr wählt eine Mission am Kartentisch aus, werdet an den Ort des Geschehens gebracht, macht euch kurz mit den Gegebenheiten vertraut, nur, um dann im nächsten Augenblick schon mehrere Gegnerwellen auszuschalten. Hin und wieder kommen größere Gegner und Bosse hinzu. So richtige Abwechslung gibt es eigentlich nicht. Zwischen den einzelnen Kämpfen zerschlagt oder öffnet ihr Lootboxen, verbessert eure Helden (warum auch immer) und probiert eure Verbesserungen aus. Auch wenn das Ganze im Singleplayer durchaus unterhaltsam ist, bleibt der Kern des Ganzen ziemlich oberflächlich und doch erschreckend blass. Auch gibt es keinerlei Abzweigungen oder alternative Vorgehensweisen. Natürlich möchte der Titel euch gar nicht mal Ansätze einer offenen Welt vorgaukeln. Doch etwas weniger Schlauchlevel-Design wäre wünschenswert gewesen. Rasch kann man in der Kampagne auch feststellen, dass auf dem Papier zwar jeder Avenger seine individuellen Stärken und Schwächen besitzt. Doch unterm Strich spielen sich alle Avengers ähnlich: Es gibt Nahkampfattacken, Fernattacken, Spezialattacken und diverse Formen von Finishern oder auch besonderen „typabhängigen“ Attacken. Alle kosten Energie, die sich erst mit der Zeit regeneriert. So empfiehlt es sich, mit größeren Angriffen sparsamer umzugehen und eher den Gegnern geschickt auszuweichen, um sie dann beispielsweise aus dem Rücken zu attackieren. Schade ist dabei, dass die Kamera nicht immer optimal ausgerichtet wird und so nicht immer den passenden Blickwinkel ermöglicht. Auch die Gegner- und Mitstreiter-KI sollten besser und intuitiver agieren bzw. reagieren. 
 
Der sich den Wolf lädt
Insgeheim haben wir in der Redaktion während unseres Test ja schon auf die Möglichkeiten der PS5 gehofft und einem sauberen Port von „Marvel‘s Avengers“. Denn dort sollten dann ja die zum teil sehr langen Ladezeiten auf ein Minimum spürbar reduziert werden. Gerade nach dem Ableben einer Figur oder beim Wechsel zwischen den einzelnen Gebieten, ziehen sich die Ladezeiten wie alte Kaugummis. Immerhin kann der Titel grafisch durchaus einige sehenswerte Highlights und recht viel Abwechslung bieten. Dazu gesellen sich die schicken Effekte, wenn die Avengers ihre Kräfte einsetzen und die schicken Explosionen. Das Ganze kann dann wahlweise in 4K mit HDR-Unterstützung aufwarten. Auch hier sind wir auf das Upgrade zur potenteren PS5 gespannt. Alternativ zum 4K-Modus gibt es noch den „Performance“-Modus, der eine stabilere Bildrate bietet. Zumindest in der Theorie. Denn in der Praxis ist die Bildrate alles andere als konstant und auch die PC-Fassung soll ähnliche Schwächen mit sich bringen. 
 
Fazit: Schade, dass die Entwickler von „Marvel‘s Avengers“ so einiges an Potential liegen lassen und wirkt an vielen Stellen immer noch unfertig. Denn obwohl die Story besser ist, als gedacht und sich nicht in das MCU einbindet, sondern auf eigene, frisches Akzente setzt, obwohl mit Kamala Khan eine sympathische Figur als Protagonistin gefunden wurde und obwohl es unglaublich viel Spaß macht, in die Haut der Avengers 6zu schlüpfen, scheitert der Titel an vielen Kleinigkeiten, die ihn nicht über ein gehobenes Mittelmaß hinaus bringen. Da wäre mehr möglich gewesen… 
Die inn-joy Redaktion vergibt 6 von 10 Punkten.
 
Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Square Enix für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.
 
L. Zimmermann
 

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