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The Last of Us 2 | Review (PS4)

TheLastofUs2Bild1Jede PlayStation verabschiedet ihre Konsolengeneration mit einem großen Knall. Zum Ende der PS3 übernahm „The Last of Us“ diesen Part. Und auch der Nachfolger schickt sich an, dieses finale Feuerwerk auf der PS4 abzubrennen und der Konsole einen grandiosen Schlusspunkt zu bescheren. Wenngleich natürlich noch etliche weitere Spiele in den kommenden Monaten und vielleicht auch 1-2 Jahren für die „Current Gen“ erscheinen werden, schielen doch sowohl Entwickler als auch Fans weltweit schon auf den Release der „Next Gen“, die Ende des Jahres mit dem Launch der PS5 beginnen wird. Wir haben uns mit Ellie, die uns allen aus dem Vorgänger als eine der beiden Protagonisten bestens bekannt ist, erneut ins Abenteuer und auf eine weitere emotionale Achterbahnfahrt begeben und herausgefunden, ob „The Last of Us 2“ wirklich DAS Meisterwerk von Entwickler Naughty Dogs geworden ist, von dem viele Medien bereits im Vorfeld geschwärmt haben.  
 
Alle gegen alle – ein Kampf bis aufs Blut
Wir erinnern uns grob an die Handlung des ersten Teils: Ein Cordyceps-Pilz hat weit über die Hälfte der Menschheit befallen und zu wehr- und willenlosen Zombies gemacht. Die Welt, wie wir sie kennen, existiert in der Spielwelt von „The Last of Us“ im Jahr 2033 nicht mehr. Statt Demokratie herrscht das Militär vor, dass gegen alles und Jeden vorgeht. Dem gegenüber stehen die so genannten „Fireflys“, die sich mit der Gewaltherrschaft des Militärs nicht abfinden wollen. Inmitten des Kampfes aller beteiligten stehen Ellie und ihr Ziehvater Joel. 
Teil zwei setzt ungefähr vier Jahr nach der Handlung des Debütanten ein und bietet eine kurze Einleitung für diejenigen, die den Vorgänger nicht kennen oder für die er zu lange zurückliegt. Elli, nun 19 Jahre alt, ist nicht nur optisch gereift, sondern auch mental. Denn die Kämpfe gegen das Militär, marodierende Plünderer (die „Hunters“) und die Infizierten, sind noch intensiver geworden als jemals zuvor. 
 
Gemeinsam mit Tommy, dem Bruder von Joel und Maria haben sich eine neue Heimat in Jackson im Bundesstaat Wyoming sich ein neues Leben aufgebaut, das ein wenig Normalität verheißt. Und so beginnt „The Last of Us 2“ zunächst auch eher entspannt und gemächlich, ja sogar mit einer Prise Humor im doch ansonsten eher tristen Alltag innerhalb der Siedlung. Denn Ellie und Joel sowie deren Freunde, sind nicht nur auf Patrouille, um die Siedlung von Angriffen der Außenwelt zu schützen, sie spielen auch gemeinsam miteinander. Und so werden wir Zeuge einer ausgelassenen Schneeballschlacht, die uns in die Steuerungsmechaniken einführt. Ein tolles Quasi-Tutorial! Mit an Ellies Seite ist Dana, Freundin und Gefährtin von Ellie. Ja, ihr habt richtig gelesen: Ellie bevorzugt Frauen, was auch im Jahr 2020 leider noch immer ein Tabu für Viele ist. Insofern bekamen die Entwickler von Naughty Dogs bereits im Vorfeld einen ordentlichen Gegenwind zu spüren, was gerade im doppelmoralischen Amerika unter Donald Trump kein Wunder ist, wurde die Gesellschaft doch teilweise ins tiefste moralische Mittelalter zurückkatapultiert. Aber auch in fast allen anderen Ländern der Welt dürfte diese Beziehung einen schweren Stand für das Spiel mit sich bringen. Umso wichtiger ist es, dass sich die Entwickler von dieser Diskussion nicht haben beeindrucken sondern viel mehr motivieren lassen, Ellie und Dana als Paar zu präsentieren.
 
TheLastofUs2Bild2Allerdings bleibt es nicht lange bei dieser trauten Zweisamkeit. Denn nur wenige Spielminuten und einige toll gemachte Cutscenes, die kaum von der Ingamegrafik zu unterscheiden sind, später, bricht die emotionale Katastrophe über Ellie herein, die dafür sorgt, dass sie gemeinsam mit ihren Freunden sich auf eine große emotionale (und bleihaltige) Reise macht. Warum, das dürfen und wollen wir euch an dieser Stelle nicht verraten. Bestätigen können wir hingegen, dass Naughty Dogs auch bei ihrem neuen Spiel es schaffen, äußerst virtuos auf der emotionalen Klaviatur zu spielen und dabei enorm viele Zwischentöne zum Klingen zu bringen, die im Spieler lange Zeit nachhallen. Dies liegt jedoch nicht nur an der packenden Story, sondern auch an der gewissen „persönlichen Note“. Denn die Gegner, Feinde und Widersacher, denen Ellie begegnet, sind (mal abgesehen von den Clickern und Infizierten) keine gesichts- und namenlosen Charaktere. Wenn beispielsweise Gegner in Not geraten oder von Ellie angeschossen werden, rufen sie sich gegenseitig beim Namen, laufen zu ihrem Partner hin und versuchen hier und da auch verzweifelt zu helfen. Auf diese Weise fühlt man sich als Spieler noch weiter im Geschehen, das Ganze bekommt aber auch gleichzeitig eine moralischere und intensivere Komponente, da man hier stellenweise wirklich das Gefühl hat, nicht nur auf irgendwelche Zielobjekte zu schießen. 
 
Apropos schießen: Dass Naughty Dog bei seinen Spielen nicht unbedingt allzu zimperlich in Sachen Inszenierung und Gewaltdarstellung vorgeht, dürfte jedem bekannt sein. Doch hier bewegt man sich oftmals am Rande des Erträglichen. Denn wenn Ellie sich von hinten anschleicht, um Gegnern das Messer in den Hals zu rammen oder / und das Genick mit einem deutlich hörbaren knacken zu brechen, dann geht das nicht selten dem Spieler durch Mark und Bein. Allerdings muss man immer im Hinterkopf behalten, dass die Darstellung von Gewalt hier kein Mittel zum Zweck sondern storybedingt ist. Auch die intensiven Momente innerhalb der Handlung, in denen Gewalt quasi physisch und psychisch fühl- und spürbar ist, dient keiner Befriedigung niederer Instinkte, sondern trägt zur emotional intensiv-aufgeladenen Atmosphäre bei. Details können und wollen wir auch hier nicht verraten. Einzig die Tatsache, dass wir ein paar Mal im Test mit schweißnassen Händen den Controller für einige Augenblicke zur Seite legen mussten zeigt, dass uns die Story von „The Last of Us 2“ gefesselt und körperlich angestrengt hat. 
 
TheLastofUs2Bild3Ich hab da mal (hoffentlich) etwas vorbereitet…
Wie schon im ersten Teil, so müsst ihr auch im Nachfolger eure Waffenmunition suchen, Medipacks, Molotowcocktails, Waffenupgrades usw. craften und Ellis Skills optimieren. Während ihr also durch die weiten Areale zieht, solltet ihr stets die Augen nach Schubladen, Schränken und den Taschen von Gegnern offenhalten, da sich hier Medikamente, Lumpen, Schrauben u.a. finden lassen. Außerdem empfiehlt es sich, in den ruhigeren Passagen Gegenstände vorzubereiten, um nicht erst im Kampf Bandagen herstellen zu müssen, um ein Stück mehr Gesundheit zu erhalten. Da jeder Gegnertyp anders gemeistert wird, solltet ihr – wie in der Realität – häufig Abstand halten, um nicht sofort gebissen zu werden. Wer mangels Munitionsknappheit nicht wie Rambo ins Gefecht laufen will, der schleicht sich durchs hohe Gras an Gegner heran, wechselt auf die Flanken oder umgeht Feinde so geschickt, dass er sie quasi links liegen lässt. Alles ist möglich und machbar. Manchmal müsst ihr allerdings kämpfen, um weiter zu kommen. Dann empfiehlt es sich, vorab die Munition bereit zu haben und die Waffen zu überprüfen. Gerade die Nahkampfwaffen nutzen sich ab und sollten beizeiten ausgetauscht werden. Dass ihr oftmals von KI-Mitstreitern begleitet wird, ist ein Segen, denn diese helfen nach besten Möglichkeiten. Im Gegensatz zu den Feinden ist die Mitstreiter-KI durchwegs auf hohem Niveau angesiedelt, was euch nicht selten den virtuellen Hintern retten wird. 
 
Am Rande zur nächsten Generation 
Dass die Entwickler von Naughty Dog nicht nur meisterhaft verstehen, die emotionale Klaviatur zu bedienen, sondern das Ganze auch noch optisch grandios und einzigartig in Szene zu setzen, dafür lieben und schätzen wir seit Jahren das Entwicklerstudio. Denn egal, wo wir uns in der Story befinden – die Schauplätze sind einfach nur unglaublich toll eingefangen worden. Naughty Dog achtet auf alles: Die Areale strotzen nur so vor Detailfülle, das postapokalyptische Amerika wirkt glaubwürdig, die Charaktere und ihre Mimik und Gestik sind so genial, dass man jede noch so feine Regung erkennen kann (wenngleich die Haare wieder einmal unrealistisch wirken), die Gegner lassen uns im Test das eine ums andere Mal einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen und die Licht- und Schatteneffekte wirken so toll, dass man beinahe schon glauben könnte, man befinde sich bereits auf der PS5. Wir sind gespannt, wie stark „The Last of Us 2“ von der Pauer und der SSD der neuen Konsole ab Ende des Jahres profitieren wird. Dazu wird in jedem Fall noch ein Testupdate kommen! 
 
Gleiches gilt für den wieder einmal hervorragenden Sound. Naughty Dogs bietet für jede Heimkinoanlage, für Stereosound, aber auch für diverse Kopfhörertypen das Maximum an. Auch hier können wir auf den im Vorfeld von Seiten Sony gepriesenen neuartigen „3D-Klang“ gespannt sein. Für die PS4 gilt, was wir bereits in Punkto Grafik genannt haben: Alles bewegt sich auf höchstem Niveau. Seien es die Umgebungsgeräusche, die wunderbar glaubhaft wirken, seien es die Dialoge, die nicht nur toll geschrieben, sondern auch im Deutschen durch passende Synchronsprecher vertont wurden oder auch die tolle Einbindung sämtlicher Boxen inklusive des Subwoofers. Da kann man nur wieder einmal den Hut vor den Kreativen bei Naughty Dog ziehen!
 
Fazit: „The Last of Us 2“ setzt die grandiose Erzählweise des Vorgängers nahtlos fort und packt nochmal eine Schippe drauf. Nicht selten zeigt euch der Entwickler, wie intensiv moralische Entscheidung sein können, nur um euch im nächsten Moment eine Nase zu drehen und die Geschichte mit einem Twist zu versehen. Das Ganze wurde 10in eine fast schon perfekte audiovisuelle Verpackung gesteckt, wie sie typisch für Naughty Dog ist. Mit „The Last of Us 2“ haben die Entwickler sich auf allerhöchstem Niveau von der Current Gen-Generation verabschiedet. Da freut man sich auf das, was die Entwickler so alles aus der kommenden Hardware herausholen werden. Denn eines ist schon jetzt klar: In Sachen Storytelling werden sie sich auch auf der PS5 nicht mit weniger als einer emotionalen Achterbahnfahrt zufriedengeben. 
 
Die inn-joy Redaktion vergibt 10 von 10 Punkten.
 
Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Sony für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.
 
U. Sperling
 

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