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FIFA 20 | Review (Xbox One)

FIFA20Bild1Irgendwo in den heiligen Hallen von Electronic Arts, dort, wo die Chefentwickler von EA Sports sitzen und sich Jahr für Jahr um die neuen Ableger des virtuellen Fußball-Kicks „FIFA“ Gedanken machen, was man den Fans weltweit noch so alles bieten kann, müssen sie zusammengesessen und teils ungläubig auf das geschaut haben, was derzeit so im Internet und auf den Straßen passiert. Eine 16jährige Klimaaktivistin, die den Konzernen und Politikern wahlweise mächtig auf den Senkel geht oder auch Bauchschmerzen ob ihrer Klimapolitik zufügt und ein blauhaariger Internetstar, der mit einem Video mal eben so die Altparteien in ihren Grundfesten erschüttert – all das sind Dinge, die „das Althergebrachte“ momentan in Aufruhr und die Jugend in Bewegung versetzen. Und in diesem Klima (Achtung Wortspiel!) müssen sich eben jene Chefentwickler wohl überlegt haben, wie sie ihr „FIFA“ verjüngen, cooler und hipper machen und der „jungen Zielgruppe“ als immer noch attraktiven Zeitvertreib anbieten können. Denn wenn man es genau betrachtet, ist die Reihe mittlerweile auch an einem Punkt angekommen, wo sie in erster Linie für „die ältere Zielgruppe“ relevant ist, wo man sich mangels Konkurrenz (außer natürlich dem ebenfalls in die Jahre gekommenen und nicht weniger trägen Mitbewerber aus dem Hause Konami) aufgrund eines dicken Lizenzpakets in der Sonne aalt und wo außer aktuellen Kaderupdates kaum noch wirklich etwas Neues hinzukommt. Das Ergebnis dieser Überlegungen nennt sich „Volta“ und ist quasi eine Rückkehr von „FIFA Street“. Ob das jedoch für den Genrethron reicht und wie sich dieser „storybasierte“ Modus im Test geschlagen hat, erfahrt ihr im Folgenden.

Mein Platz ist der Hinterhof

Doch bevor wir auf den neuen Spielmodus zu sprechen kommen, wollen wir schauen, was uns das neue „FIFA 20“ so alles zu bieten hat. Da wäre natürlich zuerst der altbekannte Anstoß-Modus. Dann gibt es das Ultimate Team, die Karriere, den Multiplayer, die Europa League und die Champions League, die Ligen und Turniere und einen Trainingsmodus. Soweit, so bekannt. Wirklich neu ist der bereits genannte und im Vorfeld mit blumigen Worten von der Fachpresse beschriebene „VOLTA“-Modus. Hier stellt ihr euch ein virtuelles (männliches oder weibliches) Alter Ego aus einem Editor zusammen, um auf den Hinterhöfen und Dächern rund um die Welt in kleinen, knackigen und blitzschnellen Partien das pure Bolzgefühl erleben zu können. Quasi so, wie man beim Nachwuchs, in den brasilianischen Favelas oder auf Ascheplätzen noch spielt, bevor man als „Star“ mit Millionen zugeschmissen wird und möglicherweise abhebt. Dieser „ehrliche“ Fußball spielt sich natürlich wesentlich flotter als die „normalen“ Spiele, bei denen ihr lediglich als ein Akteur unter vielen auf dem Platz steht. Vom Spielgefühl ist „VOLTA“ für die „FIFA“-Reihe eine echte Bereicherung. Gerahmt wird der neue „VOLTA“-Modus von einer Story, die „The Journey“ ersetzt, da die Geschichte rund um Alex und Co. auserzählt ist. Dass die Mannen von EA Sports jedoch ihre Talente eher in der Umsetzung des virtuellen Ballsports haben und weniger begnadete Autoren sind, erkennt man relativ schnell (wobei wir wieder beim Anfang des Textes angelangt wären). Denn diese krampfhaft auf cool gemachten FIFA20Bild2Zwischensequenzen sind sprachlich und auch in Sachen Animation eher peinlich und können in der Kategorie „Fremdschämen“ ganz schnell in der Mottenkiste einsortiert werden.

Dafür bietet euch „VOLTA“ aber auch eine Menge. Egal ob im Turnier-Modus, in Spielen mit Fünf Spielern oder Drei-gegen-Drei ohne Torwart – alles macht eine Menge Spaß. Auch werden hier und da Herausforderungen angeboten, die euch neue Ausrüstungsgegenstände offerieren..

Wichtig ist auf dem Platz!

Es mag vielleicht eine der abgedroschensten Phrasen im Fußball überhaupt sein. Doch am Ende des Tages liegt der Fokus vor allem auf dem Spielgefühl. Und da stellt man schnell fest, dass Konamis neuster „PES“-Ableger sich doch erneut realistischer spielt, als der virtuelle Kick von Electronic Arts. Denn obgleich ihr wieder verschiedene Einstellungen bei euren CPU-Gegnern und der eigenen Mitstreiter-KI einstellen könnt, kommt auch „FIFA 20“ arcadelastiger daher, als beim Mitbewerber. Auch wenn die Entwickler wieder einmal mit Schlagworten wie verbesserter Ballphysik um sich werfen, ist diese nach wie vor nicht die beste. Und auch die Torhüter begehen noch immer einige seltsame Schnitzer. Gleiches gilt für die KI, die sich hin und wieder eher ausruht, als euch zu unterstützen. Auch hier hätten wir uns mehr Feinschliff gewünscht.

Apropos Feinschliff: Zugute halten muss man den Entwicklern, dass sie (neben dem gigantischen Lizenzpaket) sich Jahr für Jahr Mühe geben, die virtuellen Kicker den echten Rasensportlern optisch nachzuempfinden und auch deren Stärken und Schwächen ins Spiel einzubinden. Die Frostbite-Engine arbeitet wirklich toll und kommt mehr und mehr an eine echte TV-Liveübertragung heran. Und dennoch wirken die Gesichter oft in den Animationen wie aus Wachs und die Haare unnatürlich. Auch die Kollisionsabfragen bei Jubelszenen sind nicht selten merkwürdig. Zu den deutschen Kommentatoren müssen wir nicht viele Worte verlieren. Auch wenn sie sich redlich Mühe geben, liegen sie in vielen Situationen mit ihren Bemerkungen einfach daneben. Dadurch wirken einige Aussagen nicht nur deplatziert, sondern stellenweise lächerlich. Schade ist auch, dass es keine richtigen PKs oder Spielerinterviews etc. vor und nach den Spielen gibt. Dieser Bonus wäre das Tüpfelchen auf dem i, wenngleich es natürlich schwer zu realisieren sein dürfte.

Fazit: Auch in diesem Jahr bleibt sich „FIFA 20“ treu und wartet mit kleinen Verbesserungen auf, spart aber an einigen notwendigen Stellen noch immer mit großen Schritten nach vorne. Abgesehen vom neuen „VOLTA“-Modus hat mir der diesjährige Ableger einfach zu wenig zu bieten, als dass ich eine Höchstnote 8ziehen kann und will. Zwar stellen „VOLTA“ und das Ultimate Team einen Kaufgrund dar. Aber der Sprung nach vorne wird – vor allem in Sachen Realismus – erneut nicht gewagt.

Die inn-joy Redaktion vergibt 8 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Electronic Arts für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

U. Sperling

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