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Blair Witch | Review (Xbox One)

BlairWitchZugegeben: Die Ankündigung eines neuen Spiels im „Bliar Witch“-Universum war für mich (und wohl für viele andere Spieler weltweit ebenso) eine der Überraschungen der diesjährigen E3. 20 Jahre nach Erscheinen des Horrorfilms „Blair Witch Project“, der im Jahre 1999 das Genre des „Found Footage“ mit begründete, dachte man wohl, dass das Thema (oder das originale Setting) längst abgegrast oder vergessen sein. Doch die Entwickler von Bloober Team lehren uns ein Besseres. Ob der Titel mit der Filmlizenz spielerisch überzeugen kann, klären wir im Test der Xbox One-Version.

Im Dunkeln ist (nicht immer) gut munkeln...

Im Spiel seid ihr auf der Suche nach einem neunjährigen Jungen, der seit längerer Zeit vermisst wird. In der Rolle des psychisch labilen Ellis schließt ihr euch dem Sherriff und seinem Team an. Zuletzt wurde der Junge lebend in der Nähe eines Waldes (den Filmfans natürlich als denselben Wald aus dem Film sofort identifizieren dürften). Also macht ihr euch mit eurem Schäferhund Bullet auf die Suche. Dabei spielen der Hund und euer Verhältnis zu ihm eine wesentliche Rolle. Denn Bullet kann nicht nur die Fährte aufnehmen, anhand seines Bellens und seiner Körperhaltung warnt er euch vor möglichen bzw. drohenden Gefahren. Doch so ein treuer Weggefährte möchte natürlich ebenfalls nicht im dunklen Wald alleine sein. Aus diesem Grund müsst ihr ihn stets in eurer Nähe halten, ihn loben, ihm Leckerlis geben und ihn kraulen. Dann beschützt er euch, so geht er kann.

Je tiefer Ellis in den Wald vordringt, desto stärker wird seine geistige Disposition. Auf Deutsch: Der gute Mann leidet unter heftigen Wahnvorstellungen. Hierdurch wird er immer wieder von Visionen und Halluzinationen heimgesucht, die sich nicht nur in seinem Kopf, sondern auch auf dem Bildschirm manifestieren. Spätestens dann wird es für euch ebenso fast unmöglich sein, zwischen Realität und Wahnsinn zu unterscheiden, da auch die „Blair Witch“ ihren Teil dazu beiträgt, euch mürbe zu machen.

Je nachdem, wie ihr euch an bestimmten Stellen im Spiel entscheidet, gelangt ihr zu einem anderen Ende. Somit gibt es einen gewissen Wiederspielwert. Darüber hinaus gibt es diverse Geheimnisse zu entdecken. Somit ist die Motivation zwar nicht exorbitant hoch, lohnt sich aber zumindest für einen weiteren Gang durch den Wald.

Da wäre mehr drin gewesen

„Blair Witch“ ist im Grunde genommen nichts anderes, als ein klassische „Walking Simulator“. Einen Großteil der Spielzeit lauft ihr von einem Punkt zum nächsten, sucht nach Hinweisen, die das Verschwinden des Jungen aufdecken können, belauscht Unterhaltungen und teilt euch selbst mit. Atmosphärisch startet der Titel sehr sacht und eher gemächlich, um dann, wenn die Nacht hereinbricht, und ihr kaum noch die Hand vor Augen sehen könnt, anzuziehen. Denn nur mit einer Taschenlampe ausgerüstet, überlegt man sich vielleicht zweimal, wie schnell man wohin tritt. Doch leider bleibt die richtige Gruselaction eher Mangelware. Jumpscares – wenn sie denn mal auftauchen – sind kaum Schrecken verursachend und eher harmloser Natur. Gelungen sind da die VHS-Kassetten, welche zum einen Informationen liefern, zum anderen aber auch ab und an Einfluss auf die Realität haben. Denn über das Vor- und Zurückspulen der Bänder (ja sowas gab es noch in den 1990ern) können kleinere Rätsel gelöst werden. Leider bleiben die Rätsel recht oberflächlich und fordern nie so richtig die grauen Zellen. Auch hier vergeben die Entwickler eine Menge Potential.

Apropos Potential: Die Grafikengine zaubert euch – wenn ihr eine Xbox One X euer Eigen nennt – sehr schöne und stimmungsvolle Licht- und Schatteneffekte auf den heimischen Bildschirm und lässt den Wald – vor allem im Abendlicht – sehr glaubwürdig aussehen. Hier und da gibt es vereinzelte Ruckler, dafür sehen die Umgebungstexturen alle ordentlich aufgelöst aus. Matschige Texturen gibt es eher selten. Akustisch kann der Titel überzeugen. Leider gibt es nur eine englische Sprachausgabe, die deutschen Untertitel sind nicht immer auf den Punkt.

Fazit: „Blair Witch“ ist ein atmosphärischer „Walking Simulator“ der für einen kurzen Snack zwischendurch durchaus zu gefallen weiß. Die 7kurze Spielzeit und die sparsamen und nicht immer sinnvoll eingesetzten „Gruseleffekte“ sowie die stellenweise schlechten Untertitel nehmen ein wenig von der Atmosphäre. Insgesamt bleibt der Titel zu oberflächlich und schneidet die Thematik des Films lediglich an, anstatt sie zu vertiefen.

Die inn-joy Redaktion vergibt 7 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Bloober Team für das zur Verfügung gestellte Testmuster.

D. Stappen

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