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Hitman (Intro-Pack) | Review (PS4)

HitmanBild1Bis vor wenigen Jahren erschienen Video- und PC-Spiele in einem Stück. Es wurde viel Wert darauf gelegt, eine in sich geschlossene Geschichte zu erzählen, den Spieler nicht unnötig aus seiner virtuellen Welt herauszureißen und die Handlung bis zum Schluss zu führen. Doch seit einiger Zeit setzt sich bei den Entwicklern der Trend durch, ihre Geschichten in Episodenform zu erzählen, was zumindest bei „The Walking Dead“, „Life is strange“ oder auch „Game of Thrones“ aufgegangen ist.

Nun erscheint mit „Hitman“ einer der ersten AAA-Titel ebenfalls in Episodenform. Ob das Konzept aufgeht, wie sich die Story in „Häppchen“ erzählen lässt und wo unter Umständen Abstriche gegenüber eines klassischen „Komplettpakets“ hingenommen werden müssen, erklären wir euch in unserem Test der PS4-Version des so genannten „Intro Pack“, das zwei Trainingsmissionen und den Schauplatz Paris enthält und ab sofort als erstes von insgesamt sieben „Teilpaketen“ erhältlich ist. 

Einfach nur „Hitman“

Der neue Hitman aka Agent 47 kommt für die Neuauflage im Titel ebenso schlicht daher, wie der Agent selbst. Kein Untertitel, keine Schnörkel – ganz klassisch eben und puristisch. So, wie Fans den Agent 47 schätzen gelernt haben. Die Story des neusten Teils beginnt mit einem Rückblick 20 Jahre zuvor. Im Prolog, den viele von euch aus der Beta kennen, werdet ihr auf ein Schiff, das allerdings eine reine Dekokulisse für euren „Testlauf“ ist, gebracht. Vorab gibt es noch ein wenig Allgemeingeplänkel zum Hitman, doch das ist nur stellenweise interessant, da wir (nicht zuletzt dank des letzten Films) ja sowieso nur rudimentär etwas über die Vergangenheit von Agent 47 wissen und auch hier nicht mehr erfahren. 

Eure Aufgabe in der „Testmission“ ist es, besagte Schiffskulisse zu infiltrieren und dabei euer Ziel möglichst unauffällig und auf geschickte Weise zu beseitigen. Wie ihr vorgeht, ist euch überlassen. So könnt ihr Mechaniker von hinten leise ausschalten, um ihre Arbeitskleidung anzuziehen, und so in die Rolle des Mechanikers zu schlüpfen. Natürlich müsst ihr ihn auch ordentlich „entsorgen“, damit er nicht gefunden wird. Doch bereits nach wenigen Minuten wird klar, dass ihr nicht in die wichtigen Bereiche des Schiffes vordringen könnt, da diese nur dem Schiffspersonal verfügbar sind. Also müsst ihr euch eine weitere Uniform besorgen, um ans Ziel zu gelangen. Die Zielperson könnt ihr dann – auch das ist bekannt – mit einer Pistole oder der legendären Klaviersaite ins Jenseits befördern. Wichtig ist auch nach dem Mord, kein Aufsehen zu erregen. So solltet ihr nun eine weitere Rolle übernehmen, um sicher von Bord zu gelangen. Dies ist jedoch nur eine von vielen Optionen. Denn auch Rattengift und andere „Nettigkeiten“ stehen euch zur Verfügung. Habt ihr die Mission erledigt, schickt euch eure Auftraggeberin erneut in die Kulisse, um euch eine zweite Chance zu geben. Das Ziel bleibt zwar dasselbe, doch müsst ihr dieses Mal anders vorgehen. Das A und O von Hitman ist das Schleichen, unentdeckt bleiben und aus dem Schatten heraus bzw. der Tarnung zu agieren. Wer hier auch nur ansatzweise versucht, wie Rambo vorzugehen, wird binnen weniger Sekunden ins virtuelle Gras beißen, da Hitman keine Kugeln verkraftet. Für dieses Spiel braucht ihr einfach Zeit und Geduld!

HitmanBild2Pomp und Modenschauen

Habt ihr die beiden Missionen erfolgreich absolviert, geht es nach Paris. Hier dreht sich alles um die Welt der Mode, der Reichen und der Schönen. Im Mittelpunkt steht die so genannte „Sanguine-Modenschau“. Diese soll von euch infiltriert und die beiden Ziele, der extrovertierte und ziemlich korrupte und verbrecherische Modezar und seine Gefährtin, die Hintermänner / Frau einer mysteriösen und brandgefährlichen Organisation, erledigt werden. Doch dies ist leichter gesagt, als getan. Denn im Schloss, in dem die Modenschau stattfindet, und das frei nach Schloss Versailles bei Paris interpretiert wurde, wimmelt es nur so von geladenen Gästen, bewaffneten Soldaten und Personal. Geschützt werden die beiden Zielpersonen von einer nicht minder kleinen Armada an Bodyguards, die jeden Versuch, den beiden näher zu kommen, vereiteln wollen. Doch nicht nur ihr als Agent 47 wollt den beiden Zielfiguren ans Leder, sondern auch ein mysteriöser Unbekannter, der wohl einiges mehr über euch weiß, als euch lieb sein kann, setzt dem Hitman nach und später wohl auch zu. Genauere Aussagen lassen sich in dieser ersten Folge leider noch nicht treffen. Dafür ist alles noch zu nebulös und vage. 

Zu meinen Zielpersonen erhalte ich immer neue Informationen, vieles geben sie allerdings auch in Gesprächen, die es zu belauschen lohnt, preis. So entspinnt sich eine Story rund um die Mission aus Intrigen, Korruption und vielem mehr. Dass die Charaktere stellenweise stark überzeichnet sind, wenngleich die Handlung mit einer gewissen Ernsthaftigkeit vorgetragen wird, passt in die skurrile Modewelt voller Glitzer und Glamour. Klar, dass auch eine eiskalt scheinende schillernde Person, die zweifelsfrei Modekritikerin Anna Wintour, Chefredakteurin der US-Ausgabe der „Vogue“ darstellen soll, im Spiel auftaucht und im Hintergrund möglicherweise entscheidende Fäden zieht. Schade, dass die Story nicht noch ein wenig atmosphärisch dichter durch Zwischensequenzen voran getrieben wird. Dies wäre auch in einer episodenförmigen Veröffentlichung wünschenswert gewesen. Doch IO Interactive hat sich leider (noch) dagegen entschieden. 

Habt ihr dann nach längerem Probieren die beiden Ziele erledigt, ist die Mission zwar abgeschlossen und bis zur Veröffentlichung der nächsten Episode beginnt eine quälende Wartezeit. Doch eigentlich gibt es in Paris noch genug zu tun. Denn Paris ist nicht nur eine Reise wert. Das Mehrfach-Spielen ist durchaus unterhaltsam, da es unzählige Möglichkeiten gibt, ans Ziel zu kommen und neue Erfahrungen in der Welt von Agent 47 zu erleben. Dafür ist das offene Design wie geschaffen. Wer mag, der kann sich vom Spiel noch Hilfestellungen anzeigen lassen. Profis werden allerdings darüber die Nase rümpfen. Egal, für welche Option ihr euch entscheidet – Hitman ist sowohl für Neueinsteiger als auch für Veteranen der Serie gleichermaßen geeignet und kann euch stundenlang unterhalten, vorausgesetzt, ihr nehmt euch Zeit und seid gewillt, eure Aufträge auch kreativ (und mehrfach) anzugehen. 

HitmanBild3Schönheit mit kleinen Fehlern

Doch nicht nur spielerisch hat der neue Hitman einiges zu bieten. Auch grafisch kann der Titel größtenteils überzeugen. Vor allem das Schloss in Paris ist mit seinen prächtigen und sehr detailliert ausgearbeiteten Räumen ein absoluter Hingucker geworden. Die Modenschau, das Gewusel der Menschen – alles pulsiert und atmet. Abzüge gibt es für die stellenweise recht langen Ladezeiten, die immer gleich aussehenden Charaktere und die stellenweise doch recht einfach gestrickte KI mit ihren simplen Routinen. Dass sich IO Interactive gegen eine deutsche Synchro entschieden hat, ist ebenfalls schade, gehört aber anscheinend mittlerweile immer mehr zum Alltag kostet eine Lokalisierung doch ziemlich viel Geld und bringt aufgrund falscher Sprecherbesetzung auch nicht immer die bestmöglichen Ergebnisse mit sich. 

Fazit: Schon in der ersten Episode kann „Hitman“ mich wieder an den Bildschirm fesseln, wie es auch die Vorgänger konnten. Wenngleich ich es nach wie vor schade finde, zwischen den einzelnen Episoden immer einige Wochen auf Nachschub warten zu müssen, freut es mich, dass hier noch mehr zu erwarten ist. Denn das, was uns IO Interactive noch so alles servieren möchte, hat das Zeug, die Serie auf ein neues Level zu tragen, ähnlich, wie zuletzt bei Lara Crofts neuen „Tomb Raider“-Abenteuern geschehen. Die vielen Herangehensweisen, die facettenreichen Locations und das sich heimisch fühlen sind es, die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern können. Auch wenn der Titel noch mit einigen technischen Unzulänglichkeiten zu kämpfen hat, gehe ich davon aus, dass zum nächsten Teil sich die Entwickler noch mehr an den Feinschliff begeben. Bleibt zu hoffen, dass die Hintergrundgeschichte noch besser erzählt wird und vor allem, dass die Entwickler die nächsten Teile auch ohne größere Lücken veröffentlichen werden. Denn nur so werden die Fans auch bis zum Schluss dabei bleiben. Wem das Episoden-Szenario nicht gefällt, muss sich allerdings bis 2017 gedulden. Denn erst dann wird das gesamte Hitman-Erlebnis auf einer Disc veröffentlicht. 

Eine Gesamtwertung reichen wir nach unserem Test der letzten Episode, die vermutlich im Herbst erscheinen wird, nach. Bislang würden wir das neue Abenteuer von Agent 47 mit einer 8 von 10 Punkten bewerten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Square Enix für den zur Verfügung gestellten Review-Code.

S. Pieper

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