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Call of Duty - Modern Warfare | Review (PC)

CodBild1Viele Entwickler glänzen heutzutage leider nicht mehr durch die Entwicklung gänzlich neuer Spiele. Zu groß scheint die Angst, bei der Community kein Gehör zu finden, zu drückend die Last, ein Franchise einzustampfen und Kräfte für wirklich Neues freizusetzen. Und so verlieren sich zahlreiche Studios in endlosen Updates bekannter Serien, die oftmals nur noch durch Belanglosigkeit auffallen. Hin und wieder gibt es dann Remaster oder Reboots, mit denen die Entwickler – und schlussendlich natürlich auch die Publisher – versuchen, zu retten, was noch zu retten ist. Oftmals sind aber auch hier die neuen Impulse eher bescheiden. Im Fall von „Call of Duty“ wagt man hier ebenfalls einen Reboot der „Modern Warfare“-Ableger.

Zuletzt war die Reihe ebenfalls nicht sonderlich überzeugend und hielt sich immer mal wieder eher durch brutale Schocksequenzen oder fragwürdige Entscheidungen im Gespräch, denn durch echte Innovationen oder besondere Highlights. Wir durften uns anhand der PC-Version vom Neustart und dessen Qualitäten ein Bild machen. Im Test klären wir, ob uns der Reboot des Shooters überzeugen konnte.

Jetzt wieder mit Kampagne

Veteranen der alten Teile müssen beim Reboot umdenken. Denn der neuste Teil hat nur den Namen mit den Vorgängern gemein. Sämtliche Geschehnisse werden daher auch komplett ausgeklammert. Statt in der Zukunft ist die Handlung der Kampagne dieses Mal in der Jetztzeit angesiedelt. Einzig Captain Price ist erneut mit von der Partie, damit man sich als betagter Spieler nicht ganz so verloren vorkommt und wenigstens einen Fixpunkt hat.

Erzählt wird die Story allerdings nicht aus der Perspektive von Price, sondern aus der des CIA-Mitarbeiters Alex und der des britischen Agenten Kyle Garrick. Insgesamt 14 Kapitel umspannt die neue Kampagne. Dass die Entwickler von Infinity Ward dabei wieder auf allerlei Action, jede Menge Bombast und knallharte Szenen setzen, wird bereits in den ersten Spielminuten deutlich. Denn nichts weniger als ein Selbstmordattentäter, der eine Sprengstoffweste in eurer Gegenwart zündet, ist der Ausgangspunkt der Handlung. Um das Ganze noch intensiver zu machen, jagt sich der Attentäter nicht irgendwo in der hintersten Wüste des Irak in die Luft, sondern setzt seinem Leben mitten in London ein Ende. Doch spielt die Handlung, in der abwechselnd die beiden besagten Figuren im Mittelpunkt stehen, nicht nur in der Metropole (wo es kurze Zeit später zu einem der wohl dramatischsten Terrorangriffe der Videospielgeschichte kommt), sondern auch im fiktiven Staat Urzikstan. Dieser wird von den Russen besetzt gehalten, um die Terrorzelle Al-Qatala zu vernichten. Da die Russen jedoch bekanntermaßen nicht zimperlich agieren, bildet sich in der Bevölkerung natürlich massiver Widerstand. Was bis dahin als lokaler Konflikt betrachtet wird, erwächst nach dem Verschwinden von Giftgas zum globalen Konflikt, in den ihr dann auch verwickelt werdet.

Und obwohl der fiktive Staat der Ausgang der Story ist, bleibt es nicht dabei. In guter, altbewährter und bekannter CoD-Manier schickt euch die Story quer durch aller Herren Länder und dort über diverse Schauplätze. Die weitläufigen Areale, in denen ihr genrebekannt als Ein-Mann-Armee euch durch Horden von Gegnern metzelt und das Leid des global agierenden Terrorismus hautnah miterlebt, sind dennoch keine offene Spielwelt. Genauer genommen sind es erweiterte Schlauchlevel, wie man es seit Jahren von der Reihe kennt. Schade. Die Missionen sind nach altbekanntem Muster gestrickt und inszeniert. Alles wirkt überzeichnet und dennoch realer und schockierender als bei den in der Zukunft angesiedelten Teilen der Reihe. Leider setzt das Spiel nicht nur die Realität in Szene (von „gekonnt“ wollen wir bei einem derartige grausamen Thema überhaupt nicht reden), sondern übertreibt es an einigen Stellen auch deutlich und drastisch in der Darstellung. Daher wollen wir auch auf Einzelheiten nicht näher eingehen.

CoDBild2Natürlich haben sich die Entwickler auf die Fahnen geschrieben, den Terrorismus glaubhaft darzustellen. Doch wird die Idee in der Umsetzung manchmal etwas fehlgeleitet. Häufig bleibt die Darstellung expliziter Gewalt nichts als „Schauwert“. Kritik, Reflexion oder gar Distanzierung – all das ist hier nicht gefragt. Stattdessen gibt es einmal mehr Machos und Patriotismus in Reinkultur. Zugegeben: In einigen Szenen wäre ich auch nicht verwundert gewesen, wenn ein Sly Stallone oder ein Jean Claude van Damme um die Ecke gebogen wären, um mit euch mitzukämpfen. Die moralische Komponente oder gar das Verweigern von Befehlen und das Hinterfragen des eigenen und des fremden Handelns werden ebenfalls nahezu komplett ignoriert. Andere Titel sind da schon beim Storytelling weiter. Immerhin gibt es erstmals die Möglichkeit, hier und dort aus unterschiedlichen Antwortmöglichkeiten auszuwählen. Klar: Ein Call of Duty wird nie ein Rollenspiel sein (was auch nicht nötig ist). Dennoch sind Alternativen immer begrüßenswert, zumal hierdurch auch der Wiederspielwert der Kampagne vorhanden bzw. größer wäre. Immerhin: Am Ende der Geschichte hat man nicht das Gefühl, als sei man der Sieger mit der besten Waffe, den meisten Orden, der größten Potenz und den dicksten Muskeln. Vielmehr bleibt ein unwohles Gefühl mit einem bitteren Nachgeschmack. Reflektierte Personen dürften über das Gesehene (hoffentlich) länger nachdenken.

Wieder mittendrin    

Dieses unwohle Gefühl im Magen wird allerdings nicht nur durch die teils schockierenden Szenen hervorgerufen, sondern ebenfalls dadurch, dass CoD: Modern Warfare auf dem PC mit absoluter HighEnd-Grafik und unzähligen Effekten aufwartet. Was schon auf den Konsolen äußerst realistisch wirkt, ist hier noch eine Spur klarer, schärfer und glaubwürdiger, da die Charaktere dank Motion Capture-Verfahren absolut echt aussehen und dank der enormen Detailverliebtheit jede noch so kleine Stoff- und Hauttextur zu erkennen ist. Da es keinerlei Bruch zwischen den von selbst ablaufenden Zwischensequenzen und der Handlung gibt, versinkt man als Spieler noch schneller im Geschehen und fühlt sich dadurch wirklich mitten drin statt nur dabei. Wenngleich diese Phrase schon häufig bemüht wurde: Beim neuen Modern Warfare trifft sie zu. Auch wenn die Level nicht komplett zerstörbar sind, ist die Verwüstung stellenweise immens. Begleitet wird das Ganze durch einen beeindruckenden Sound und eine überwiegend gute Synchronisation. Wer eine entsprechende Surroundanlage sein Eigen nennt, kommt kaum noch aus dem Staunen heraus, da die Effekte teils ohrenbetäubend sind. Allerdings bedurfte es vor dem Start des Spiels eines neuen Patches, da ohne diesen auch auf dem PC so einige Ruckler zu erkennen waren, die hin und wieder doch die dichte Atmosphäre und die Immersion zerstörten.

Was mir persönlich einmal mehr missfallen hat, ist die stellenweise erneut strunzdumme KI. Irgendwann muss es den Entwicklern doch mal gelingen, eine glaubwürdige künstliche Intelligenz zu erschaffen, die nicht immer wie Schießbudenfiguren agiert. Auch wenn die feindlichen Gegner schlauer geworden sind, gab es in unserem Test doch zahlreiche Aussetzer. Einziger Trost sind die höheren Schwierigkeitsgrade. Hier macht Modern Warfare dann auch mehr richtig. Spaß ist bei diesen Spielen ein unangebrachtes Wort! Immerhin: Euer virtuelles Alter Ego kann nun nicht mehr seine Gesundheit so rasch regenerieren, wie es früher der Fall war. So ist der Druck höher, selbst vorsichtig und clever zu agieren, um nicht schneller im Kampf zu fallen, als man gucken kann.

Wer die Kampagne durchgespielt hat oder eher auf Multiplayer-Partien steht, kann im Mehrspielerbereich auch einiges erleben. Wir haben uns bei unserem Test jedoch auf die Kampagne beschränkt, da der Multiplayer keine neuen Highlights mit sich bringt, sondern auf altbekannte Kost setzt (was nichts schlechtes ist, aber keiner besonderen Erwähnung bedarf).

8Fazit: Call of Duty: Modern Warfare kann mit seiner neuen Geschichte ein intensives, packendes Gesamtpaket liefern. Wer eine intensive Story und einen bombastisch inszenierten Shooter sucht, der wird hier auf seine Kosten kommen. Tiefgang und weniger patriotisches Auftreten werden allerdings kaum geboten. Im Multiplayer bietet auch der Reboot gewohnte Kost. Insgesamt verschenkt die Neuauflage Möglichkeiten, ist aber besser, als die Vorgänger geworden, wenngleich der hohe Gewaltgrad nicht hätte sein müssen.

Die inn-joy Redaktion vergibt 8 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Activision für das zur Verfügung gestellte Testexemplar.

D. Fischer

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