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Sing meinen Song: Das Tauschkonzert Vol. 3 | VÖ: 29.4.16

SingmeinenSong3Zum dritten Mal hat Gastgeber Xavier Naidoo hochkarätige Musikerkollegen nach Südafrika eingeladen, um sich der Herausforderung zu stellen, bekannte Songs neu zu interpretieren. Dabei ist die Bandbreite an unterschiedlichen Musikgenres noch nie so groß gewesen wie in diesem Jahr. Von Pop über Rock, Soul, Country, Funk, Rap bis hin zum Chanson und Kölner Dialekt ist alles dabei. Dass dieses Experiment für Wolfgang Niedecken von BAP, Annett Louisan, The BossHoss, Nena, Seven, Rapper Samy Deluxe und auch Xavier Naidoo mit besonderem Nervenkitzel verbunden war, wurde den Beteiligten schnell klar. Soviel sei schon mal verraten, diesmal flossen keine Tränen. Doch emotionale Momente waren genauso dabei, wie die gute Stimmung untereinander, die von großer Herzlichkeit und Respekt geprägt war. Neben den musikalischen Interpretationen waren jedoch auch die Gespräche der Künstler miteinander bemerkenswert, was unter anderem an den teils ernsthaften Songtexten von Wolfgang Niedecken lag, die man erstmalig in hochdeutsch hört. Dies wird spätestens dann klar, wenn Samy Deluxe den BAP Song Kristallnacht seinen Kollegen präsentiert.

Sascha Vollmer und Alex Völkel von The BossHoss sorgten ebenfalls für ein Highlight. Nicht nur, das sie zum ersten Mal auf Deutsch singen sondern sie kreierten auch gleich ein neues Musikgenre den CRAP = Country + Rap. Xavier hingegen wagte sich an den Funk mit dem Song Go Slow von Seven, wobei er scherzhaft bemerkte, dass dies wohl das Motto der Schweizer sei. Auch für Nena war es eine Herausforderung sich einem Song von Samy Deluxe zu stellen, während Annett Louisan sich mit dem Track Close von The BossHoss an das Country-Genre traute. Der Song Was wir alleine nicht schaffen bekam von Wolfgang Niedecken hingegen eine neue Dialektik verpasst, indem er ihn auf Kölsch zum Besten gab. Auf Sing meinen Song Das Tauschkonzert Volume 3 trifft das Motto So haben Sie diese Stars noch nie gehört erneut voll und ganz zu. Mit den 14 Interpretationen des Standard-Albums sind ein Teil der musikalischen Höhepunkte auf einem Tonträger zusammengefasst. Wer jedoch die große Bandbreite der einzelnen Protagonisten bevorzugt, kann sich mit der Doppel-CD Deluxe-Edition gleich 29 Songs für den heimischen Player sichern. Ob Standard oder Deluxe, beide Versionen stecken voller vertrauter Songs, die einen ganz neuen Charakter bekamen und zeigen Musiker, die bereit sind ihre gewohnten Genres zu verlassen. So haben Sie diese Stars irklich noch nie gehört.

Aller (musikalisch) guten Dinge sind drei? - Oder: Das Grauen hat einen Namen

Da ist er also nun wieder. Deutschlands umstrittener und umtriebiger Soul-Sänger, Xavier Naidoo. Nach den ersten beiden (durchaus erfolgreichen) Alben der TV-Reihe „Sing meinen Song: Das Tauschkonzert“, hat er wieder ein paar Altstars, die nicht gerne den Winter im kalten Deutschland verbringen und sich gerne nebenher noch ein paar Euro dazu verdienen wollen, ins sonnige Südafrika gelockt. Dort hat Herr Naidoo sein Anwesen und dort können die Sängerinnen und Sänger munter drauflos trällern. Da unten hört es ja auch keiner. Doch anstatt die ewige 80er-Ikone Nena, die ja bekanntlich schon durch so manch alkoholisiertem TV-Auftritt aufgefallen ist, die beiden mittlerweile einfach nur noch nervtötenden „Cowboys“ und Ober-Machos von The BossHoss, die „kleine, süsse Maus“ Annett Louisan, den kölschen Mick Jagger, aka Wolfgang Niedecken, der alles, was er vor die Klampfe bekommt, „up Kölsch“ weg singt und – ähnlich wie der US-Star – wohl eines Tages mit der Bahre von der Bühne getragen werden muss, den immer ein wenig finster dreinblickenden Kult-Bösewicht Samy Deluxe und einen gewissen „Seven“ (nicht zu verwechseln mit der Band „SubSeven“), den wohl außerhalb der Schweiz niemand kannte, im malerischen Südafrika in ein betreutes Wohnen zu sperren, ließ der feine Herr Naidoo, der ewige Prediger und falsch verstandene „Reichsbürger“, eben genannte Herrschaften mit Kameras filmen. Quasi ein Big Brother für Hartgesottene. Für wen sie allerdings allabendlich mit ordentlich Alkohol (wie immer und natürlich für Nena etwas ganz Besonderes) auf dem Tisch und teilweise in der Birne Songs der anderen missbraucht – ähm – gecovert haben, entzieht sich meiner persönlichen Kenntnis. Denn mit derart schrecklichen Coversong-Versionen vergrault sich ein jeder der Herrschaften auch noch die letzten Fans.

Zu allem Übel langt jedoch das wöchentlich ausgestrahlte Debakel nicht. Natürlich muss man auch noch die Machwerke auf CD pressen. Da fragen sich Kritiker und Fans gleichermaßen: Warum? 

Denn wo der erste Teil der musikalischen Safari-Reise noch dank seines neuen Ansatzes glänzen konnte und der zweite Teil in einigen Punkten ebenfalls noch als „brauchbar“ durch ging, nervt diese Scheibe einfach nur und sollte daher lieber in den Händlerregalen bleiben. Von den insgesamt 14 Tracks können gerade einmal 3 einigermaßen gefallen. Der Rest gehört einfach mit ganz viel südafrikanischem Wein ertränkt. Wenn man jetzt auch noch bedenkt, dass die Herren und Damen bereite kurz nach Sendeschluss der dritten Staffel sich ins heimische Tonstudio verdrücken werden, um die – wie in jedem Jahr – Weihnachts-CD zu „Sing meinen Song: Das Tauschkonzert“ aufzunehmen, möchte man Herrn Naidoo und das zuständige Label einfach nur noch packen, schütteln und zurufen: „Gott bewahre!!!“. Ein Samy Deluxe, der weihnachtliche Songs rappt? Eine Nena, die ewig Gestrige, die glühweinschwer Evergreens vor sich hin lallt oder eine Annett Louisan, die mit ihrer „engelsgleichen“ Stimme weihnachtliche Verbalerotik vollführt? Bitte nicht! 

Wem also soll man dieses „Kunstwerk“ empfehlen? Vielleicht allen, die Beatrix von Storch, ehemals AfD-Ikone gerne mal zeigen wollen, wie toll ihre Mitbürger sind? Oder Kindern, die sich in der Schule nicht genug anstrengen und lieber cool sein wollen, um ihnen zu zeigen, was dabei raus kommt, wenn man keinen ordentlichen Abschluss schafft oder im Alter immer noch durch die Walachei zieht und krähend seinem scheindementen Fanvolk auf den Nerv fällt, anstatt endlich sich aufs Altenteil zurück zu ziehen? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Für mich ist dieses Album leider einer der Reinfälle des Jahres 2016. Allerdings war es mir persönlich von vornherein klar, dass Vox sich mit dem Künstler Line-up keinen Gefallen getan hat. 

Tracklist

  1. Nur Geträumt - Annett Louisan (Nena)
  2. Wunder Geschehen Xavier Naidoo (Nena)
  3. Mon Dernier Jour (What If) - Nena (Seven)
  4. City Of Gold - Annett Louisan (Seven)
  5. Sex On Legs - Seven (The BossHoss)
  6. Don't Gimme That - Nena (The BossHoss)
  7. Superheld - The BossHoss (Samy Deluxe)
  8. Bis Die Sonne Rauskommt - Wolfgang Niedecken (Samy Deluxe)
  9. 2Songs Sind Träume - Xavier Naidoo (Wolfgang Niedecken)
  10. Kristallnacht - Samy Deluxe (Wolfgang Niedecken)
  11. Das Spiel - The BossHoss (Annett Louisan)
  12. Stell Dir Vor Dass Unten Oben Ist - Samy Deluxe (Annett Louisan)
  13. Das Hat Die Welt Noch Nicht Gesehen - Seven (Söhne Mannheims)
  14. Was Wir Alleine Nicht Schaffen - Wolfgang Niedecken (Xavier Naidoo)

Die inn-joy Redaktion vergibt 2 von 10 Punkten. 

L. Zimmermann

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