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inn-joy live @ Tina - Das Tina Turner Musical im Operettenhaus Hamburg

TinaBild1Über Prominente und Personen der Geschichte wurde schon so manches Musical geschrieben, komponiert und aufgeführt. In dieser großen Riege befinden sich Falco, der österreichische Star der 1980er Jahre, Elisabeth von Österreich („Sisi“), Anastasia Romanov, die angebliche Tochter des letzten russischen Zaren, Ludwig II. von Bayern und andere mehr. Ihnen allen wurde ein musikalisches Denkmal gesetzt. Neu hinzugekommen ist DIE „Queen of Rock“, Tina Turner. Auszüge aus ihrem mittlerweile 80jährigen Leben (was man der Künstlerin absolut nicht ansieht) kommen allabendlich auf die Bühne des Hamburger Operettenhauses in „Tina – Das Tina Turner Musical“. Seit der Premiere sind nahezu alle Vorstellungen ausverkauft und die unzähligen Fans der US-amerikanischen Sängerin sind absolut begeistert. Wie das bewegte Leben „der Turner“ auf die Bühne gebracht wurde, davon durften auch wir uns nun ein Bild machen. Hier unser Bericht aus dem wunderschönen Hamburg.

Eigentlich mehr als ein Leben

Im November 2019 kann Tina Turner in ihrem „Alterssitz“ in der Schweiz, wo sie seit vielen Jahren mit ihrem Ehemann lebt, auf 80 Jahre zurückblicken. Dabei wird sie auf ein Leben schauen, dass mehr Höhen und Tiefen zu bieten hatte, als eigentlich in ein Menschenleben passt. Mit über 190 Millionen verkaufter Schallplatten und CDs, ist die gebürtige US-Amerikanerin eine der erfolgreichsten Stars überhaupt. Doch dass es einmal soweit kommen würde, hätte die 1939 als Anna Mae Bullock geborene Tina Turner wohl in ihren kühnsten Träumen nicht gedacht. Denn die Künstlerin, die uns unzählige Ohrwürmer schenkte, hat ganz klein angefangen. Als Mitglied im Kirchenchor ihrer Baptistengemeinde in Nutbush, Tennesee, sammelte sie erste Erfahrungen. Doch diese Zeit war bereits von emotionalen Herausforderungen geprägt. Das Verhältnis zu ihren Eltern kann man mit Fug und Recht als „problematisch“ beschreiben. Hinzu kam die Trennung der Eltern, wodurch sie zunächst bei der Großmutter, später bei ihrer Mutter aufwuchs. Früh lernte Bullock ihren ersten Partner kennen, von dem sie auch schwanger wurde. Dieser Sohn starb im vergangenen Jahr.

Kurze Zeit nach ihrer Schwangerschaft lernte sie dann Ike Turner kennen. Dieser machte sie dann zur Künstlerin „Tina Turner“. Doch die Beziehung war geprägt von jahrelangen Demütigungen, exzessiver Gewalt und Streitereien bis Tina es 1976 endlich schaffte, Ike zu verlassen und die Scheidung einzureichen. Von da an konnte sie - befreit von den Fesseln, die Ike ihr angelegt hatte - endlich durchstarten. Die musikalische Reise mit vielen Glanzlichtern einer beispiellosen Karriere begann.

Aus dem Leben auf die Bühne des Hamburger Operettenhauses

Fasziniert von ihrem bewegten Leben, ihrer trotz vieler Rückschläge gigantischen Karriere und begeistert von den vielen Hits, brachte im Jahr 2018 Katori Hall „Tina – The Tina Turner Musical“ im Londoner Aldwych Theatre auf die Bühne. Seit März diesen Jahres läuft die deutsche Version im Hamburger Operettenhaus mitten auf der legendären und nicht minder geschichtsträchtigen Reeperbahn.

Die Story des Musicals befasst sich mit wichtigen Stationen im Leben der Tina Turner, von ihren frühen Tagen im Chor als Anna Mae Bullock, über das erste Treffen mit Ike Turner bis hin zu ihrer Zeit als weltweit gefeierte Solistin.

TinaBild2Im Gegensatz zu vielen anderen Produktionen der Stage Entertainment, nimmt sich die neue Produktion im Operettenhaus in Sachen Bühnenbild recht bescheiden aus. Denn hier steht nicht die Opulenz des Bühnenbilds im Vordergrund, sondern viel mehr die Hauptdarstellerin, Nyassa Alberta, die als Zweit besetzung absolut nicht wie ein Ersatz wirkte und die mit ihrer grandiosen Stimme und ihrer Begeisterung an der Darstellung „der Turner“ das Publikum von ihrer ersten Szene bis zum Finale begeistern kann. Natürlich wurde die Handlung auf einige wichtige Szenen und Wendepunkte zusammengeschrieben. Da das Musical von Tina Turner autorisiert wurde, lässt sich zwar eine gewisse „Färbung“ nicht vermeiden. Dennoch gibt es – wie zuletzt beim prämierten Film „Bohemian Rhapsody – keine überbordend glatt gebügelte Geschichte, sondern viel mehr eine Zusammenfassung mit durchaus drastischen Szenen. Szenen, in denen es zu Streitigkeiten und Gewalt zwischen Ike und Tina kommt werden ebenso dargestellt, wie Szenen, in denen Ike Turner sich seinem Drogenkonsum hingibt. Auch das Thema Rassismus spielt hier natürlich eine Rolle. Und dennoch verzichten Regisseurin Phyllida Lloyd und Choreograf Anthony van Laast auf zu explizite Darstellungen und kürzen einige Höhen und Tiefen im Leben von Tina Turner auf die Essenz. Allerdings muss man sagen, dass dennoch das Gefühl ganz klar übermittelt wird, warum Tina Turner es so lange mit ihrem Mann Ike aushielt. Die Abhängigkeit von Ike, der dennoch überzeugend durch seinen Charme und sein Charisma war und die tiefen Abgründe seiner menschlichen Seele – all das bringt Mandela Wee Wee als Ike Turner absolut glaubwürdig auf die Bühne des Operettenhauses. Aber auch die Nebenrollen sind allesamt sehr gut besetzt und stimmlich überzeugend. Ebenfalls überzeugen konnten die ins Deutsche übertragenen Texte von Tina Turner, die zwar im ersten Moment ein wenig befremdlich klingen, den Sinn in denTiteln aber gut vermitteln könnten und die Atmosphäre verdichteten.

Auch abseits des Gesangs ist ihre Darbietung nahezu perfekt. Die Perücke, die Mode, die Gesten und Mimik – alles wirkt wie bei der „echten“ Tina Turner. Etwas schade ist, dass das deutsche Publikum - wie bei den meisten Musicals - leider erst zum großen Finale aus sich raus kommen konnte und eher steif auf den Plätzen saß, was bei einigen Songs befremdlich wirkte. 

Fazit: Die „Bühnenadaption“ des Lebens der „Living Legend“ Tina Turner weiß absolut zu überzeugen. Auch wenn die wichtigsten Stationen im Leben der Künstlerin zeitlich extrem verdichtet sind, hier und da das Ganze ein wenig gehetzt wirkt und man manchmal aufpassen muss, wo man sich denn nun zeitlich befindet, glänzt das Musical durch eine unglaubliche Darstellung, die nahezu perfekt Tina Turner in all ihren Höhen und Tiefen gibt. Aber auch die anderen Charaktere wurden perfekt getroffen und stellen ihre „Figuren“ facettenreich dar. Das Bühnenbild hält sich dezent im Hintergrund um „rahmt“ die Handlung wunderbar. Lediglich die Tatsache, dass einige Stücke ins Deutsche übersetzt wurden, mag den einen oder anderen Fan ein wenig irritieren. Dennoch sollte sich niemand, der sich auch nur ansatzweise für das Leben und die Musik der Tina Turner interessiert (und im Falle der Musik begeistern kann) dieses Musical entgehen lassen.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich beim Team von Stage Entertainment für die freundliche Unterstützung.

M. Heiland

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