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Kaffee aus der Flasche - Vorstellung und Test der Kaffeerösterei "Cofi Loco"

red mexican cafe cremeIn Zeiten, in denen jeder von Nachhaltigkeit redet, setzen immer mehr Unternehmen die Theorie in die Praxis um und tragen ihren Teil zum Umweltschutz bei. Im Bereich der Kaffeeverpackungen hingegen hat sich in den vergangenen Jahren nur bei einer Handvoll Kaffeeröstereien etwas getan. Zwar wird immer mehr Wert auf Direct Trade, Fairtrade und ähnlich wichtige Aspekte gelegt, was wir bei inn-joy in unserer Rubrik „Kaffeewelten“ auch absolut begrüßen, doch bei den Verpackungen hört es dann oftmals auf. Diese sind nämlich bei vielen Röstereien noch aus Aluminium bzw. besitzen Teile von Aluminium und sind somit nicht gerade besonders gut zur Wiederaufbereitung geeignet.
 
Einen neuartigen, ja beinahe schon revolutionären Ansatz verfolgt man bei der Kaffeerösterei „Cofi Loco“. Denn hier dienen als Verpackung nicht die klassischen Standbodenbeutel. Vielmehr hat das Team um Inhaber Uwe Prommer sich bei den Milchbauern die Grundidee der wiederverwendbaren Glasflasche abgeschaut. Doch wie soll man die Glasflasche so umfunktionieren, dass sie das typische „Frischesiegel“ besitzt, damit der Kaffee nach dem Rösten auch ausgasen kann? 
Dieser Frage ging man bei „Cofi Loco“ sehr lange nach, forschte und experimentierte und kam schlussendlich zu der Erkenntnis, die Bohnen direkt nach der Röstung in die Flasche zu geben, damit sie dort in aller Ruhe reifen können. Hierzu haben sie sich einen exklusiven Aromaverschluss patentieren lassen, der ein weltweites Novum ist. Eine tolle Idee, bei der man sich fragt, warum sie nicht eher entwickelt worden ist! Ein wenig gewundert haben wir uns jedoch über die Aussage auf der Homepage, man sollte den angebrochenen Kaffee im Kühlschrank aufbewahren, wo – unserer Meinung nach – Kaffee nichts zu suchen hat. Denn hier gibt es immer ein wenig Feuchtigkeit (ganz abgesehen von den anderen Aromen, die Dressings, Saucen, Käse, Wurst etc. abgeben und zu Fremdaromen („Gerüchen“) werden können.
 
Kaffeesortenauswahl im Überblick
Doch schauen wir uns die für unseren Test zur Verfügung gestellten Flaschen-Kaffees einmal genauer an: Der große Vorteil gegenüber gängigen Verpackungen liegt natürlich ganz klar auf der Hand: Als Verbraucher bzw. potentieller Kunde kann ich bereits vor dem Kauf die Qualität der Bohnen und des Röstvorgangs sehen und mich entweder für oder gegen einen Kauf entscheiden. So erkennt man gleich auf den ersten Blick, ob die Röstung gleichmäßig ist, ob der Kaffee dunkler oder heller geröstet wurde, ob oder wie viele Defekte in etwa vorliegen, ob grüne Bohnen vorhanden sind und anderes mehr, was enorm viel über die Qualität der einzelnen Bohnen und somit auch des gesamten Produkts preisgibt. Selbiges gilt auch in Bezug auf die Bohnen, an denen der Kenner sieht, welche Art vorliegt. 
 
Schauen wir uns – ebenfalls aus Kundensicht – an, was auf dem Flaschenetikett an Information zu finden ist, um (im Sinne der Third Wave Coffee-Bewegung) den Weg des Kaffees „from seed to cup“ (also vom Strauch bis in die Tasse) zurückverfolgen zu können, so sehen wir Angaben zum Herkunftsland, zur Region, zum Produzenten, zur Anbauhöhe, zu den vorliegenden Varietäten und zur Aufbereitung des Rohkaffees und zum Tassenprofil. Somit sind also nahezu alle wichtigen Punkte auf dem Etikett abgedruckt. Sehr lobenswert! Darüber hinaus befindet sich auf dem Label ein QR-Code, der uns unmittelbar nach dem Scanvorgang auf die Homepage von „Cofi Loco“ weiterleitet sowie die Kontaktdaten zur Rösterei. Außerdem erblickt man die beiden Bio-Zertifikate und das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Ein wenig „Schmuck“ verdient sich die Sorte durch die Goldmedaille der Deutschen Röstergilde 2021. Über Sinnhaftigkeit und bestehende Zweifel ob dieser Auszeichnung haben wir euch bereits in früheren Tests unsere Meinung kundgetan. Die einzige Angabe, die noch fehlt, ist das Röstdatum. Natürlich kann man mit der ungefähren Formel von „minus zwei Jahre vom MHD“ rechnen. Dennoch wäre es schön, hier auch die genaue Auskunft vorzufinden. Interessant ist der kleine Hinweis auf dem Label, dass eine Zertifizierung nach GEPA plus vorliegt. Hierbei handelt es sich jedoch um kein Label, sondern der Name eines der größten europäischen Fair-Handelsunternehmens, das seit über 40 Jahren Produkte und Rohstoffe von auf dem Weltmarkt benachteiligten Produzenten vor allem der südlichen Länder zu fairen Bedingungen importiert und in Deutschland vermarktet. Gegründet wurde GEPA in Wuppertal. Ausgezeichnet werden die Wertlegung auf eine bessere Vergütung, ein hoher fairer Anteil am Produkt, recyclingfähige und am besten aluminiumfreie Verpackungen und eine Rückverfolgbarkeit der gesamten Lieferkette. Auch hier können wir einen Daumen nach oben geben! Zur Qualität des Kaffees lässt sich sagen, dass das Bohnenbild / Röstbild der getesteten Sorten sehr homogen ist. Defekte sind nur wenige zu finden.
 
Zubereitung
Für unseren Test haben wir den Kaffee mit unserer Baratza Sette 270Wi für den Hario V60 Handfilter bzw. die Chemex und den Siebträger gemahlen.
 
Die Test-Sorten: Beschreibung und Geschmackstest
Für den Geschmackstest hat uns Uwe Prommer die zwei Sorten „Peru Peru“ als Espresso und  „Red Mexico“ als Cafe Creme zur Verfügung gestellt.
 
Der „Peru Peru“-Espresso
Die Bohnen für diesen Espresso stammen aus Peru, genauer gesagt, aus der Region Piura, Cajamarca. Dort werden sie von der Coorperativa Norandino in einer Höhe von 1,200 - 2,100 m in den Varietäten  Caturra, Typica, Bourbon und Pache angebaut und gewaschen aufbereitet. 
Peru liegt im weltweiten Ranking der Kaffeeproduzenten derzeit (Stand Juni 2021) auf Platz 9. Gerade in Sachen Ausbildung und Infrastruktur hat das Land in den vergangenen Jahren deutlich aufgeholt. Gerade im Norden Perus wurden die Anbaugebiete ausgeweitet. Peru ist für seine krautigen und erdigen Kaffees bekannt. Cajamarca, im Norden des Landes, zeichnet sich dadurch aus, dass der neue Arabica überwiegend biologisch angebaut wird. Peruanische Kaffees werden meist als Mix angebaut und verkauft. Die Sortierung könnte den Wert jeder einzelnen erhöhen, wie auch beim vorliegenden Espresso. Rund 90 Prozent des Kaffees produzieren etwa 12000 kleine Farmen, die zum größten Teil etwa zwei Hektar Anbaufläche bewirtschaften. 
 
Unser Eindruck: Der Espresso zeichnet sich durch seinen leicht süßlichen Charakter mit sanften Anklängen von braunem Kandis aus. Mit eleganten Noten von Ahornsirup und Toffee bietet er einen guten, nicht zu kräftigen Gesamteindruck.  
 
Der „Red Mexican“ Cafe Creme
Der Mexikaner stammt aus einer der Kaffeeregionen schlechthin, der Provinz Chiapas. Angebaut wird er von Kleinbauern der Coorperativa Tzeltal-Tzolzil in einer Höhe von 900 - 1550m in den Varietäten Garnica roja, Marsellesa, Pluma Hidalgo und Pacamara. Der Rohkaffee wird ebenfalls gewaschen aufbereitet. 
Kaffees aus Chiapas besitzen Steinfrucht- und Kakaonoten. Der tropische Dschungel im Südosten, an der Grenze zu Guatemala, ist größte und beliebteste Kaffeeanbaugebiet Mexikos. Etwa 70% des Kaffees, der in Mexiko angebaut und geerntet wird, wächst in einer Höhe von 400 – 900m. Bei dieser Höhe denkt man meist an Robusta. Doch dank der klimatischen Gegebenheiten, kann sich auch Arabica wunderbar entfalten. Die meisten Kaffeebauern Mexikos besitzen Farmen von weniger als 25ha. Parallel zu diesen eher bescheidenen Farmen, die zudem oftmals nur über kleinere Erträge, begrenzte finanzielle Ressourcen und eine schwächere Infrastruktur verfügen, gibt es im Land diverse Kooperativen, die ihren Kaffee in Höhenlagen von bis zu 1700m kultivieren. 
 
Unser Eindruck: Der Cafe Creme kommt mit Anklängen von Kräutern, Vanille, Karamell, Nüssen und Schokolade daher. Sie besitzt einen leicht saftigen Nachgeschmack von Steinobst-Sorten und ist insgesamt eher mild. Ein toller Kaffee zum sonntäglichen Kuchen oder für Zwischendurch.
 
Fazit: Die uns zur Verfügung gestellten Kaffee und Espresso-Sorten überzeugen mit einem fein differenzierten Geschmack. Die Idee des „Kaffees in der Flasche“ ist absolut toll. Die Angaben über den Ursprung des Kaffees sind umfangreich und geben die wichtigen Informationen preis, was jedoch heutzutage für eine Spezialitätenrösterei selbstverständlich sein sollte. Was noch ganz schön wäre, wären ein paar Fotos vor Ort, sodass man sich selbst einen Eindruck verschaffen kann sowie genaue Angaben, was den Kaffeebauern gezahlt wird und mit den Geldern geschieht. So bleibt es im Ungewissen. Auch wäre es gut zu wissen, wie auf den Plantagen im Hinblick von Aufzucht und Pflege der Kaffeesträucher gearbeitet wird. Werden hier ausschließlich organische Düngemittel genutzt? Wachsen die Sträucher unter Schatten? Gibt es Mischpflanzungen? Denn dazu machen die Siegel und Auszeichnungen natürlich keinerlei Angaben. Zwar werden höhere Standards durch die GEPA plus gesetzt. Allerdings ist dies so wenig greifbar. 
 
Die inn-joy Redaktion vergibt 8 von 10 Punkten.
 
8Zusammensetzung der Gesamtbewertung:
Qualität: 8 von 10 Punkten
Fairness und Nachhaltigkeit: 8 von 10 Punkten
Geschmack: 8 von 10 Punkten
Transparenz: 8 von 10 Punkten
 
Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Herrn Uwe Prommer von „Cofi Loco“ für die zur Verfügung gestellten Testexemplare.
 
D. Stappen
 

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