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Vorstellung und ausgewählte Sorten im Test: Hoppenworth & Ploch

HoppenworthBild1Frankfurt. Stadt der Banken, Stadt mit weltbekannter Geschichte und Stadt der kulinarischen Finessen. Kaum eine Metropole Deutschlands vereint Tradition und Moderne so spannend, wie die Metropole am Main. Klar, dass Frankfurt auch eine Kaffeeszene besitzt, die bei vielen Einheimischen und Touristen geschätzt wird. Führend hierbei ist „Hoppenworth & Ploch“, eine Kaffeerösterei, die seit über 10 Jahren äußerst erfolgreich Spezialitätenkaffee röstet und vertreibt. Wir können nun erstmals Filterkaffee und Espresso von „Hoppenworth & Ploch“ in unseren „Kaffeewelten“ vorstellen. Wie uns die Sorten gefallen haben, lest ihr im Folgenden.
 
Third Wave Coffee – von der Pflanze bis zur Tasse
Woran denken wohl die meisten Menschen, wenn sie den Begriff „Kaffee“ hören? Vermutlich an Tchibo, Jacobs oder Eduscho (zumindest die älteren Semester). Dieser Kaffee wird seit Jahrzehnten von einem Groß an Kaffeetrinkern konsumiert. Dass dabei die Qualität nicht sonderlich hoch ist, die Kaffeebauern in den meisten Fällen nicht fair bezahlt werden und der bei den Global Playern angebotene Kaffee nicht unbedingt der Gesundheit zuträglich ist, wissen wohl die Wenigsten. Daher haben wir bei inn-joy es uns Ende 2017 zur Aufgabe gemacht, Kaffeeröstereien vorzustellen, die eben nicht diesen Weg gehen, sondern sich um Fairness, Transparenz, Nachhaltigkeit und Qualität bemühen. Diese Schlagwörter werden unter dem Begriff „Third Wave Coffee“ zusammengefasst. Unsere treuen Leserinnen und Leser haben diesen Begriff schon häufig gelesen. Dennoch wollen wir ihn an dieser Stelle kurz noch einmal erläutern.
Die Amerikanerin Trish Rothgeb, Mitbegründerin der „Wrecking Ball Coffee Roasters“ hat als eine der ersten Röster-Meister die Entwicklung des Kaffeekonsums in drei Wellen eingeteilt.
 
Ab den 1940er Jahren bis in die 1960er setzt sie die erste Welle. Vom Luxusgut wird der Kaffee allmählich ein Allgemeingut, dass in den meisten Haushalten zu finden ist. Es entsteht ein Massenmarkt mit geringerer Kaffeequalität. Das Bewusstsein, dass die Qualität wichtig ist, entsteht in den späten 1960er Jahren (zweite Welle) in den USA, setzt sich international allerdings kaum durch. Hierzulande sind die großen Konzerne unangefochten und kaum ein Kaffeekonsument fragt nach Ursprung, Verarbeitung und Alternativen. Nur wenige Konsumenten, die vielleicht in den USA waren, und den langsam aufkommenden Trend mitbekommen, versuchen, die Alternativen für den eigenen Hausgebrauch zu etablieren. Erst mit Beginn der 1980er Jahre setzt ein Umdenken ein. Beginnend mit Norwegen kommt der Trend in den 1990er Jahren in den USA an. Qualität, nachhaltiger Anbau, soziale Unterstützung der Kaffeebauern und anderes mehr werden nun immer wichtiger. International setzt sich der „Cup of Excellence“ in den folgenden Jahren als wichtigster Wettbewerb durch. Hier werden Spitzenkaffees unterschiedlicher Länder prämiert. Auch die Zubereitung von Kaffee in ganz unterschiedlichen Methoden wird ein spannender und wichtiger Aspekt der „Third Wave Bewegung“. Deutschland bleibt allerdings bis in die 2000er-Jahre hinein ein Entwicklungsland in Sachen „gutem“ Kaffee und auch heute noch ist das Interesse weit weniger stark vertreten als im Ausland.
 
Dieses Konzept der „Third Wave Bewegung“ versucht auch die Kaffeerösterei „Hoppenworth & Ploch“ zu verfolgen. Auf der Internetseite finden wir daher – wie auch auf den Verpackungen der einzelnen Sorten – Angaben zur Farm, zur Ernte, zu den vorliegenden Varietäten und zur Aufbereitung des Kaffees. Weitere Informationen erhält der interessierte Leser im Blog. Der Kaffee wird in der 250g-Packung verschickt und ist auf Wunsch auch im Abo erhältlich. Ein wenig schade ist, dass es nicht zu allen Fincas detaillierte Auskünfte gibt, zum Thema Direktimport, den gezahlten Preisen, zur Nachhaltigkeit etc. Diese Informationen bleibt uns die Kaffeerösterei schuldig.
 
Ausgewählte Sorten in der Vorstellung und im Geschmackstest
Kommen wir nun zu dem Teil, der wohl die meisten von euch besonders interessiert – dem „praktischen“ Teil.
Für unseren Test hat uns die Kaffeerösterei „Hoppenworth & Ploch“ einen bunten Querschnitt durch ihr Portfolio, bestehend aus je zwei Espressi und zwei Filterkaffees zur Verfügung gestellt. Dies sind die beiden hell gerösteten Espressi „Serao Brasilien“ und „Debo Äthiopien“ sowie die beiden Filterkaffees „Tropical Kolumbien“ und „Finca La Esperanza Guatemala“. Zwei Mal zeichnet Kilian Seger, Deutscher Röstmeister von 2018, für die Röstung verantwortlich.
 
Kaffeesortenauswahl im Überblick
Schauen wir uns jetzt einmal die Verpackungen an, bevor es „ans Eingemachte“ geht. Die Beutel bestehen aus einer Kunststoffverpackung mit wiederverschließbarem Zip-Verschluss. Jede Verpackung kommt mit einem Standboden daher, sodass die Verpackung bequem hingestellt werden kann, um den Kaffee portionsweise entnehmen zu können. Das Kunststoffventil (Vakuumventil) ist natürlich mit dabei.
Auf der Vorderseite der Verpackung finden wir den Namen der Rösterei und den Namen des Kaffees bzw. Espressos. Besonders auffällig ist eine farbig gehaltene Landkarte, die anzeigt, woher der Rohkaffee stammt. Das haben wir in dieser Form auch noch nicht gesehen. Eine nette Idee. Darüber hinaus gibt es Infos zur Erntezeit, ein stichwortartiges Tassenprofil, einen Hinweis zur vorliegenden Varietät und zur Aufbereitung sowie Angaben zum Röstprofil (heller oder dunkler Espresso) und das Mindesthaltbarkeitsdatum. Auf der Rückseite finden wir die Adresse des Unternehmens und die Grammangabe. Zur Qualität des Kaffees lässt sich sagen, dass das Bohnenbild / Röstbild der getesteten Sorten sehr homogen ist. Defekte sind nur wenige zu finden.
 
Zubereitung
Für unseren Test haben wir den Kaffee mit unserer Baratza Sette 270Wi gemahlen. Getestet haben wir den Kaffee im Hario V60 Handfilter, der Chemex, dem Siebträger und der Aero Press. 
 
HoppenworthBild2Der Filterkaffee „Finca La Esperanza“ aus Guatemala
Im Nordosten von Guatemala, in einer nicht-vulkanischen Hochebene des Departamentos Huehuetenango, der höchstgelegenen Anbaufläche Guatemalas mit wenig Regen und einer recht späten Erntezeit, liegt die Finca „La Esperanza“. Der sandige Lehmboden, die optimale Luftfeuchtigkeit und die Winde der Region sorgen für einen besonders komplexen Rohkaffee, der mehrfach beim Cup of Excellence prämiert wurde. Der gewaschen aufbereitete Rohkaffee liegt in den Varietäten Caturra, Bourbon und Pache vor. 
Unser Eindruck: Noten von süßem Pfirsich und Kakao ergeben zusammen mit dunkler Kirsche eine strukturierte Tasse und eine cremige Textur. Die anfänglichen Aromen reichen von Vanille und braunem Zucker bis zu Zartbitterschokolade und zimtigem Anklang. Bleibt der Kaffee einen Moment stehen, machen sich fruchtige Anklänge von Kirsche, Apfel und Steinfrucht bemerkbar. Der saubere Abgang weiß zu gefallen. Insgesamt ein toller Kaffee. 
 
Der Filterkaffee „Tropical“ aus Kolumbien
Bei diesem Filterkaffee stammt der Rohkaffee aus Kolumbien, genauer gesagt aus dem Westen des Landes. Der Kaffee wird anaerob aufbereitet und liegt in der Varietät Castillo vor. Leider gibt es keine exakten Angaben zur Finca, von der der Kaffee stammt. 
Unser Eindruck: In der Tasse ist der Kaffee wunderbar ausgewogen mit einer fruchtig-floralen und ausbalancierten, feinen Säure und Noten von Ananas und Apfel. Das fruchtige Mundgefühl bleibt lange erhalten. Auch dieser Kaffee kann geschmacklich rundum überzeugen.
 
Der Espresso „Serao“ aus Brasilien
Für mich ein Espresso, den man super mit Milch trinken kann. Natürlich geht es auch klassisch. Doch in Kombination mit frischer Milch entfaltet er erst sein volles Potential. Und das hat es in sich. Schon beim Öffnen der Verpackung erkennt man schnell, wohin die Reise geht. Eine rauchig-würzige Note dringt in die Nase, begleitet von kräftigen Aromen, die an Zartbitterschokolade erinnern. Der will nach vorne, der kann was! Schüchern und grazil ist nicht seins… Der würzig-aromatische Duft verstärkt sich während der Zubereitung und in der Tasse entfaltet sich das intensive Bouquet. Gemeinsam mit der Milch geht er eine perfekte Symbiose ein. Dann, beim ersten Schluck macht sich die „Melange“ aus Milch und Kaffee extrem charmant im Mundraum breit und bietet eine tolle „Cremigkeit“. Mit seinem vollen Körper und langem Abgang weiß der Espresso absolut zu gefallen. 
 
Der Espresso „Debo“ aus Äthiopien
Unser letzter Testkaffee stammt aus dem Mutterland aller Kaffees, aus Äthiopien. Dort werden die meisten Sorten in so genannten „Waldgärten“ angebaut und „natural“ aufbereitet. Der Rohkaffee liegt in der Varietät „Ethiopian heirloom“ vor. 
Debo liegt ca. 410 km nordwestlich von Addis Abeba am Rande eines Nilseitentales ca. 2.650m. In Debo leben knapp 2.000 Einwohner. Die Menschen in Debo leben ausschließlich von der Landwirtschaft. Erst seit rund 15 Jahren verfügt Debo über einen Stromanschluss. Der Kaffeeertrag ist quasi das „Lebensexlexier“ von Debo. 
Unser Eindruck: Bereits während des Mahlvorgangs verströmt der Kaffee ein wunderbares Bouquet mit tollen, süßlichen Aromen. Ein „typischer“ Äthiopier. Während des Aufbrühens verstärken sich die Aromen. Der Duft von Wildhonig und verschiedenen fruchtigen Noten ergänzen den gewonnenen tollen Ersteindruck. Im Mund macht sich der Kaffee angenehm breit, schmiegt sich dabei sanft an den Gaumen und zeigt die ganze Aromenvielfalt. Ein wenig abgekühlt kommt der Kaffee ein wenig krautig daher. Im Abgang ist er lang nachhallend, Röstaromen sind nur ganz minimal zu erkennen und drängen sich zu keiner Zeit in den Vordergrund. Insgesamt ein wirklich sehr fruchtiger Kaffee, der allerdings nicht zu stark ist. Die Jasminnoten halten sich dezent zurück, Blaubeere schwebt über den Grundtönen. 
 
Fazit: Die von uns getesteten Sorten konnten uns voll und ganz überzeugen. In Sachen Nachhaltigkeit und Fairness bietet man schon eine ganze Menge, könnte aber beispielsweise noch aufzeigen, was den Kaffeebauern vor Ort genau gezahlt wird, in welche (sozialen) Projekte Geld fließt etc. Die damit verbundene Transparenz ist ebenfalls ausbaufähig. 
 
Die inn-joy Redaktion vergibt 8 von 10 Punkten.
 
Zusammensetzung der Gesamtbewertung:
Qualität: 9 von 10 Punkten
8Fairness und Nachhaltigkeit: 7 von 10 Punkten
Geschmack: 8-9 von 10 Punkten
Transparenz: 7,5 von 10 Punkten
 
Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei „Hoppenworth & Ploch“ für die zur Verfügung gestellten Testmuster.
 
D. Stappen
 

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