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Vorstellung und ausgewählte Sorten im Test: Die Kaffeemacher (Schweiz)

DieKaffeemacherBild0Seit knapp zwei Jahren stellen wir euch in unserer Rubrik „Kaffeewelten“ Kaffeeröstereien in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor. Neben zahlreichen kleinen Röstereien haben wir auch einige Koryphäen auf ihrem Gebiet und deren ausgezeichnete Kaffees verkosten und euch präsentieren dürfen. Nun aber ist es uns gelungen, DIE Kaffeeexperten im deutschsprachigen Raum mit ins Boot zu holen. Die Rede ist von den „Kaffeemachern“. Wer sich auch nur ansatzweise mit Kaffee auskennt, der weiß, dass es sich hierbei nicht um irgendwelche Freaks handelt, die sich tagtäglich mit dem „schwarzen Gold“, wie der Kaffee auch gerne bezeichnet wird, beschäftigen, sondern absolute Experten in Sachen Kaffeeverkostung, Kaffeebewertung und Kaffeewissen. Darüber hinaus sind sie seit einigen Jahren auch an einer Kaffeeplantage beteiligt und häufig vor Ort. Außerdem kann man die Kaffeemacher bei Meisterschaften und Weltmeisterschaften als Teilnehmer antreffen. Daher ist es uns eine ganz besondere Ehre, an dieser Stelle „Die Kaffeemacher“ vorstellen zu dürfen und ihre von uns verkosteten Kaffees euch näher zu bringen.

Wer sind die Kaffeemacher?

Hinter dem Label „Die Kaffeemacher“ stecken einige äußerst interessante Persönlichkeiten der Kaffeeszene. Wer sich einigermaßen auskennt, dem sind alle Namen bekannt. Hier ein Überblick mit Infos einiger kreativer Köpfe der „Kaffeemacher“:

André Strittmatter

André Strittmatter ist Röstmeister und Barista-Trainer bei der Luzerner Kaffeerösterei Hochstrasser. André Strittmatter hat langjährige Erfahrung als Röster und Barista-Trainer. Bei den Schweizer SCA Baristameisterschaften und einigen internationalen Meisterschaften sowie bei Cup of Excellence fungierte er als Juror. 2016 wurde André Schweizer Brewers Cup Meister und 10. an der World Brewers Cup Meisterschaft.

Benjamin Hohlmann

Benjamin Hohlmann ist Gründer der Kaffeemacher GmbH. Er war bis Ende 2016 9 Jahre teilhabender Geschäftsführer und Wirt im Kaffeehaus unternehmen mitte. Mit der Kaffeemacher-Akademie, dem Spezialitäten-Café frühling im Kleinbasel und dem Kaffee-Mobil hat er in Basel Massstäbe in Sachen Kaffee gesetzt.

Er ist autorisierter SCA Trainer, Inhaber des SCA Coffee Diplomas, ist Arabica und Robusta Q-Grader, Cup of Excellence Juror, hat die Sensorik Lizenz Kaffee und den CAS der ZHAW Wädenswil erfolgreich abgeschlossen. Benjamin war Schweizer Brewers Cup Meister 2014, drei Mal auf dem Podium an Schweizer Cup Tasting Meisterschaften und ist deutscher Cup Tasting Meister 2016. An den Brewing Weltmeisterschaften 2014 in Rimini wurde Benjamin 12.

Felix Hohlmann

Felix Hohlmann Gesellschafter und Co-Gründer der Kaffeemacher GmbH. Der vierfache Vizebaristameister (CH und DE) ist Geschäftsführer des neuen Kaffeemacher Cafés im Bahnhof Basel und der Kaffeemacher Rösterei.

In den vergangenen Jahren nahm Felix erfolgreich an zahlreichen Kaffee-Wettkämpfen teil. 2016 wurde er Schweizer Aeropress Meister und Vize-Meister an der Schweizer Baristameisterchaft. Auch 2015 wurde er Vize-Meister in Barista und ebenfalls an der Aeropress. 2014 errang er die Medaille des Vizemeisters im Brewers Cup und wurde 4. im Cup Tasting.

Als Kaffee-Trainer coachte er 2016 Theresa Prüssen entscheidend auf ihrem Weg zum Sieg in Coffee in Good Spirits. Mit den Spring Roasters röstete er den Kaffee für den Vize-Coffee in Good Sprits Meister Fabio Salerno.

Michel Aeschbacher

Seit 2012 ist Michel aus der Schweizer-Kaffeeszene nicht mehr weg zu denken. Ob an Meisterschaften mit 4 Finalteilnahmen in Barista, an Messen und Events, als Kursleiter in jeglichen Kaffeebereichen oder als Besucher von Kaffeefarmen auf der ganzen Welt. Seine Begeisterung ist seit Jahren ungebrochen und wird ihn noch an viele weitere spannende Orte bringen.

Michel Aeschbacher hat vor vielen Jahren bei uns als Kursteilnehmer begonnen. Heute ist er selbst als Kursleiter eine feste Stütze und zentrale Person in unserem Kaffeemacher-Trainer-Team.

Philipp Schallberger

Bei den Kaffeemachern führt Philipp Schallberger die Teilnehmer in die Welt des Kaffee-Schmeckens ein. Er bietet Sensorikkurse und Verkostungen an. Im April 2017 gründete er zusammen mit Benjamin Hohlmann in the name of die Auftragsrösterei für Spezialiätenkaffee. Seit 2017 leitet er den Co-Roasting-Space Basel, eine öffentliche Rösterei, die von Privaten und Unternehmen gemietet werden kann.

Bei der Delica AG, der Kaffeerösterei der Migros, arbeitet er als Kaffeeexperte in der Forschung und Entwicklung, zuvor befasste er sich intensiv mit Nachhaltigkeits-Konzepten für Kaffee, als Selbständiger als auch bei der Syngenta Stiftung für nachhaltige Landwirtschaft.

Philipp ist lizenzierter Arabica Q-Grader, World Coffee Events zertifizierter Sensorikjuror (2014-18) und zweifacher Barista-Schweizermeister (2009/12). Zusammen mit Gloria Pedroza co-leitet er das Jurorenkomitee der Schweizer SCA.

Weitere Köpfe hinter den „Kaffeemachern“ findet ihr auf der Homepage.

Über sich selbst sagen die „Kaffeemacher“:

„Wir sind Röster, Baristi und Kaffee-Sensoriker und haben Erfahrungen in allen Bereichen des Kaffees gesammelt – vom Kaffeeanbau, der Industrie sowie Cafés und Röstereien. Bei den Kaffeemachern bringen wir all das zusammen. Unser Ziel ist den Kaffee besser zu machen, qualitativ im Geschmack und unter guten Bedingungen für alle entlang der Kaffeekette. Dafür setzen wir uns als Social Business ein.

Wir betreiben eine Akademie und Kaffeeschule in Münchenstein, die als Netzwerk- und Weiterbildungsplattform auf dem deutschsprachigen Markt tätig ist. Als Kursleiter und Kaffeemacher sind wir vielfache Schweizer Kaffeemeister und waren auch an internationalen Kaffeemeisterschaften erfolgreich.

Unser Café frühling ist ein Beispiel für hochstehende Kaffee-Gastronomie, setzt auf Bio-Produkte und Regionalität.

In unserer Rösterei in Münchenstein rösten wir Kaffee von acht Partnern in acht Ländern, mit denen wir auf Dauer zusammen arbeiten. Wir wachsen und entwickeln uns zusammen mit unserer Partnerfarmen. Durch Verlässlichkeit und Austausch profitieren wir Wechselseitig.

Wir investieren unsere Gewinne in die Finca Santa Rita, eine Kaffeefarm in Nicaragua. Der Produzent Roberte Castellanos hat uns gebeten, die Farm mit ihm zusammen zu entwickeln. Wir haben uns vor Ort finanziell beteiligt und übernehmen die komplette Vorfinanzierung der Ernte.“

Transparenz, Nachhaltigkeit und Fairness – die Fakten

In Punkto Transparenz sind „Die Kaffeemacher“ ganz vorne mit dabei. So ist nicht nur die Kette „from seed to cup“ nachvollziehbar, da der Endverbraucher genau nachvollziehen kann, woher der Rohkaffee stammt, auch die Einkaufspreise des Rohkaffees werden offengelegt. Doch „Die Kaffeemacher“ gehen noch weiter: Mittlerweile haben sie sich „The Pledge“, der Selbstverpflichtung für Kaffeeröster und Importeure angeschlossen. Die Mitglieder verpflichten sich, ausführliche Informationen über die eingekauften Kaffees zur Verfügung zu stellen. Dies dient dazu, ein größtmögliches Maß an Transparenz zu schaffen und zu zeigen, was schlussendlich bei den Farmern ankommen wird.

Und sonst?

Wie ihr seht, ist das Angebot der „Kaffeemacher“ äußerst umfangreich und vielfältig. Wer also nicht nur Kaffee trinken und Kaffee kaufen möchte, sondern sich grundlegend, professionell oder auch als „Heimbarista“ mit der großen Welt des Kaffees beschäftigen will, der ist bei den „Kaffeemachern“ genau richtig. Auch hier bietet die Homepage zahlreiche Informationen und Angebote.

DieKaffeemacherBild1Die Test-Filterkaffees und Espressi im Überblick

Für unseren Test hat uns Benjamin Hohlmann einen bunten Querschnitt aus dem Portfolio des Unternehmens zur Verfügung gestellt. Dies sind der BIO-Espresso „Flaneur“, ein Blend aus Brasilien und Peru, der Filterkaffee „Bulga“ aus Äthiopien, der Filterkaffee „Ichamama“ aus Kenia, der Espresso „Dreispitz“, ein Blend mit Bohnen aus Nicaragua, Indien und Brasilien sowie ein entkoffeinierter Espresso aus Brasilien. Insgesamt kann man sagen, dass die im Shop erhältlichen Sorten abwechslungsreich sind und einige interessante Highlights beinhalten.

Die Verpackungen sind wunderbar detailliert handgezeichnet mit Impressionen aus den Anbauländern, der Kaffeemacher und Stationen aus ihrem beruflichen Alltag. Alle Verpackungen haben einen Standboden, sodass ihr die Beutel hinstellen und den Kaffee bequem entnehmen könnt. Auch an einen Zip-Verschluss wurde gedacht, um den Kaffee portionsweise entnehmen zu können. Das obligatorische Vakuumventil darf natürlich nicht fehlen.

Auf der Vorderseite der Verpackungen finden wir den Namen des Kaffees, eine Einordnung in mild oder stark, eine Info zum Ursprungsland und eine Angabe, ob es sich um einen Espresso oder Filterkaffee handelt. An der Seite gibt es die Kontaktdaten, eine Mengenangabe, die Hinweise zu den sozialen Netzwerken, auf denen ihr die „Kaffeemacher“ findet und einen „Verzehrhinweis“. Auch Röstdatum und MHD sind zu finden. Angaben zur Aufbereitung des Kaffees, den vorliegenden Varietäten, der Anbauhöhe und der Farm sind nicht auf den Verpackungen, dafür aber recht ausführlich auf der Homepage an entsprechender Stelle zu finden.

Die Zubereitung

Gemahlen haben wir den Espresso – wie immer – mit unserer Baratza Sette 270Wi. Zubereitet haben wir die Sorten im Hario V60-Handfilter, der Chemex, der Aeropress und im Siebträger.

Beschreibung und Geschmackstest der einzelnen Sorten

Die Beschreibung der einzelnen Sorten haben wir der Homepage entnommen. Die Geschmackseindrücke stammen von uns.

Der Filterkaffee „Ichamama AA“

Der erste „Testkandidat“ ist ein Filterkaffee aus Nyeri in Kenia. Er stammt von der Kooperative „Ichamama“, liegt in den Varietäten SL28 und SL34 vor und wurde „pulped natural“ aufbereitet.          

Unser Geschmackseindruck: Vom Geschmack her offenbart der Filterkaffee ein buntes Potpourri unterschiedlicher Facetten. Er erinnert irgendwie an Rotbusch- oder Früchtetee. Vielleicht nicht für den typisch deutschen Kaffeegeschmack, aber für Kenner und Liebhaber ein absoluter Top-Kaffee, den ich mir auch im Sommer als Cold Brew oder Cold Drip vorstellen kann.

Der BIO-Espresso „Flaneur“

Der BIO-Espresso, mit dem schönen Namen „Flaneur“, wird von den „Kaffeemachern“ als „Speciality Coffee for Beginners“ bezeichnet. Dies sagt schon eine Menge über das Produkt und das Selbstverständnis aus. Der Rohkaffee stammt aus Brasilien und Äthiopien bzw. – je nach Saison – aus Peru. Die Bohnen kommen von der Fazenda Saquarema und der Co-Op Limmu Kota. Der Kaffee liegt in den Varietäten Mondo Novo, Catuaí sowie Local Landraces vor und wird natural bzw. gewaschen aufbereitet.

Unser Geschmackseindruck: Ein toller Espresso mit einer schönen Textur, recht intensiven blumigen Obertönen, einer leicht erdigen Basis sowie intensivem Schokoladengeschmack. Die leichte Würze unterstützt den spannenden Espresso. Die Crema ist schön ausgebaut und als Cappuccino oder Latte Macchiato kann man ihn ebenfalls gut trinken.

Der entkoffeinierte Espresso

Über entkoffeinierten Kaffee bzw. Espresso kann man natürlich geteilter Meinung sein. Über die Qualität hingegen gibt es keine Diskussionen. Warum? Weil der Espresso einfach genial ist. Nicht nur geschmacklich, sondern auch in Punkto Bohnen und Verarbeitung. Der aus Brasilien stammende Kaffee stammt von der renommierten Fazenda „Primavera“ in Chapada de Minas, die im vergangenen Jahr den Sieger des „Cup of Excellence“ hervorbrachte. Aufbereitet wird er natural, entkoffeiniert wird der in der Varietät Yello Catuai vorliegende Kaffee nur (!) mit chemiefreiem „Swiss Water“.

Unser Eindruck: Das ist mal ein sehr interessanter Espresso. Der Haselnussgeschmack erinnert an gebrannte Mandeln auf dem Jahrmarkt, die dunkle Schokolade schmiegt sich als Grundton wunderbar an den Gaumen und eine leichte Säure prickelt an der Zunge. Entkoffeiniert ist langweilig? Von wegen! Davon muss man sich einfach überzeugen…

Der Espresso „Dreispitz“

Dieser von uns getestete Espresso ist ein Blend mit Ursprung zu jeweils einem Drittel aus Nicaragua, Brasilien und Indien. Produzenten sind die Finca Las Nubes, die Kooperative APAS sowie Faith Estate. Als Varietäten kommen Caturra, Catuaí, Mondo Novo und Robusta vor. Aufbereitet sind die Bohnen pulped natural bzw. gewaschen.

Unser Eindruck: Der geht nach vorne; der kann was! Das waren die ersten Assoziationen bei diesem Espresso. Bereits beim Öffnen der Verpackung wird man mit intensiven Aromen verwöhnt. Bei der Zubereitung im Siebträger verstärkt sich das Aroma. Der vollmundige Espresso mit seinem cremigen Körper, einer tollen Crema und starken, an Zartbitterschokolade erinnernden Grundtöne, überzeugt komplett. Nach hinten raus beweist er eine gewisse Rauheit. Die Röstaromen kommen gut zum Tragen. In Summe bleibt er lange im Mund nachhallend.

Der Filterkaffee „Bulga“

Unser letzter „Testkandidat“ stammt aus Sidamo bzw. der Nansebo Wet Mill / Bulga Washing Station in Äthiopien, der Wiege des Kaffees. Der Kaffee wird natural aufbereitet und liegt in ursprünglichen, lokalen Varietäten vor.

Unser Geschmackseindruck: Kaffees aus Äthiopien stehen für komplexe, blumige, elegante und süße Kaffees von allerhöchster Qualität. Daher wundert es auch nicht, dass der Kaffee diese Ansprüche mehr als voll und ganz erfüllen kann. Er ist ein Traum aus Frucht und Süße. – „Fruitpunch“. Diese Vokabel fiel mir beim Verkosten des Kaffees ein. Wer exotische Früchte mag, wird diesen Kaffee lieben. Dank des angenehmen Körpers kann der Kaffee auch an einem schönen Sonntagnachmittag auf der heimischen Terrasse genossen werden ohne sich allzu sehr breit zu machen. Einfach topp!

Fazit: Einfach toll, was das junge Team von „Die Kaffeemacher“ auf die Beine gestellt hat. Ihre YouTube-Videos sind sowohl für Einsteiger in die Welt des Kaffees und Espressos gemacht, ihre Angebote vielfältig. In Sachen Nachhaltigkeit, Transparenz, Fairness und Qualität – ganz im Sinne der Third Wave Coffee-Bewegung – macht ihnen niemand etwas vor. Geschmacklich bestechen die uns zur Verfügung gestellten Sorten durch Vielfalt, Komplexität, interessante Nuancen und jede Menge Liebe zum Produkt.

Die inn-joy Redaktion vergibt 10 von 10 Punkten.

Zusammensetzung der Gesamtbewertung:

Qualität: 10 von 10 Punkten

10Fairness und Nachhaltigkeit: 10 von 10 Punkten

Geschmack: 9 von 10 Punkten

Transparenz: 10 von 10 Punkten

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Benjamin Hohlmann von „Die Kaffeemacher“ für die zur Verfügung gestellten Testexemplare.

D. Stappen

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