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Vorstellung und ausgewählte Sorten im Test: KaffeeLoft Dortmund

KaffeeLoftLogoDas Ruhrgebiet mausert sich immer mehr zu einem DER Hotspots guter Kaffeeröstereien. Neben Essen, Oberhausen und Bochum zählt vor allem Dortmund mit mehreren Kaffeeröstereien – nicht mehr nur – bei Insidern zu den Tipps für exquisiten Kaffeegenuss. Neu in der Riege der Kaffeeröstereien ist das im März 2018 eröffnete „KaffeeLoft“ in Dortmund Wambel Dorf. Wie Inhaber und Geschäftsführer Daniel Strehlau und seine Frau Steffi zum Kaffee kamen, warum sie sich für eine eigene Rösterei mit Akademie entschieden haben und wie der Kaffee vom „KaffeeLoft“ schmeckt, erfahrt ihr im Folgenden.

Alles nur nicht gewöhnlich

Das Besondere beim Dortmunder „KaffeeLoft“ beginnt bereits beim Namen. Denn unter einem „Loft“ – so der Wikipediaeintrag – versteht man „ein(en) zur Wohnung umfunktionierter(n) Lager- oder Industrieraum. Das Wort stammt aus dem Englischen und bedeutet schlicht Dachboden bzw. Speicher. Schaut man sich auf der Homepage von „KaffeeLoft“ um, so stellt man fest, dass die Räume der Kaffeerösterei (und der Akademie) tatsächlich eine perfekte Symbiose sind. Hier wird gearbeitet, aus- und fortgebildet und irgendwie auch gewohnt. Alles wirkt aufgeräumt aber dennoch wohnlich. Was uns besonders beeindruckt hat, ist die „geführte“ 3D-Tour durch die Räumlichkeiten der Rösterei und Akademie mit zahlreichen Erläuterungen. So etwas haben wir bislang noch nicht gesehen. Und das bei weit über 70 getesteten und vorgestellten Röstereien in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Doch hier gehört nicht nur klappern zum Handwerk. Da steckt auch was dahinter. Über ihre Ideen, ihr Unternehmen und sich selbst schreibt Daniel Strehlau:

„Das KaffeeLoft ist eine Rösterei und Akademie für Spezialitätenkaffee in Dortmund. Wir betreiben es als Familienunternehmen aus purer Leidenschaft und Freude am Kaffeegenuss. Wir? Das ist meine Frau Steffi, die mich tatkräftig bei allem unterstützt und ich, Daniel Strehlau.

Wie man dazu kommt eine Kaffeerösterei zu eröffnen?

Vor einigen Jahren habe ich ein Jurastudium aufgenommen und mich mit sehr theoretischen Dingen beschäftigt. Langsam wurde mir jedoch klar, dass mich die Vorstellung später als Anwalt arbeiten zu müssen nicht wirklich glücklich gemacht hat. Dennoch habe ich mich bis zum erfolgreichen Abschluss des ersten Staatsexamens durchgebissen. Das Studium weiter fortzusetzen konnte ich mir aber trotzdem nicht vorstellen.

Als echte Genussmenschen haben wir uns in unserer Freizeit sehr ausgiebig dem Bereich Kaffee gewidmet, denn wir waren uns sicher, dass er mehr kann als nur wach machen. Als wir dann irgendwann zu den glücklichen Besitzern einer Siebträgermaschine gehörten war die Begeisterung für dieses Produkt endgültig entfacht.

Die Idee zur eigenen Kaffeerösterei hat ein Freund aus der Kaffeebranche ins Spiel gebracht. Selbst ein hochwertiges Genussmittel herstellen zu können faszinierte uns so sehr, dass aus diesem Gedanken schnell ein konkretes Vorhaben wurde. Parallel zu meinem ersten Staatsexamen entwarfen wir, gemeinsam mit einem Unternehmensberater, einen Businessplan. Damit war die Entscheidung gegen das Anwaltsdasein und für die Kaffeerösterei endgültig gefallen.

Wir genießen heute den Luxus zu absolut jeder Zeit alles an Lebensmitteln und Getränken bekommen zu können. Die Kehrseite der Medaille scheint unter Anderem die geringere Qualität zu sein. Vor einigen Jahrzehnten gab es in Deutschland knapp 6000 Privatröstereien, die durch die großen Industrieröstereien jedoch auf knapp 100 reduziert wurden. Zu Lasten der Kaffeequalität. Mittlerweile zeichnet sich glücklicherweise wieder ein leichter Aufwärtstrend bei den privaten Röstereien ab. Nach Schätzungen gibt es heute wieder 600 - 800 Röstereien.

Diesen Trend möchten wir weiter stärken und uns mit dem KaffeeLoft für Spitzenqualität, das traditionelle Handwerk und die perfekte Zubereitung einsetzen. Wir möchten die Menschen wieder für guten Kaffee sensibilisieren. Für uns ist es ein Genussmittel und zum Genießen braucht es ein klein wenig Zeit.

Sich mit einem frisch aufgebrühten Kaffee am Morgen einen Moment lang Ruhe zu gönnen - welchen besseren Start in den Tag könnte es geben?“

Man sieht: Wieder einmal handelt es sich um zwei „Quereinsteiger“, die ihre Passion zum Beruf gemacht haben, wie so viele Kaffeeröster aus der „Kaffeeszene“.

KaffeeLoft1Die Kaffeesortenauswahl im Überblick

Was als allererstes auffällt, ist, dass die Kaffeerösterei „KaffeeLoft“ mit der „chinesischen Lösung“ bei der Verpackung arbeitet, die auch einige von uns getestete Röstereien nutzen. Hierbei handelt es sich um die typische Kunststoffverpackung mit „Rip Zip“ zum Aufreißen der Verpackung und der Möglichkeit, die Verpackung nach Entnahme der entsprechenden Kaffeemenge wiederzuverschließen. Jede Verpackung kommt mit einem Standboden daher, sodass die Verpackung bequem hingestellt werden kann, um den Kaffee portionsweise entnehmen zu können. Das Kunststoffventil (Vakuumventil) ist natürlich mit dabei.

Kommen wir zu dem, was der Kunde beim Erwerb des Kaffees an Informationen erhält: Auf der Vorderseite der Verpackung finden wir den Namen der Rösterei, den Namen des Kaffees bzw. Espressos, die Füllmenge, kurze Angaben zu Herkunftsland, Anbauhöhe und Aufbereitung. Exakte Angaben zur Farm oder Kooperative werden hier zwar nicht gemacht, können aber ausführlich auf der Homepage nachgelesen werden, was wir natürlich im Zuge der „Third Wave Coffee“-Bewegung begrüßen. Ebenfalls zu finden ist eine Info, ob es sich um einen Arabica oder Robusta handelt. Auch hier fehlen Informationen, ob wir einen Blend oder sortenreinen Kaffee vor uns haben.

Kommen wir zur Rückseite der Verpackung. Dort gibt es allgemeine „Businessinfos“ und – ganz wichtig! – dass der Kaffee teilweise Projektkaffee ist, also ein Kaffee, mit dem soziale Projekte vor Ort unterstützt werden. Darüber hinaus garantiert Daniel Strehlau, dass er in engem Kontakt zu den Lieferanten und Bauern vor Ort steht. Last but not least finden wir noch Zubereitungsempfehlungen, Angaben zu Ganzer Bohne oder gemahlenem Kaffee sowie das Röstdatum und die Kontaktdaten. Geröstet wird der Rohkaffee bei „KaffeeLoft“ auf einem Röster von Giesen-Trommelröster. Angeboten werden Sorten zu je 250g und 1000g. Interessanterweise hat man sich gegen die Standardgröße von 500g entschieden. Die uns zur Verfügung gestellten Sorten kosten 8,50 Euro / 32 Euro (Karamell-Traum), 9,50 Euro / 36 Euro (Wilde-Beere), 7,50 Euro / 28 Euro (Nougat-Wahnsinn) sowie 7 Euro / 26 Euro (Schoko-Liebe) Das Bohnenbild / Röstbild der getesteten Sorten ist sehr homogen, Defekte sind nur wenige zu finden.

Zubereitung

Für unseren Test haben wir den Kaffee mit unserer Comandante C40 MK3 Nitro Blade für den Hario V60 Handfilter bzw. die Chemex und der Baratza Sette 270W für den Siebträger bzw. die Aero Press gemahlen. Darüber hinaus haben wir den Kaffee bzw. Espresso nach festen Standards zubereitet. (Für den Espresso: 90°C – 96°C Brühtemperatur, 8 – 10 bar Pumpendruck, 15 – 20 kg Anpressdruck beim Tampen, 25-35 ml Wasser auf ca. 6-12g Kaffeemehl und 20 – 30 Sekunden Durchlaufzeit; Für den Handfilter Hario V60: 300g Wasser, 18g Kaffeebohnen, Mahlgrad mittel (Chemex: mittel bis grob), Blooming: 30 Sekunden, Brühzeit insgesamt (inkl. Blooming): 3 Minuten +/- 30 Sekunden.

Die vier „KaffeeLoft“-Sorten: Beschreibung und im Geschmackstest

Der „Karamell-Traum“

Bei unserem ersten Testkandidaten handelt es sich um einen Kaffee aus Guatemala, genauer gesagt aus dem äußerst populären Anbaugebiet

Huehuetenango im Westen des Landes. Die nicht-vulkanische Hochebene des Departamentos ist die höchst gelegene Anbaufläche Guatemalas mit wenig Regen und einer späten Ernte. Der Kaffee ist meist blumig und fruchtig und gilt als der beste und komplexeste Kaffee Guatemalas.

Der Kaffee wird in einer Höhe von 1500 - 1700m angebaut, „fully washed“ aufbereitet und liegt in den Varietäten Bourbon und Caturra vor. Das Besondere: Er wurde mit einem Cupping Score von 85,5 ausgezeichnet und liegt damit auf „Cup of Excellence“-Niveau. Bei dem „Karamell-Traum“ handelt es sich um einen „Single Origin“, also um einen sortenreinen Kaffee. Leider erfahren wir nicht den genauen Farmnamen, sondern nur „(...) Die Kaffeefarm wird bereits seit drei Generationen von ein und derselben Familie betrieben. Die dort angebauten Rohkaffeesorten haben schon mehrfach beim so genannten "Cup of Excellence" - dem Oscar unter den Rohkaffeeauszeichnungen - Preise gewonnen. Die Familie baut seit 1958 auf dieser Farm erfolgreich Rohkaffee an. Sie hat sich mittlerweile einen exzellenten Ruf im Land erarbeitet - die Kaffees stehen für sehr gute Qualität. Mehr als nur erwähnenswert finden wir zudem das soziale Engagement der Farmbesitzer in der Region, da sie unter anderem die lokalen Kindergärten und Schulen unterstützen.“

Unser Eindruck: Bereits beim Aufbrühen steigt ein feines Toffee-Aroma in die Nase, dass sich im Mund breit macht und dem Gaumen schmeichelt. Nach hinten raus schmeckt der Kaffee ein wenig krautig und eine knackige Säure kitzelt die Zunge. Im Abgang bleibt der Kaffee lange im Nachhall. Sehr lecker.

Der „Wilde-Beere“

Weiter geht es mit einem tollen Kaffee aus Äthiopien, genauer gesagt aus der Region Guji im Westen des Landes fast an der Grenze zum Südsudan. Dort wird der Rohkaffee in einer Höhe von 2170m angebaut und „natural“ aufbereitet. Er liegt in der Varietät ethiopien heirloom (moka sade) vor. Er hat einen Cupping Score von 89, ein absoluter Spitzenkaffee also. Der Rohkaffee stammt aus einem „Microlot“, also aus einer ganz stark begrenzten Erntemenge. Darüber hinaus ist er „Rainforest“-zertifiziert.

Unser Eindruck: Als Stichwort habe ich mir auf meinem Zettel „Fruitpunch“ notiert. Der Kaffee ist sehr fruchtig und hat etwas von Obstsalat. Ein tolles Bouquet, kaum Säure und eine feine Süße. Da er einen mittleren Körper hat, eignet er sich perfekt an schönen Sommertagen. Auch als Cold Brew kann man die „Wilde-Beere“ sehr gut trinken.

KaffeeLoft2Der „Nougat-Wahnsinn“

„Kandidat“ Nummer drei stammt aus Indien, genauer aus Balehonnur, einer Stadt im Narasimharajapura taluk des Bezirks Chikkamagaluru im indischen Bundesstaat Karnataka im Süden Indiens. Diese Region produziert knapp über die Hälfte des indischen Kaffees, davon 70 Prozent Robusta. Die ersten Kaffeebäume wurden um 17. Jahrhundert in den Hügeln von Baba Budan Giri in Chikmagalur gepflanzt.

Der Robusta dieser Sorte wächst in einer Höhe von 760 - 915m, wird „fully washed“ aufbereitet und liegt in den Varietäten SLN274 / Old Paradenia vor. Auch hierbei handelt es sich um einen sortenreinen Kaffee. Leider schweigt sich Daniel Strehlau über die exakte Plantagenherkunft aus. Hier bleibt man oberflächlich mit der Aussage, dass die Plantage seit 1936 im Familienbesitz ist.

Unser Eindruck: Ein Kaffee, wie er typischer für den „deutschen Geschmack“ kaum sein könnte. Nuss-Nougat mit ordentlich Punch und einer ganz klaren Linie. Der geht nach vorne und zeigt, was er kann. Die Röstaromen sind vorhanden, knallen aber nicht zu sehr rein, wodurch sie andere Aromen überlagern könnten, als Espresso bietet der „Nougat Wahnsinn“ eine tolle Crema. Darüber hinaus kann man ihn erstklassig auch mit Milch in verschiedenen Varianten genießen. Spitze!

Die „Schoko-Liebe“

Schlussendlich haben wir noch einen waschechten „Brasilianer“ im Angebot. Dieser kommt aus Alto Parnaíba im äußersten Süden des Bundesstaates Maranhão im Westen Brasiliens. Der Rohkaffee wird auf einer Höhe von 1200m angebaut, „natural“ aufbereitet und liegt in den Arabica-Varietäten: mundo novo und catuai vor. Der sortenreine Kaffee hat einen Cupping Score von 84 erhalten. Aktuell gibt es in Brasilien, dem weltweit größten Kaffeeerzeuger, etwa 300000 Farmen im ganzen Land, von einem halben Hektar Anbaufläche bis hin zu mehr als 10000 Hektar. Brasilien verbraucht rund die Hälfte seines Kaffees selbst.

Unser Eindruck: Das hier ist ein „typischer“ Brasilianer. Leicht süß, mit mittlerer Textur und milder Säure. Gleichzeitig leichte Anklänge von Zartbitterschokolade und ein wenig fruchtiger Unterstützung. Ebenfalls toll mit Milch.

Fazit: Die Kaffeerösterei „KaffeeLoft“ bietet erstklassigen Kaffee mit facettenreichen Aromen und feinem Geschmack. In Punkto Transparenz, Nachhaltigkeit und Fairness besteht noch Nachholbedarf. Trotzdem gilt: Super Kaffee, klare Kaufempfehlung!

Die inn-joy Redaktion vergibt 8 von 10 Punkten.

Zusammensetzung der Gesamtbewertung:

Qualität: 9 von 10 Punkten

8Fairness und Nachhaltigkeit: 7 von 10 Punkten (nur teilweise nachvollziehbare Aussagen)

Geschmack: 9 von 10 Punkten

Transparenz: 7 von 10 Punkten (nur teilweise nachvollziehbare Aussagen)

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Daniel Strehlau von der Kaffeerösterei „KaffeeLoft “ für die zur Verfügung gestellten Testexemplare.

D. Stappen

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