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Star Wars Battlefront II | Review (Xbox One X)

SWBFIIBild1Spiele im Star Wars-Universum erfreuen sich seit mehr als 20 Jahren großer Beliebtheit. Im Gegensatz zu anderen Spielen, werden neue Titel rund um die helle und die dunkle Seite der Macht jedoch besonders kritisch beäugt. Treffen die Entwickler die Atmosphäre der Kinofilme auch exakt? Werden interessante Geschichten abgeliefert, die glaubwürdig ins große Ganze der legendären Saga eingebunden werden und wie gehen die Entwickler mit den Figuren um? Dieses beinahe religiöse Verhalten ist so wohl bei keinem anderen Franchise (mit Ausnahme von „Der Herr der Ringe“) zu finden. Umso höher ist dann der Druck für die Entwickler, den Fans gerecht zu werden. So auch für die Verantwortlichen bei Electronic Arts, die mit „Star Wars: Battlefront 2“ nun dem Star Wars-Universum einen weiteren Ableger hinzufügen. Dabei liegt der Druck von Seiten der Fans vor allem darin begründet, dass der erste Teil ausschließlich Multiplayer-Fans zufriedenstellen konnte, gab es hier doch keine Kampagne. Für den Nachfolger haben EA und DICE nun Besserung gelobt und eine packende und facettenreiche Story auf der Seite des Imperiums versprochen. Was dabei herausgekommen ist, verraten wir euch im Test der Xbox One X-Version.

Eine Frau für das Imperium

Nachdem ja bereits die (vorerst) letzte Trilogie der Star Wars-Saga eine Frau in den Mittelpunkt der Handlung stellte, hat nun auch „Battlefront 2“ eine Protagonistin als Heldin der Kampagne. Diese hört auf den Namen Iden Versio und ist Anführerin einer Spezialeinheit für das Imperium, also die „dunkle“ Seite im Kampf gegen die Rebellen. Die Handlung setzt direkt nach der Zerstörung des zweiten Todessterns ein, also in der ursprünglichen Trilogie mit Han Solo, Luke Skywalker und Prinzessin Lea, die für die ganz harten Fans bis heute die einzig wahre Verfilmung darstellt.

Auf Endor gelandet, kämpft sich Iden Versio (nachdem wir sie mit Hilfe eines Droiden aus ihrer Gefangenschaft befreit haben) gegen die Rebelleneinheiten durch. Doch auf einmal wird sie aus den Kämpfen gerissen, als über ihr der Todesstern in viele kleine Einzelteile gesprengt wird. Schockiert erkennt sie, dass sie den Kampf gegen die Rebellen noch konsequenter aufnehmen muss. Unterstützt und angetrieben wird Versio dabei von ihrem Vater, der Admiral des Imperiums ist. Weitere Details zur Story wollen wir an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Beleuchten wollen wir allerdings, wie DICE sich der Herausforderung, eine Kampagne zu stricken, angenommen hat und ob die Story mehr Pflichterfüllung und „Trainingsraum mit Bots“ für den Multiplayer geworden ist oder vollwertige Kampagne, bei der man sich voll und ganz mit der Heldin identifizieren und in die Handlung abtauchen kann.

Prinzipiell kann man schon einmal sagen, dass es ein guter Schachzug der Entwickler ist, uns auf die Seite des Imperiums zu stellen. Denn immer nur „die Guten“ zu spielen, ist auf Dauer auch langweilig und bringt wenig frische Impulse. Doch leider verpassen die Entwickler viele Chancen, eine emotional gefüllte Geschichte zu erzählen, die uns als Spieler von der ersten Sekunde an mitnimmt und bis zum Abspann an den Bildschirm fesseln kann. Betrachtet man die jüngsten Spiele, welche unter dem Logo von EA veröffentlicht wurden, so kann man beinahe das Gefühl haben, die für Electronic Arts arbeitenden Entwickler können keine Geschichten erzählen. Jüngstes Beispiel ist das ziemlich flache „Need for Speed: Payback“. Denn auch beim neuen „Star Wars: Battlefront 2“ schaffen es die Jungs von DICE nicht, der Heldin und ihren Mitstreitern die notwendige Tiefe mitzugeben. Stattdessen kämpft man sich minutenlang durch austauschbare Gegnerwellen und arbeitet Missionsziele ab. Große Emotionen bleiben größtenteils auf der Strecke. Auch wenn die Cutscenes auf extrem hohem Niveau sind und in bester Hollywood-Manier präsentiert werden, springt der Funke kaum über. Was Activision mit „Call of Duty: WW II“ sehr gut gelingt, nämlich eine Geschichte des „einfachen Soldaten“ zu erzählen, mit dem der Spieler mitempfindet, oder eine stimmig inszenierte Welt, wie bei „Wolfenstein: The New Colossus“, sucht man bei „Battlefront 2“ vergeblich.

Hinzu kommen Brüche, die zwar verständlich sind, da die Entwickler uns auch mit unseren „Kino-Helden“ in die Kämpfe ziehen lassen wollen. Doch warum spiele ich urplötzlich den Luke Skywalker, wenn ich wenige Minuten zuvor noch mit Iden unterwegs war? Das ist zunächst einmal ein kompletter Bruch der Handlung und überhaupt nicht logisch. Auch später kommt das noch vor. Rollenwechsel müssen auch schon nachvollziehbar inszeniert werden, liebe Entwickler!

Neben den Missionen, in denen wir zu Fuß unterwegs sind, werden wir immer wieder mal ins Weltall geführt, wo wir im T-Fighter sitzend Rebellenschiffe ausschalten müssen. Das ist meist recht stupide und die KI der Feinde ist (wie im gesamten Spiel) nicht wirklich überzeugend. Dummerweise kommt auch noch hinzu, dass man im All manchmal die Orientierung verlieren kann und – zu Beginn des Spiels – der T-Fighter bei jeder noch so kleinen Berührung zu Bruch geht, was dann zur Folge hat, dass das ganze Gefecht von vorne beginnt. Das kann vor allem Anfängern sauer aufstoßen.

SWBFIIBild2Schöner Schein – wenig dahinter

In Punkto Grafik stellt „Star Wars: Battlefront 2“ nahezu alles, was bislang auf den Konsolen gezeigt wurde, in den Schatten. Die Locations wurden mit unglaublich viel Liebe zum Detail inszeniert. Jeder Fans wird hier unzählige Kleinigkeiten finden, die er aus den Filmen kennt. Die Weltraumschlachten sind episch inszeniert, die Charakteranimationen wirken (bis auf das in Deckung gehen von Iden) glaubwürdig, die Animationen sind gelungen und alles wirkt wie aus einem Guss. Auf der Xbox One X erstrahlt der Titel in 4K und zeigt, welche Power in der neuen Microsoft-Konsole steckt. Tearing und andere Probleme sowie schlecht aufgelöste Texturen sind sehr selten zu finden. Die fulminante Action ist absolut atemberaubend. Hinzu kommt natürlich noch der typische „Star Wars Sound“, der mit vielen bekannten Melodien und Sound-Samples aus den Filmen überzeugen kann. Wer eine entsprechende Anlage besitzt, freut sich auf kinoreifen Mehrkanalklang. Ein wenig schade ist, dass das Spiel kein Dolby Atmos unterstützt. Dies wäre die absolute Krönung gewesen.

Was allerdings sehr schade ist, ist die Tatsache, dass DICE einen Großteil der Kampagne aus den Multiplayer-Maps übernommen und quasi recycelt hat. Wer nur Solo unterwegs ist, wird diese Problematik nicht wahrnehmen. Doch kommen in dem Moment, in dem man den Multiplayer kennt, Zweifel auf, dass sich DICE wirklich intensiv mit der Herausforderung, eine eigenständige Kampagne zu erschaffen, auseinandergesetzt hat. So – und auch aufgrund der immer wieder kehrenden und austauschbaren Gegnerwellen, die stellenweise recht dumm sind – wird man das Gefühl nicht los, auch beim zweiten Teil eher gegen Bots zu kämpfe oder hier ein „erweitertes Training mit Cutscenes“ geboten zu bekommen. Insgesamt wirkt die Kampagne recht lustlos umgesetzt und man hat die Vermutung, DICE habe die Implementierung der Kampagne als lästige Pflichtaufgabe angenommen, der man sich nun einmal auf Druck der Fans widmen muss. Leidenschaft sieht anders aus!

Wie schlägt sich der Multiplayer?

Wer kein Interesse an der Kampagne hat oder wer darüber hinaus gerne mit Freunden oder anderen Gleichgesinnten sich messen will, der findet im Multiplayer ausreichend Möglichkeiten. Im Zentrum des neuen „Star Wars Battlefront 2“ stehen die Spielmodi „Galaktischer Angriff“ und „Sternenjäger-Angriff“. Hier treten die dunkle Seite gegen die helle Seite der Macht in Teams gegeneinander an. Während die erste Variante als überwiegende „zu Fuß“-Variante angedacht ist, geht es bei der zweiten Variante ins Weltall. Im Spiel wählt ihr euch ein Alter Ego aus einer von vier Klassen mit individuellen Vorzügen und Nachteilen. Im Anschluss tretet ihr als Team an und versucht, das Ziel ,welches euch gegeben wird, zu erfüllen. Während ihr eure Aufträge erfüllt gibt es Punkte, die ihr später investieren könnt. Die Gegenseite versucht dabei, euren Plan zu vereiteln. Weitere Spielmodi ermöglichen es auch, mit den Helden der Filme in Gefechte zu ziehen.

Um jedoch alles aus eurem Kämpfer herauszuholen, müsst ihr so genannte „Boost-Karten“ einsetzen. Diese gibt es auch im Solopart. Diese Karten verändern im Verlauf einer Partie die Fähigkeiten und die Waffen des Charakters. Diese Karten könnt ihr euch wahlweise verdienen, oder aber mit Lootboxen gegen Echtgeld oder Ingame-Währung erhalten. Die Diskussion um Sinn und Nutzen von Microtransaktionen etc. wollen wir an dieser stelle nicht noch einmal anfachen.

7Fazit: Wir haben bei diesem Test den Fokus natürlich ganz klar auf die Kampagne gelegt, da diese im Vorfeld hoch angepriesen wurde. Doch leider entpuppt sich diese eher als „Trainingsfeld“ für den Multiplayer, denn als emotional packende und fesselnde Geschichte. Zu wenig wird hier der Charakter Iden Versio in die Tiefe gezeichnet, zu schwach sind die Identifikationsmöglichkeiten. Darüber hinaus wundern die Story-Brüche und manche Entscheidung wirkt arg konstruiert. Den Rest des Spielspaßes verderben unzählige Gegnerwellen, die allesamt nicht wirklich etwas auf dem Kasten haben. Audiovisuell ist „Star Wars Battlefront 2“ dagegen über allen Zweifel erhaben und zeigt, was die Xbox One X zu leisten imstande ist. Der Multiplayer wird natürlich seine Fans finden. Über den Sinn von Booster-Karten und Lootboxen könnte man an dieser Stelle erneut streiten. Doch diese Diskussion soll bei der Bewertung außen vorbleiben. So bleibt unterm Strich zu sagen, dass es EA und DICE auch mit dem zweiten Teil nicht richtig gelingt, eine packende und epische Geschichte zu erzählen, obwohl das Potential durchaus gegeben ist. Es wäre schön, wenn DICE die Entwicklung einer Kampagne nicht als lästige Pflichtaufgabe begreifen würde sondern als wichtigen Bestandteil eines großen Franchise, das viele Käufer so enttäuscht zurück lässt.

Die inn-joy Redaktion vergibt für die Kampagne 6 von 10 Punkten, für den gesamten Titel 7 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Electronic Arts für das zur Verfügung gestellte Testexemplar.

L. Zimmermann

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