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Gran Turismo Sport | Review (PS4 Pro)

GranTurismoSportBild1Wenn es einen Entwickler gibt, der als Perfektionist im Bereich der Rennspiele gilt, der die Messlatte immer eine ordentliche Schlagzahl höher hängen will und gerne mal ein neues Spiel um ein bis zwei Jahre nach hinten verschiebt, nur weil es noch nicht den allerletzten Schliff hat, dann ist es zweifellos der Entwickler der „Gran Turismo“-Reihe, Kazunori Yamauchi. Doch während Fans von „Forza Motorsport“ und Co. ein müdes Lächeln für die PS4-exklusive Serie ob der unzähligen Verschiebungen, der mageren Singleplayer-Unterstützung und des stellenweise miserablen Sounds in den vergangenen Jahren übrig hatten, verehrten Fans und PlayStation-Jünger den Altmeister für jede noch so kleine Veröffentlichung im Vorfeld und natürlich dann für die irgendwann endlich erscheinenden Titel umso mehr. Doch mit der „Neuausrichtung“ der Reihe in Richtung Online-Zwang und nahezu reinem Multiplayer, hat sich Yamauchi im Hinblick auf seinen neuen Serienableger „GT Sport“ nicht nur Freunde gemacht. Nun ist der Titel erschienen und wir haben uns anhand der PS4 Pro ein ausgiebiges Bild vom finalen Produkt machen können. Wie der neuste Streich aus der Feder von Yamauchi gelungen ist, erklären wir euch im Folgenden.

(Viel) Licht und viel Schatten

Bevor wir uns – wie die meisten Kollegen der schreibenden Zunft – zu Lobhudeleien hinreißen lassen, wollen wir zunächst einmal das benennen, was uns sofort aufgefallen und sauer aufgestoßen ist. Das wäre natürlich zuallererst der Online-Zwang. Zwar steht dieser bei mittlerweile etlichen Entwicklern auf der Tagesordnung. Dennoch ist es einfach ein Unding, dem Spieler zu diktieren, dass er permanent online sein muss. So also auch bei GT Sport. Denn diverse Spielmodi funktionieren ohne Online-Anbindung nicht und auch die Spielstände werden nicht permanent gespeichert. Der zweite Aspekt betrifft die fehlende Karriere, wie ihr sie aus anderen Titeln kennt. Hier haben die Entwickler von Polyphony Digital den dicken Rotstift rausgeholt und alles zusammengestrichen, was möglich war. Hier gibt es weder Rennserien, Meisterschaften und ähnliches. Lediglich eine Art Missionen sind vorhanden, die an eine Fahrschule erinnern (die auch enthalten ist). Diese sind langweilig, kaum fordernd und quasi als Platzhalter anzusehen. Für echte Fans ein absolutes Trauerspiel!

Ein weiterer Höhepunkt der vergangenen GT-Ableger war der gigantische Fuhrpark, den es in GT Sport ebenfalls nicht mehr gibt. Denn hier werden euch nicht einmal mehr 200 fahrbare „Gefährten“ an die Seite gestellt. Da schielt man als PS4-Besitzer neidisch zu Forza Motorsport 7 mit seinen rund 700 Vehikeln. Dafür heben die Entwickler jedes einzelne Auto bis ins allerletzte Detail dem Original nachempfunden und die Cockpits ausmodelliert. Dies ist ein echtes Novum. Auch das Chassis der einzelnen Flitzer sieht dem realen Pendant zum verwechseln ähnlich. Da kann selbst Forza Motorsport 7 nur bedingt mithalten. Auch andere Mitbewerber wie „Project Cars 2“ und „Assetto Corsa“ bleiben da zurück. Gleiches gilt auch für die real existierenden Strecken im Spiel (die kombiniert mit den Fantasiestrecken 20 Stück an der Zahl bilden), die den Originalen ebenfalls enorm ähneln. Das beste Beispiel ist – aus deutscher Sicht – abermals der Nürburgring, der bis zum letzten Winkel ins Spiel übernommen wurde und einfach nur grandios aussieht.

Wenn dann die PS4 Pro einmal auf Touren kommt, entfaltet sie im 4K-Modus mit HDR eine erstklassige Grafik, die auf Augenhöhe mit Forza Motorsport 7 agiert. Auch abseits der Strecken gibt es einiges zu sehen.

GranTurismoSportBild2Rennen im Team und gegen andere

Dreh- und Angelpunkt des neuen Ablegers ist ganz klar der Multiplayer-Bereich. Online geht es hier so richtig ab. Interessant ist, dass hier die „Netiquette“ im Vordergrund stehen. Denn nicht nur Platzierungen und gute Zeiten sind wichtig, um online zu bestehen. Wer sich häufig daneben benimmt, seine Mitstreiter von der Strecke kickt, schneidet und sich sonst fies verhält, der hat das Nachsehen. Wenn ihr zu den besten Fahrern zählt, steigt eure Bewertung, was in Punkto Matchmaking-Grundlage das A und O ist. Ein wenig anstrengend ist das Wechseln der Tagesherausforderungen, denen ihr rund eine Viertelstunde vor dem Start beitreten dürft. Bis dahin müsst ihr euch allerdings gedulden. Dafür erhaltet ihr Rennen mit maximal 24 Fahrern. Während der Testsessions kam es zu keinerlei Lags, Serverabbrüchen oder ähnlichen Problemen. So muss das!

Apropos „so muss das“: Gelungen sind auch die vielen Anpassungen im Regelwerk, die ihr selbst vornehmen dürft, wie Treibstoffverbrauch, Reifenverschleiß und vieles darüber hinaus. Schade: Das Wetter ist wieder einmal eher statisch und kann mit dem unglaublich tollen und sehr dynamischen Wetter von Project Cars 2 und Forza Motorsport 7 leider nicht mithalten.

Mach dich mal locker!

Bei all der Kritik muss man aber auch dem Team von Polyphony Digital in einem Punkt ein dickes Lob aussprechen. Die Rede ist vom Handling der Boliden, also der Steuerung. Diese klappt mit dem klassischen Controller gut, mit dem Lenkrad jedoch absolut phänomenal. Jede Curve ist spürbar, jede Kurve kann filigran angesteuert werden und auf hohem Schwierigkeitsgrad sind die PS-starken Boliden nur schwer auf den Asphalt zu halten und brechen gerne mal aus. „Schuld“ daran ist auch die akkurat umgesetzte Fahrphysik. Beim Schadensmodell hält sich die Reihe auch hier traditionsbedingt dezent zurück.

7Fazit: „Gran Turismo Sport“ macht einiges besser, als die „klassischen“ Teile, setzt aber auch stark den Rotstift an. Da Grafik nicht alles ist, solltet ihr euch überlegen, was ihr wollt: Seit ihr lieber solo unterwegs, solltet ihr aktuell einen ganz großen Bogen um den Titel machen. Spielt ihr jedoch lieber mit mehreren, so werdet ihr auch am neuen GT-Ableger Freude finden.

Die inn-joy Redaktion vergibt 7 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Sony für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

U. Sperling

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