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Mittelerde: Schatten des Krieges

MittelerdeSchatten1Das „Mittelerde“-Universum scheint schier unendlich zu sein. Das weiß man als (leidgeprüfter) Tolkien-Fan, seitdem diverse Spiele, die in Mittelerde angesiedelt sind, auf dem Markt erschienen. Denn neben der Umsetzung der Filme bzw. der Romane, erschienen in den vergangenen 30 Jahren (das erste Mal 1987 als Textadventure) diverse PC- und Konsolen-Umsetzungen, die sich frei in Mittelerde und der „Herr der Ringe“-Saga bewegen und die Geschehnisse rund um die Geschichte der Gefährten streift oder zeitlich tangiert. Mittendrin tummelte sich auch das vor drei Jahren erschienene „Mittelerde: Mordors Schatten“, das – neben bekannten Orten und Klassen – durch sein bis dahin vollkommen unbekanntes „Nemesis-System“ überzeugen konnte. Nun, drei Jahre später, erscheint der Nachfolger mit dem Titelzusatz „Schatten des Krieges“ und will euch mit einem aufgebohrten Nemesis-System, einer neuen Geschichte und jede Menge Verbesserungen von seinen Stärken überzeugen. Wir haben die Xbox One-Version für euch getestet. Nach dem Launch der Xbox One X, am 07.11., werden wir euch natürlich auch den Nachtest für die neue Microsoft-Konsole liefern.

Alte Bekannte und neue Figuren

Wie bereits im ersten Teil, übernehmt ihr auch im Nachfolger die Rolle des Waldläufers Talion und dem Geist von Elbenschmied Celebrimbor. Um Neulinge ebenfalls mit ins Boot zu holen, erzählt euch das Intro noch einmal in Kurzform, was in Teil eins so alles geschehen ist. Denn „Schatten des Krieges“ setzt natürlich in Sachen Storytelling am Vorgänger an und bewegt sich dabei noch immer zwischen dem „Hobbit“ und der „Herr der Ringe“-Trilogie wobei ein Vorspann euch grob die Geschichte des Vorgängers erzählt. Im zweiten Teil ist der Waldläufer noch mit Celebrimbor vereint. Nachdem der Schmied im Vorgänger für den dunklen Magier Sauron den „Einen“ Ring schmiedete, und somit seine vormalige Macht über Mordor begründete, hat er nun einen neuen Ring geschmiedet, um selbst an die Macht zu gelangen. Natürlich will der Elbenschmied versuchen, mithilfe des Waldläufers selbst an die Macht zu gelangen, was diesem eigentlich so gar nicht schmeckt. In diesem Teil tritt Celebrimbor insgesamt etwas düsterer und arroganter auf, sein Machtbestreben lässt ihn in Zwischensequenzen rücksichtsloser erscheinen, so dass er zum Beispiel wenig Verständnis für die Opfer anderer an den Tag legt, wenn dies dazu führt, dass er seinem Ziel näher kommt. Dennoch arbeiten Talion und er – gezwungenermaßen – daran, den wiedergekehrten Bösewicht Sauron ein für alle mal zu besiegen. Um dies zu bewerkstelligen, müssen sie eine große Ork-Armee rekrutieren. Doch bis es zur finalen Schlacht kommt, geschehen zunächst unerwartete Dinge. Denn der Waldläufer und sein „Elben-Geist“ werden durch die Macht des Rings auseinandergerissen und Celebrimbor eingekerkert. Um sich mit diesem wieder zu vereinen, muss Talion ein Bündnis mit einer Figur eingehen, deren Motive höchst zweifelhaft sind.

Natürlich gibt es analog zum ersten Teil auch wieder einen Gegenspieler zu Talion/Celebrimbor. An dieser Stelle wollen wir aber nicht mehr verraten, um den Spaß an der Geschichte nicht zu schmälern.

MittelerdeSchatten2Tolle Inszenierung á la Hollywood

Was sich hier so episch liest, ist auch im Spiel wunderbar inszeniert und wird in hollywoodreifen Sequenzen erzählt und dargestellt. Dabei gliedert sich „Mordor 2“ in zwei Teile. Da wäre der erste Teil mit der spannenden Geschichte und der zweite Teil, der aus der Vernichtung oder der Rekrutierung der Uruk-Hauptmänner und der Orks besteht. Hinzu kommen nun erstmals die Eroberungsphasen diverser Burgen (mit dynamischer Besetzung, bei der kein Sturm dem anderen gleicht), die sich recht taktisch spielen und euren Scharfsinn fordern. Denn ihr müsst stets überlegen, welchen Uruk ihr wo einsetzt, ob ihr Gegner tötet oder verschont, mit ihren Geistern nach deren Ableben rechnen müsst oder einen treuen Weggefährten erhalten könnt. Denn was gibt es in einem hitzigen Gefecht besseres, als die Uruks an der Front auf Gegner zu hetzen, während ihr euch selbst im Hintergrund aufhaltet. Andererseits dürft ihr natürlich auch jederzeit selbst in die Kampfhandlungen eintreten, wenn beispielsweise ein Sieg auf der Kippe steht oder euch „schlagkräftige“ Mitstreiter fehlen. Klasse: Eure Mitstreiter leveln von selbst, jedoch kann ihre Stufe nicht höher sein, als eure eigene. Wenn ihr beispielsweise einen Ork mit Stufe 21 rekrutieren wollt, selber aber noch Stufe 17 seid, müsst ihr diesen im Zweikampf besiegen und demütigen, so fällt seine Stufe und in einem weiteren Zweikampf könnt ihr diesen dann überwältigen und eurer Armee hinzufügen. Um die Uruks sinnvoll einzusetzen, solltet ihr stets ein Auge auf ihre aktuelle Situation mit ihren individuellen Stärken und Schwächen werfen. Da sich die Uruks aber auch gegen euch entscheiden oder ihre Meinung ändern können, müsst ihr stets überlegen, wie ihr mit anderen Uruks umgeht, um nicht den Zorn einzelner Mitstreiter oder im schlimmsten Fall der ganzen Gruppe auf euch zu ziehen.

Ihr könnt Uruks, so genannte Würmer, die euch wie im ersten Teil mit Informationen über die Hauptmänner und Kommandanten versorgen, nun dazu bringen, Todesdrohungen gegen einzelne Hauptmänner zu überbringen. Dies führt dazu, dass sich die Stufe und die Ausrüstung des so herausgeforderten Orks verbessern. Wenn ihr diesen dann besiegt, erhöht sich eure Chance signifikant, selber bessere Ausrüstung zu erhalten.

MittelerdeSchatten3Wie im ersten Teil gibt es neben den Orks in den einzelnen Spielwelten auch wieder eine kleine Tierwelt, mit der ihr interagieren könnt, zum Beispiel Spinnen, dann die altbekannten Caragors und Graugs, auf denen ihr wieder reiten könnt. Wer die Trailer aufmerksam verfolgt hat, weiß, dass Drachen als Reittiere neu hinzukommen. Wenn ihr weit genug fortgeschritten seid, müsst ihr übrigens nicht mehr jedes Reittier suchen, sondern könnt euch wahlweise einen stärkeren Schattencaragor, einen Graug oder einen Drachen rufen, der bereitsgezähmt ist.

Dies gilt auch für eure Orks, ihr könnt euren Leibwächter als Verstärkung rufen und diesen lossenden, um unachtsame Gegner im Tandem mit euch zu meucheln. Dies kann sehr nützlich sein, wenn ihr unbemerkt in ein Lager eindringen wollt, dieses am Eingang jedoch mit nah beieinander stehenden Posten geschützt wird.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass es verschiedene Schwierigkeitsstufen gibt, um sowohl Einsteigern als auch Veteranen das optimale Spielgefühl zu bieten. Was mir weniger gefallen hat, ist die Tatsache, dass ihr nicht mehr von Hand zu jeder Zeit speichern könnt, sondern das ausschließlich das Spiel vorgibt, wo gespeichert wird. Auch können eure Freunde kein neues Spiel zum „testen“ beginnen, da es keine weiteren Speicherplätze gibt. So etwas darf heutzutage einfach nicht mehr sein.

Ebenfalls nicht wirklich gelungen, aber mittlerweile zum „Spielalltag“ von immer mehr Titeln gehörend, sind die so genannten „Lootboxen“, welche es euch ermöglichen, eure Uruks mit gewissen (zufälligen) Items auszurüsten. Was im Spiel (durch In-Game Währung) prinzipiell ok ist, erhält in dem Moment einen sauren Beigeschmack, in dem euch die Entwickler gegen Zahlung von „echtem“ Geld zur Kasse bitten. Diese „Mikrotransaktionen“ (die hier allerdings optional sind) werden zu einer immer stärker wachsenden „Seuche“ der Spielentwickler und sind bei Spielpreisen jenseits der 60 Euro kaum noch zu vermitteln.

Das Looten wird eigentlich auch nur deswegen wichtig, da „Schatten des Krieges“ sich mehr als Rollenspiel versteht. So könnt ihr im Skill-Bereich aus den sechs Kategorien Räuber, Geist, Fernkampf, Kampf, Geschichte und Reiter wählen. Neben diversen Grundskills gibt es noch unterschiedliche Modifikationen. Skills und Perks werden über entsprechende Punkte eröffnet, welche durch das Erfüllen von Aufträgen, durch einen Aufstieg etc. an euch verteilt werden.

Zum Skill-Bereich ergänzt sich noch das Item-System. Hier könnt ihr insgesamt sechs Slots quasi „frei Schnauze“ belegen. Wie aus anderen Rollenspielen bekannt, so gibt es auch hier einfache und besondere Gegenstände, mit denen ihr euren Helden ausstaffieren und somit kräftiger und mächtiger machen könnt. Last but not least können die Item-Slots mit Edelsteinen optimiert werden. Auch dies kennen wir bereits von anderen RPGs. Doch Teil zwei geht hier noch einen Schritt weiter, als der Vorgänger: Denn wenn ihr Gegenstände ausrüstet und Waffen verbessert, macht sich dies optisch auch bemerkbar. Dies war im ersten Teil noch nicht der Fall.

Neben der Hauptstory, die ihr verfolgt, gibt es auch wieder ein Anzahl an Nebenquests, in denen ihr z.B. in die Rolle von Celebrimbor selbst schlüpft und euch seinem ersten Marsch in Richtung Mordor anschließt, um Sauron zu konfrontieren.

Ebenso gibt es wieder die Möglichkeit, Ithildin-Runen zu finden, mit denen ihr mehrere Tore öffnen könnt. Neu ist hierbei, dass es nicht mehr aussreicht, die Runen nur zu sammeln, ihr müsst auch kleine Rätsel aller "Sprich Freund und tritt ein" lösen. Jede Rune gibt euch ein Wort vor, habt ihr alle Wörter gefunden, müsst ihr diese dann zusammen an passender Stelle in den Tor-Vers einsetzen, um dieses dazu zu bewegen, sich für euch zu öffnen und den Schatz dahinter freizugeben.

Ihr findet Erinnerungen jener eingangs erwähnten zwielichtigen Person, die ihre Hintergünde beleuchtet und euch dabei helfen sollen, ihre Motive besser einschätzen zu können.

Und ihr könnt wieder Gegenstände finden, die ein wenig die Hintergründe vom Leben in Mittelerde beleuchten, ohne für die Spielverlauf jedoch entscheidend zu sein, oder in diesem verwendet werden zu können. Sie bringe euch allerdings Erfahrungspunkte und sicherlich auch später einen Erfolg. :-)

Schöner Schnetzeln in Mordor

Grafisch weiß der Titel durchaus zu gefallen, wenngleich auf Microsofts Xbox One mehr drin wäre. Denn während (wie bei den meisten Spielen der aktuellen Konsolengeneration) die Haare der Figuren immer noch etwas künstlich und zusammengeklatscht aussehen, wirken die Gegner dafür umso lebendiger animiert. Auch die Szenerien und die mächtigen Burgen wurden imposant in Szene gesetzt. Dafür läuft der Titel insgesamt rund, wenn auch mit vereinzelt längeren Ladezeiten. Nur selten gibt es Ruckler (meist bei größeren Gegneraufkommen bzw. Schlachten), minimales Tearing und Kantenflimmern. Die oft bildschirmfüllenden Effekte wirken zudem recht beeindruckend. Wer mehr will, der muss sich noch bis Anfang November gedulden. Dann erscheint ja bekanntlich die neue „Power-Konsole“ von Microsoft, die Xbox One X. Hier versprechen die Verantwortlichen bei Warner Games ihren Fans natives 4K, HDR-Unterstützung und eine insgesamt noch hübschere Grafik. Hierauf sind wir natürlich gespannt und werden euch dann auch im Detail vom „Upgrade“ berichten.

8Fazit: „Mittelerde: Schatten des Krieges“ ist keine Revolution, sondern eine behutsame Weiterentwicklung, die auf den Stärken des Vorgängers aufbaut, das Nemesis-System erweitert, mit den Burgen-Eroberungen eine neue taktische Komponente einfügt und eine gelungene Story bieten kann. Die Entscheidung, sich noch stärker im Rollenspielbereich zu engagieren, tut dem Spiel gut. Einzig die Unterschiede zwischen dem ersten Spielteil mit seinen packenden Handlungssträngen und dem zweiten, sich auf den Nemesis-Part fokussierenden Teil, sind zu extrem, wodurch sich der Titel wie zwei einzelne Spiele unter einer Haube anfühlt. Hier hätte Warner Games noch etwas mehr Feintuning ansetzen können. Auch die Entscheidung, auf Mikrotransaktionen zu setzen, ist nicht wirklich nachvollziehbar und riecht doch ein wenig nach nachträglicher Abzocke. Immerhin werdet ihr nicht zum Kauf gezwungen. Dennoch ist das Spiel ganz klar eine Kaufempfehlung wert.

Die inn-joy Redaktion vergibt 8 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Warner Games für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

M. Plischka

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