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The Evil Within 2 | Review (Xbox One)

Evil2Bild1Horrorspiele haben sind in der Welt der PC- und Konsolenspiele seit vielen Jahren eine feste Größe und erfreuen sich einer enormen Beliebtheit. Dies hat das Genre vor allem einem Mann zu verdanken. Die Rede ist natürlich vom Altmeister des Horrors, dem Japaner Shinji Mikami. Fans bekommen sofort vor Freude Schweißausbrüche und nasse Hände, wenn der Schöpfer der „Resident Evil“-Reihe und der „Devil May Cry“-Titel einen neuen Titel ankündigt. Und nachdem er seinem alten Arbeitgeber Capcom den Rücken gekehrt hatte, tat er sich mit einigen Gleichgesinnten zusammen und arbeitet (nach verschiedenen Zwischenstationen) mittlerweile als „Kopf“ und „kreativer Verantwortlicher“ seines eigenen Studios mit Namen „Tango Gameworks“. Wer die kreativen und extrem surrealen Welten, die Mikami vor seinem geistigen Auge entwirft, bevor er sie umsetzt, kennt, der weiß, dass ihn stets Großes erwartet. Das bislang letzte Projekt war wiedermal ein Paradebeispiel hierfür. Denn mit dem Third-Person-Action-Horrorspiel „The Evil Within“ konnten Shinji Mikami und sein Team überzeugen. Klar, dass eine Fortsetzung da nur eine Frage der Zeit seien konnte. Und so dauerte es gerade einmal drei Jahre, bis nun der Nachfolger in den Händlerregalen steht. Wir haben für euch die Xbox One-Version getestet. Wie uns die Rückkehr von Sebastian Castellanos gefallen hat, lest ihr in der folgenden Review.

Die Rückkehr des Grauens

Es beginnt gleich mit einem – im wahrsten Sinne des Wortes – großen Knall. Ihr seht vor euch ein brennendes Haus und erkennt voller Entsetzen, dass es euer Haus ist, das da in der Ferne lichterloh in Flammen steht. Ihr ahnt Schreckliches: Im Haus könnte sich noch eure Tochter Lily befinden! Also heißt es: Allen Mut und alle Kraft zusammenzunehmen, gegen die lähmende Angst anzukämpfen, und die Kleine aus dem Flammenmeer befreien. Durch die Flammen dringen die Hilfeschreie von Lily. Doch wo ist sie? Oben, in ihrem Zimmer, scheint sie zu sein. Also kämpft ihr euch den Weg ins obere Stockwerk frei, um euer Kind vor dem sicheren Tod zu retten. Diese eröffnende Szenerie dient quasi als kleines Tutorial, um euch mit den Grundlagen der Steuerung vertraut zu machen. Diese könnt ihr aber auch ändern, falls sie euch nicht passt.

Evil2Bild2Oben angekommen schaut ihr voller Entsetzen in ein leeres Kinderzimmer, dass vom Feuerschein hell erleuchtet ist. Das Fenster ist zerbrochen. Von Lily fehlt weit und breit jede Spur. Ein Ruf der Kleinen reißt euch erschrocken herum. Da steht sie in einem hübschen Nachthemd und macht euch dein Vorwurf, dass ihr sie im Stich gelassen hättet. In dem Moment, in dem ihr sie in den Arm nimmt, wird die Szenerie zu einem noch größeren Albtraum. Denn das Gesicht Lillys und ihr Körper gehen in Flammen auf. Ihre Haut scheint zu schmelzen und der Raum stürzt ein. Die Gegenstände fliegen nach oben und alles wird vom Feuer verschlungen...

Mit einem lauten, angsterfüllten Schrei erkennt ihr, dass ihr euch in einer heruntergekommenen Bar befindet, in der zwei Männer, die an die legendären „Men in Black“ und an Neo aus „Matrix“ erinnern, Darts spielen. Die Wahrheit ist nämlich noch viel brutaler, als euer Albtraum. Die Karriere (Sebastian war ein erfolgreicher Polizei-Detective) ist schon lange den Bach runter gegangen. Eure Frau hat euch aufgrund des Hausbrandes, den ihr nicht verhindern konntet, voller Trauer, Wut und Hass sowie der Gewissheit, dass die gemeinsame Tochter wohl in den Flammen umgekommen ist, verlassen und ihr seid dem Alkohol verfallen.

In diese ausweglose Situation hinein platzt Juli Kidman, die Castellanos berufliche Partnerin war und ihn im ersten Teil als Geheimagentin von Mobius, jener geheimnisvollen und extrem mächtigen Organisation des Vorgänger-Spiels, verraten hatte. Kidman besitzt nun tatsächlich die Dreistigkeit, euch um Hilfe zu bitten. Um auch ganz sicher zu gehen, dass Sebastian ihr folgt, hat sie einen Trumpf im Ärmel. Denn Juli behauptet, dass Castellanos Tochter Lily lebt und Gefangene von Mobius ist. So bleibt dem ehemaligen Detective nichts anderes übrig, als in die albtraumhafte Welt von STEM, jenes System, das menschliche Gehirne in einer alternativen Welt miteinander verbindet, um geteilte Bewusstseinserfahrungen zu ermöglichen, zurückzukehren. Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnt, ist, dass Lily dank ihres „reinen Geistes“ das „Kerngehirn“ ist und als Host des STEM-Systems benutzt wird. Dummerweise hat sich Lily jedoch (freiwillig oder gezwungen) aus dem Staub gemacht und lässt einen nun noch verzweifelter dreinblickenden Vater zurück. Die einzige Möglichkeit, Lily zu finden, ist es, in die alternative Welt von STEM einzutauchen. Diese Welt wurde „Union“ getauft und mit dem Verstand von Lily erschaffen. Nun sind also mal eben die komplette Alternativwelt, die echte Welt und irgendwie alles und jeder in Gefahr. Zeit also, euch auf die Suche nach eurer Tochter zu begeben, und gegen die inneren Dämonen anzukämpfen.

Linear und offen zugleich

Bereits die ersten Minuten, in denen ihr euch in der Alternativwelt von Union umschaut, geschehen äußerst merkwürdige Dinge. So stehen scheinbar herrenlose Autos in der Botanik, in denen bei genauerem Hinsehen verwesende und von Maden bevölkerte Leichen „sitzen“, bewegen sich Zombies durch die engen Straßen und eine Frau rennt – irgendetwas von Haut und Knochen essen müssen – über eine Straße in ein Haus. Neugierig wie man ja bekanntermaßen als Horrorspiele-Fan ist (und wie es das Spiel vorsieht) folgt ihr der Frau in ein scheinbar verlassenes Haus und duckt euch in der Dunkelheit, damit sie euch nicht wahrnehmen kann. Was dann folgt, erinnert an das in diesem Jahr erschienene „Resident Evil 7“ und soll – wie auch der Rest der Story nicht mehr gespoilert werden. Eines kann man jedoch verraten: Im Spiel gibt es nicht nur einen Gegenspieler, der euch unzählige fiese und abgrundtief hässliche Kreaturen auf den virtuellen Leib hetzen wird.

Evil2Bild3Dass diese allesamt typische Mikami-Kreaturen sind, erkennt man als Fan äußerst rasch. Denn kaum einer kommt auf so geniale und gleichzeitig kranke Ideen, wie der Spieleentwickler aus Fernost. Doch nicht nur das Design der Zombies, Monster und Psychopathen ist erstklassig. Auch der Sound tut sein übriges. Wenn ihr im Besitz einer Dolby Surround-Anlage seid, könnt ihr euch auf eine wunderbare Abmischung und eine geniale Feindetailwiedergabe freuen. Eines der Highlights in der ersten Viertelstunde ist beispielsweise eine riesige Pendeluhr, die inmitten eines mehrstöckigen Hauses hin und her schwingt. Der Subwoofer bekommt hier richtig was zu tun. Einfach genial. Auch das immer wieder sporadisch mit Geräuschen gearbeitet wird, die euch nicht selten einen Schauer über den Rücken jagen, ist absolut exzellent. Spieler mit schwachen Nerven sollten das Spiel wohl eher am Nachmittag und keinesfalls im Dunkeln spielen...

Was zu dieser gelungenen und äußerst dichten Atmosphäre außerdem beiträgt, sind die glaubwürdigen Charaktere und die wirklich gelungene deutsche Synchronisation. Hier kann der Spieler mit dem Protagonisten mitfühlen, mitleiden, hoffen und bangen. Leider sind die Dialoge nicht handlungsentscheidend und werden meist lediglich der Reihe nach abgeklappert. Dennoch zeigen die Gespräche, wie verzweifelt der Vater die Suche nach seinem Kind angeht. Denn eines ist klar: Geht die Welt von STEM unter, bedeutet das auch den sicheren Tod seines Kindes. Warum dem so ist? Auch dazu soll an dieser Stelle nichts verraten werden. Eines lässt sich aber mit Sicherheit sagen: „The Evil Within 2“ ist weit weniger auf den blanken Horror fixiert, wie manch anderer Genrevertreter, sondern setzt auf vielschichtige Emotionen und – im wahrsten Sinne des Wortes – Mit-Leiden und Mitleid.

Doch Moment: So ganz ohne Vorstellung des Gegenparts geht es dann doch nicht. Denn nun werdet ihr euch ja sicherlich fragen, wie dieses Höllengesöcks überhaupt in den Kopf eines Kindes gelangen kann bzw. wie in dem STEM-Geflecht derart „schlechte“ Gedanken auftauchen können, wenn doch ein „reines Gehirn“ den Verbindungsposten inne hat. Also machen wir es kurz und bündig: Stefano Valentini, so der Name eures Widersachers, ist ein selbsternannter Künstler, der in seinem ehemaligen Beruf als Kriegsfotograf die Welt bereiste. Während eines Einsatzes gelangte er in eine lebensbedrohliche Situation, in welcher ein in der Nähe stehender Soldat durch eine Mine getötet wurde. In diesem Moment verlor Valentini ein Auge, entwickelte jedoch perverserweise auch eine Vorliebe für den Moment des Todes andere Menschen. Von dieser Sehnsucht angetrieben, weitere für ihn perfekte Fotos zu schießen, manipuliert er STEM und Union und holt sich neue Opfer, die er ebenfalls bestialisch tötet. Dann macht er aus den Sterbenden Kunst oder fotografiert den Moment des Todes.

Um euch den Garaus zu machen, erschafft er Kreaturen, die vor Irrsinn nur so strotzen, abartig aussehen und mit individuellen Stärken und Schwächen ausgestattet wurden. Je nach Schwierigkeitsgrad rückt ihr ihnen mit verschiedenen Waffen und mehr oder weniger viel Munition auf die Pelle, besiegt sie im Nah- oder Fernkampf, umgeht sie durch Schleichen (einem der Hauptelemente des Titels) oder tötet sie lautlos aus dem Hinterhalt. Habt ihr in einer Auseinandersetzung dann doch mal den Kürzeren gezogen, könnt ihr nur hoffen, über eine Spritze mit Serum zu verfügen, die euch einen Teil eurer Lebensenergie wiederherstellt. Aus diversen Pflanzen stellt ihr Heilmittel zusammen. Auch die verschiedenen Fähigkeiten von Castellano können im weiteren Spielverlauf verbessert werden. In diesen Momenten mutiert das Horrorspiel zu einem „RPG light“. Klar: Auch eure Waffen können natürlich durch Schrott verbessert und gegen größere Feinde eingesetzt werden.

Alles, was ich gerade beschrieben habe, läuft in einer – im Vergleich mit dem Vorgänger – offeneren Spielwelt ab, in der ihr mehrere Möglichkeiten habt, an euer nächstes Ziel zu kommen. Dennoch bleiben die Areale übersichtlich und lassen euch nicht im Unklaren, wie und wo es denn nun weitergeht oder weitergehen sollte. Dafür sorgt auch eine Karte. Apropos Klarheit: Wem das Ganze ein wenig zu sehr unter die Haut geht, oder wer sich das Spiel einteilen will, der darf natürlich an vorgegebenen Punkten im Spiel speichern. Freies speichern ist hingegen nicht möglich. Dafür speichert das Spiel jedoch zwischendurch.

Fazit: Mit persönlich gefällt „The Evil Within 2“ noch ein wenig besser, als der gelungene Vorgänger. Das liegt daran, dass sich die Welt von „Union“ offener gibt, ich mit dem Protagonisten mitfühlen, ja sogar mitleiden kann, die Gegner noch fieser sind und ich mein Alter Ego in verschiedene Richtungen hin weiterentwickeln kann. Gut: Manchmal könnte die Grafik ein wenig mehr auf der Höhe der Zeit sein und manche Gruseleffekte sind ein wenig vorhersehbar. Dennoch wissen die 8abstrusen Ideen des japanischen Altmeisters des Horrorgenres, Shinji Mikami erneut zu gefallen und dank der stellenweise tollen Einbindung meiner Surround-Sound Anlage hatte ich nicht selten während meiner Test-Sessions eine Gänsehaut und fühlte mich toll unterhalten. Ich bin schon gespannt, ob die Leistung von Microsofts in Kürze erscheinender Xbox One X dem Spiel noch einen ordentlichen Grafik-Boost verpassen wird, oder ob alles beim Alten bleibt. Aber das hat natürlich keinerlei Einfluss auf die Benotung dieser Fassung. Daher bleibt mir zum Schluss nur eine Kaufempfehlung auszusprechen, wenn ihr das angegebene Alter überschritten habt. Denn „The Evil Within 2“ gehört nun definitiv nicht in Kinderhände!

Die inn-joy Redaktion vergibt 8 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Bethesda für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

U. Sperling

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