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Vorstellung und ausgewählte Sorten im Test: Privatrösterei ETTLI

DonPedroAls in den 1990er Jahren in den USA die ersten Verbraucher sich dafür interessierten, wie die Kaffeebauern bezahlt werden, woher ihr Kaffee genau stammt, was beim Anbau, der Verarbeitung und dem Handel so alles passiert und wie der Kaffee von den Kaffeeröstereien zubereitet wird, begann ein Umdenken hin vom klassischen Kaffeeverkauf und den zugeklatschten „To go“-Kaffees, bei denen man vor lauter anderer Produkte wie Saucen, Marshmallows oder sonstigem Kram den Eigengeschmack des Kaffees kaum noch wahrnehmen konnte, hin zum bewussten Nachdenken über Anbau, Handel und Vertrieb. Bei uns steckt diese Entwicklung fast noch in den Kinderschuhen. Vor allem die Röstereien, die in den vergangenen 10 Jahren eröffneten, denken häufiger im Sinne diese „Third Wave Coffee“-Bewegung, als die „alteingesessenen“ Röstereien, die über Generationen ihren Kaffee an die Kunden bringen. Aber auch hier setzt man sich mit den Themen „Nachhaltigkeit“, „Fairness“ und „Transparenz“ auseinander. Eine dieser Röstereien ist die Privatrösterei „ETTLI“ aus Ettlingen, die wir euch im Folgenden vorstellen.

Tradition trifft auf „moderne“ Kunden

Im beschaulichen Ettlingen, einer Stadt südlich von Karlsruhe in Baden-Württemberg, ist die Privatrösterei „ETTLI“ ansässig. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1920, also vor fast 100 Jahren, von Herrmann Hauck. Kaffee war allerdings zu dieser Zeit nur ein „Nebenprodukt“. Doch im Laufe der Zeit erkennt man die Möglichkeiten, welche die Rösterei und der Vertrieb mit sich bringen. Und so wird im Laufe der Jahrzehnte das Geschäft immer weiter ausgebaut, verbessert und optimiert. Mittlerweile, wir schreiben die 1980er Jahre, verschickte „ETTLI“ seinen Kaffee in die ganze Welt und machte sich so einen Namen weit über die Grenzen der damaligen Bundesrepublik hinaus. Zusätzlich erweiterte man das Portfolio um verschiedene Tee-Sorten. In den 1990er Jahren wuchs das Unternehmen, sodass neue Geschäftsräume bezogen wurden. Die Leitung hatte damals bereits der heutige Inhaber, Jürgen Rupp, inne. Man erweiterte das Angebot noch einmal und führte eine „Gastroabteilung“ mit ein. Von da an standen auch diverse Produkte im Bereich Porzellan, Glas und Besteck bis hin zu großen Küchengeräten auf dem Programm. Doch die Expansion ging noch weiter und so gliederte „ETTLI“ seinen Bereich der Heiß- und Kaltgetränkeautomaten aus und eröffnete eine zweite Filiale für den Kaffee-, Tee- und Gewürzverkauf in Karlsruhe. Doch in einem ist sich „ETTLI“ trotz allem treu geblieben: Die Röstung der Kaffees erfolgt noch immer von Hand und ohne Computer oder anderer „Zusatzgeräte“ außer dem Röster.

Da wir uns auf den Test von Kaffees und Espressi fokussieren, lassen wir detaillierte Ausführungen zu den weiteren Produkten aus dem umfangreichen „ETTLI“-Sortiment außen vor. Im Onlineshop gibt es aktuell (Stand 02/2018) 37 Kaffees und Espressi im Angebot. Drei Kaffee-Sorten sind „Fairtrade“, fünf Sorten sind „Bio“-Kaffees, fünf Sortenrein, achtzehn Kaffees sind Mischungen („Blends“) usw.

Die Kaffee-Sorten werden mit Aromafrischesiegel verpackt, die von uns getesteten beiden „Bio“-Sorten („Don Pedro Bio Espresso“ und „Don Pedro Bio Kaffee“) kommen mit wiederverschließbaren „Zip“-Verpackungen daher. Auf den uns zur Verfügung gestellten Verpackungen finden wir – neben dem Firmenlogo und dem Namen – Angaben zum „Tassenprofil“, zum Geschmack, zum Mischungsverhältnis von Robusta und Arabica, Empfehlungen zur Zubereitungsart, das „Fairtrade“-Siegel, das „Bio“-Siegel sowie das Siegel „DE-Öko-006“ für Nicht-EU-Landwirtschaft. All das verspricht eine gewisse Nachhaltigkeit und eine relativ faire Bezahlung. Leider werden jedoch weder auf der Verpackung noch auf der Internetseite exakte Angaben zu den Plantagen gemacht, von denen die Kaffees stammen und auch zur Aufbereitung finden sich keine Angaben. Die Aussagen zur Herkunft des Kaffees sind eher allgemeiner Natur. („Unser „Don Pedro“- Bio Kaffee besteht zu 100% aus Arabica-Bohnen, aus einer Organisation im Nord-Osten Perus.

Heute bauen für die 1999 gegründeten CENFROCAFE über 1.800 Kleinbauern-Familien aus über 60 Kooperativen Kaffee an. Die Kooperativen konnten mit Hilfe der Fairtrade-Prämien in die soziale Infrastruktur, die medizinische Versorgung, der Aus- und Weiterbildung der Bauern und in die Verbesserung der Arbeitsbedingungen investieren.“) Hier sollte mehr für die Transparenz getan werden. Immerhin haben es die Verantwortlichen bei „ETTLI“ bereits realisieren können, ein paar ihrer Kaffees „Fairtrade“ und „Bio“ zu beziehen, wenngleich da mehr machbar wäre...

„Don Pedro Bio Espresso“ und „Don Pedro Bio Kaffee“ im Geschmackstest

Für unseren Test haben wir die beiden Kaffees in der „Comandante C40 MK3 Nitro Blade“ und der „Baratza Sette 270W“ gemahlen und im Vollautomaten bzw. Siebträger (Espresso) sowie im Handfilter Hario V60 und der Softbrew-Kanne zubereitet.

Geschmacklich überzeugt der Kaffee, da er harmonisch abgerundet ist, vollmundig im Geschmack und sehr nuanciert ist. Vor allem der Karamellgeschmack tritt deutlich hervor. Beim Aufbrühen im Hario Handfilter entfaltet er seine Aromen besonders gut. Schon während des Brühvorgangs lassen sich Anklänge von dunkler Zartbitterschokolade ausmachen, die sich noch weiter verstärken, wenn die Aromen aufbrechen.

Der Espresso ist etwas stärker, überzeugt durch einen vollen Körper, eine schöne Würze und einen nussigen Geschmack. Im Abgang ist er nicht allzu rau. Röstaromen spielen dezent im Hintergrund eine Rolle.

Fazit: Schade, dass uns „ETTLI“ für den Test nur zwei Sorten zur Verfügung gestellt hat. Denn wir hätten euch noch gerne weitere Sorten präsentiert. Die beiden von uns getesteten Sorten konnten uns voll und ganz überzeugen. In Sachen Nachhaltigkeit und Fairness ist man auf einem guten Weg, der (ebenso wie die Transparenz) aber noch ausbaufähig ist. Somit ergibt sich folgende Gesamtbewertung:

Die inn-joy Redaktion vergibt 8 von 10 Punkten.

Zusammensetzung der Gesamtbewertung:

Qualität: 9 von 10 Punkten

8Fairness und Nachhaltigkeit: 6 von 10 Punkten (schwer nachzuvollziehen)

Geschmack: 8 von 10 Punkten

Transparenz: 5 von 10 Punkten (schwer nachzuvollziehen)

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei der Privatrösterei „ETTLI“ für die zur Verfügung gestellten Testexemplare.

D. Stappen

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