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Vorstellung und ausgewählte Sorten im Test: Heilandt Kaffeemanufaktur

HeilandtKaffeeLogoVielleicht mag der eine oder andere Leser sich fragen, wie wir eigentlich an neue Partner für unsere Rubrik „Kaffeewelten“ kommen. Manchmal lesen wir Artikel beispielsweise in Fachmagazinen wie „Crema“ oder „Der Feinschmecker“. Manchmal schauen wir, das sich so in den sozialen Netzwerken tummelt oder bekommen Tipps von Freunden, die sich in der Kaffeeszene auskennen oder durch Zufall tolle Cafés finden. Und manchmal ist es auch einfach nur der Name, der aufhorchen lässt. Im Fall der „Heilandt Kaffeemanufaktur“ liegt das Interesse natürlich sehr nahe, hört unser Chefredakteur doch auf exakt denselben Namen (mit dem Unterschied, dass der Name echt ist und nicht von Eylandt (einem der vier Gründer des Unternehmens, dessen Spitzname „Heilandt“ ist) kommt bzw. auch Heiland geschrieben wird). Und nur wenige Tage nach unserer Anfrage (die übrigens sehr freundlich von Marc Paluch, einem weiteren Gründungsmitglied von „Heilandt“ beantwortet wurde), standen auch schon einige Kaffeesorten zum Testen in unserer Redaktion. Wie der Kaffee der Kölner so schmeckt und was das Team in Sachen Fairness, Nachhaltigkeit und Transparenz – ganz im Sinne der „Third Wave Coffee“-Bewegung so zu bieten hat, erfahrt ihr im Folgenden.

Vier Kölner haben einen Plan

Während viele Röstereien in Deutschland auf eine jahrzehntelange Tradition ihres Hauses zurückblicken können und dabei viele Erfahrungen sammeln und im Laufe der Zeit erstklassige Röstprofile erstellen konnten, ist „Heilandt“ ein noch recht junges Unternehmen. Die Anfänge liegen nicht einmal 10 Jahre zurück. Als die vier Gründer (und Freunde) 2009 bei einem Kaffee zusammen saßen, fragten sie sich, warum es so wenig wirklich gute Kaffeeröster gibt. Was lag also näher, als selbst eine Rösterei zu eröffnen, und die künftigen, potentiellen Kunden mit Spitzenkaffee zu versorgen! Was zunächst einmal als äußerst tollkühn und wagemutig anmutet (auch wenn die vier Gründer der „Heilandt Kaffeemanufaktur“ bereits – jeder auf seine Weise – Erfahrungen mit Kaffee hatten), wurde schnell zu einem beachtlichen Erfolg innerhalb Kölns. Und so begann das Team (zu dem sich in der Zwischenzeit weitere Kaffeefans und Experten hinzugefunden hatten) mit ersten Expansionsbestrebungen. Heute besteht „Heilandt“ aus neun ambitionierten Damen und Herren, die einen Kaffeeladen in Köln-Sülz, einen Kaffeeladen im Belgischen Viertel (seit 2010 der „Stammladen“), die „Spoho“ Bar in Köln-Junkersdorf in der Zentralbibliothek der Deutschen Sporthochschule sowie die eigene Rösterei „Tor 5“ in Köln-Ehrenfeld (seit 2013) betreiben.

Neben dem vor Ort-Verkauf und Ausschank und dem Online-Shop bietet „Heilandt“ auch diverse Barista-Kurse, Latte Art-Kurse und Verkostungen an. Bei so viel Enthusiasmus und Ehrgeiz versteht es sich da fast schon von selbst, dass die „Heilandt Kaffeemanufaktur“ auch ganz im Sinne der „Thid Wave Coffee“-Bewegung Wert auf die Verarbeitung des Kaffees vom Strauch bis hin zum Röster, eine gute Bezahlung der Kaffeebauern für ihren hochwertigen Kaffee sowie einen direkten Handel, bei dem in der Regel nur der Transporteur zwischen den Farmern und dem Röster steht und keine dubiosen Zwischenhändler oder die Kaffeebörse und – last but not least – die Unterstützung nachhaltiger Projekte.

All dies bietet auch „Heilandt“ bei vielen seiner Kaffeesorten. So wird der Kaffee bereits bei diversen Sorten direkt gehandelt (bei den aktuellen Sorten steht es auf der Verpackung), der Preis, der den Bauern gezahlt wird, liegt dann über dem des Fairtrade-Preises und die Transparenz dadurch gegeben, dass durch diese funktionierende Symbiose zwischen Farmern und Röster exakt nachzuvollziehen ist, woher der jeweilige eingekaufte Kaffee stammt. Zusätzlich verpflichten sich die Kaffeebauern, nach ökologisch nachhaltigen Grundsätzen anzubauen. Sie verzichten auf den Einsatz von Pestiziden, Herbiziden, Fungiziden und das Pflanzen von Schattenbäumen. Hinzu kommt, dass „Heilandt“ ein bio-zertifiziertes Unternehmen ist (was allerdings eher für das Schaulaufen der EU dient) und die Firmengründer das

„Orang Utan Coffee Project“ der „Regenwald GmbH“ unterstützen. Hierdurch helfen sie den Bauern in Sumatra die Kaffee-Plantagen ökologisch und nachhaltig zu bewirtschaften und so den Regenwald zu bewahren, der ein immer geringer werdender Lebensraum von Orang Utan ist. Wie dies in der Praxis aussieht? Für jedes Kilogramm Kaffee erhalten sie eine Prämie von 0,50 EUR, weitere 0,50 EUR gehen an das „Sumatran Orangutan Conservation Programme (SOCP)“, das sich seit vielen Jahren in Kooperation mit der indonesischen Regierung für den Schutz der bedrohten Tiere einsetzt.

Vielfalt in der Tasse

Kommen wir nun zu einigen an uns verschickte Kaffeesorten, die wir euch beispielhaft vorstellen wollen. Bevor wir euch unsere Geschmackseindrücke vermitteln, müssen wir allerdings einen Kritikpunkt loswerden: Die Verpackungen der uns zugeschickten Sorten müssen von Origami-Fans geklöppelt worden sein. Denn wenn ihr (so wie es bei uns im Test vorkam) nicht genau darauf achtet, die Einheiten an der Unterseite umzuschlagen, fallen euch die Bohnen (wenn ihr die Tüten hinstellen möchtet) gnadenlos aus der geöffneten Verpackung, was zu einem heillosen Chaos führt. Hier sollten sich die Verantwortlichen eine neue Strategie überlegen!

HeilandtOrangUtanKommen wir zu den getesteten Sorten „Orang Utan Kaffee“ und „Organ Utan Espresso“

Zuallererst fällt auf, dass das Bohnenbild recht einheitlich wirkt. Defekte sind selten, kommen aber in kleinerer Stückzahl vor. Manche Bohnen sind ein wenig heller, andere dunkler geröstet. Öffnet man die Verpackungen, strömen bei allen vier getesteten Sorten feine Aromen in die Nase. Bei der Zubereitung haben wir uns an den Vorschlägen von „Heilandt“ orientiert. Der Orang Utan Filterkaffee liegt – ebenso wie die Espresso-Variante – als „washed“ vor. Zwar handelt es sich um „direct Trade“-Kaffees, doch halten sich die Röster mit Angaben zur genauen Herkunft bedeckt. So ist weder zu erfahren, welche Varietäten vorliegen, noch etwas über die Farmen im Detail zu erfahren. Es ist ja schön, dass die Kaffeeröster wissen, woher der Kaffee kommt. Aber ich als Kunde hätte doch gerne detaillierte Auskünfte gehabt. Geschmacklich besticht die Filterkaffee-Variante durch eine leichte Würze, die Espresso-Version. Beim Espresso stört mich ein wenig die leichte Tabak-Note. Überraschend ist hier die fruchtige Note, während bei der Filter-Variante die Beere kaum im Vordergrund steht und auch nur schwer auszumachen ist. Mir (und meinen Kollegen) schmeckte die Filterkaffee-Version besser.

Der Bio-Espresso „Peru Pacha Mama“

Hierbei handelt es sich ebenfalls um einen Bio-Röstkaffee, der ebenfalls direktgehandelt wird. Als Aromen werden Pampelmuse, Kirsche, Süssholz und ein erdiger Geschmack angegeben. Der gewaschene und sonnengetrocknete Espresso überzeugt durch seinen vollen Körper, seine schöne Aromenvielfalt, einen langen Abgang und durch seine filigrane Säure. Die leichte Süße macht ihn zu etwas besonderem. Auch hier ist leider nicht klar, woher genau der Kaffee kommt und in welchen Varietäten er vorliegt.

Fazit: Die Kaffees von der „Heilandt Kaffeemanufaktur“ sind geschmacklich durchaus gelungen. Allerdings vermissten wir im Test wirkliche Highlights. Einen Punktabzug gibt es auch für die nicht sonderlich durchdachte Verpackung. Die Themen „Nachhaltigkeit“ und „Fairness“ werden eindeutig betont, bei der „Transparenz“ sollte nachgebessert werden.

Die inn-joy Redaktion vergibt 8 von 10 Punkten.

Zusammensetzung der Gesamtbewertung:

Qualität: 9 von 10 Punkten

8Fairness und Nachhaltigkeit: 8

Geschmack: 8 von 10 Punkten

Transparenz: 6 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Marc Paluch von der „Heilandt Kaffeemanufaktur“ Köln für die zur Verfügung gestellten Testexemplare.

D. Stappen

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