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Vorstellung und ausgewählte Sorten im Test: Kaffeewelt Eisbrenner

EisbrennerWenn man Menschen fragt, wo sie in Deutschland Kaffeeröstereien verorten, dann kommen zweifelsfrei Namen wie Hamburg, Berlin oder auch der Süden spontan in die Nennung. Weniger bekannt ist bei den Meisten wohl, dass es auch bei uns in Nordrhein-Westfalen einige Kaffeeröstereien gibt. Gerade Ostwestfalen-Lippe scheint auf dem Vormarsch zu sein, was die Röstung nachhaltig angebauter, fair gehandelter und qualitativ hochwertiger Kaffees ist. Als „Geheimfavorit“ entpuppt sich hierbei Bielefeld. Denn nachdem wir vor einiger Zeit euch die Kaffeerösterei „Hot Roasted Love“ vorgestellt haben, hat uns die „Kaffeewelt Eisbrenner“ einige ihrer tollen Kaffees zugeschickt. Was uns hier begeistert, erfahrt ihr im Test.

Eine alles umwälzende Auslandsreise mit Folgen

In den vergangenen Wochen und Monaten haben wir euch ja bereits die unterschiedlichsten Kaffeeröstereien vorgestellt. Auffällig war, dass bei vielen Röstereien der Gedanke, eigenen Kaffee zu rösten und anzubieten, durch einen Aufenthalt im Ausland, besser gesagt in den Ursprungsländern des Kaffees, entstanden ist. So auch bei der „Kaffeewelt Eisbrenner“. Hier war er eine Reise in die legendären „Blue Mountains“ auf Jamaika und zur „James Dennis Farm“. Von dort nahmen Angelika Eisbrenner und ihr Mann Andreas Risse Erlebnisse, Eindrücke und natürlich besten Hochlandkaffee mit. Und wie bei uns allen, die täglich mit absolutem Spitzenkaffee zu tun haben, wollten beide danach nicht mehr den „typisch deutschen“ Kaffee (oder wie ich oft sage „Plörre mit Farbe und Milch“) trinken. Also folgte, was in der Konsequenz folgen musste: Die beiden begannen, Kaffee zu importieren und zunächst noch rösten zu lassen. Doch auch das reichte Angelika Eisbrenner und Andreas Risse nicht. 2009 begannen sie selbst, ihren Kaffee zu rösten. Heute rösten sie Kaffee aus verschiedenen Ländern und haben natürlich auch ein paar interessante „Hausmischungen“ im Angebot. Dabei ist den beiden Eheleuten wichtig, dass sowohl sie, als auch ihre Kunden nachvollziehen können, woher der Kaffee stammt, wie er aufbereitet wird, und wie es um Nachhaltigkeit und Fairness bestimmt ist. Für unseren Test hat uns Andreas Risse die Sorten „Espresso Africano“, „Kenia Kedovo“, „Doi Chang“ und „Bielefeld-Kaffee“ zur Verfügung gestellt. Zwei ganz besondere Highlights wollen wir euch näherbringen.

Der Doi Chang

Bei diesem Kaffee muss ich sagen, dass ich schon ein wenig überrascht war. Verortet man Kaffes doch überwiegend in mittel- und lateinamerikanischen Ländern, in Afrika oder im pazifischen Raum, ist Thailand doch eher ein wenig bekanntes Terrain für Kaffee. Bei diesem Kaffee, den wir sowohl im Handfilter Hario V60 als auch im Siebträger getestet haben, handelt es sich um einen sortenreinen Arabica, welcher im Doi Chang Gebirge in der Provinz Chiang Rai in einer Höhe von 1.500 – 1.700 Metern als Microlot angebaut wird. Kultiviert wurde der Kaffee von den einheimischen Bergvölkern. Der Kaffee wird per Hand gepflückt und liegt als „washed“ vor.

Geschmacklich wusste ich daher natürlich auch außer den Erläuterungen auf der Verpackung nicht, was mich erwartet. „Vollmundig würzig mit Noten von Pistazien, Mandeln und Vanille“ klingt ja schon mal spannend. Und in der Tat setzt sich dies auch in der Tasse fort. Denn in der Nase nimmt man bereits die schokoladigen Noten und die Mandel war. Ganz ferne Erinnerungen an Kirmes und Jahrmarkt kommen auf. Im Mund macht sich ein erstaunlicher Körper breit, einer tollen Aromenvielfalt und einem langen Abgang. Die Zitrusnote dominiert den Geschmack, erschlägt dennoch die anderen Aromen zu keiner Zeit. Säure ist nicht vorhanden, Röstaromen minimal, aber nie störend. Filigran und sanft schmeichelt dieser Kaffee dem Gaumen. Chapeau. Was Nachhaltigkeit und Fairness bzw. die Sozialkomponente anbelangt, so ist zunächst einmal positiv zu erwähnen, dass hier (wie bei den anderen Sorten) Direktimport betrieben wird. So kommen keine dubiosen Zwischenhändler, Importeure oder die Kaffeebörse mit ins Spiel. Darüber hinaus werden die Kaffeebauern deutlich über den Preisen von Fairtrade bezahlt.

BielefeldKaffeeEisbrennerDer Bielefeld Kaffee

Bei diesem besonderen Kaffee handelt es sich um Kaffeebohnen aus der Partnerstadt Estelí in Nicaragua. Im Direktimport ( von der Kaffeekooperative UCA-Miraflor) stammen die Bohnen, die das Fairtrade Siegel tragen, aus dem Naturschutzgebiet Miraflor. Der Hochlandkaffee wird in rund 1400m angebaut. Die Micro-Lots werden als Crema- und Espressomischungen sowie als Single Origin täglich frisch geröstet. Die „Kaffeewelt Eisbrenner“ unterstützt das „Welthaus Bielefeld“ für jedes verkaufte Kilogramm Kaffee 50 Cent für die Unterstützung diverser sozialer Projekte in Estelí. 

Doch damit nicht genug. Denn der Kaffee, der Fairtrade Siegel trägt, wird in allen Belangen von Akteuren begleitet. Ein Landvermesser der Stadt Bielefeld vermisst ehrenamtlich die Kaffeeparzellen umden Bauern eine Bio-Zertifizierung zu ermöglichen. 

Mit Hilfe von weiteren Akteuren wie das Welthaus Bielefeld, die Biohaus-Stiftung von Willy Ernst, der Mitka in Berlin und vielen weiteren Unterstützern wurde der Verkauf von 20 Sack, die hier nach Deutschland verkauft wurden, auf inzwischen 18 Tonnen im Jahr gesteigert. Acht Tonnen davon werden von Eisbrenner verarbeitet. Der Rest verteiltsich auf mehrere weitere Handwerksröster, für die faire Entlohnung der Kaffeebauern im direkten Zusammenhang mit der zu erwartenden Erntequalität steht.

Geschmacklich ist dieser Kaffee etwas wirklich spannendes aber auch speziell. Denn er bietet eine Aromenmischung aus Mandeln, Mirabellen und altem Cognac. In der Tat ist Letzterer zu erkennen, aber nicht so dominant, wie bei anderen Sorten, die mit Cognac, Whiskey oder anderen alkoholischen Produkten zusammenhängen. Hier treten zum Teil etwas erdig-nussige Aromen in den Vordergrund, die den Begriff „Wald“ vor dem geistigen Auge auftauchen lassen. Der komplexe Körper und eine dezente, feine Säure runden das Geschmackserlebnis ab. Zu der Aufbereitung (vermutlich „washed“) und Varietäten wird nichts erwähnt.

Die inn-joy Redaktion vergibt 9 von 10 Punkten.

Zusammensetzung der Gesamtbewertung:

9Qualität: 9 von 10 Punkten

Fairness und Nachhaltigkeit: 9

Geschmack: 8,5 von 10 Punkten

Transparenz: 10 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Angelika Eisbrenner und Andreas Risse von der „Kaffeewelt Eisbrenner“ für die zur Verfügung gestellten Testexemplare.

U. Sperling

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